Usters spannendes Fussgängerzone-Experiment
«S’ Zentrum zum Sii»
Uster belebt sein Zentrum: Für zwei Wochen verwandelt sich die Innenstadt in eine vibrierende Fussgängerzone. Wir waren beim Eröffnungsanlass dabei.
Dort, wo sonst die Autos durchfahren, stehen jetzt ein Essensstand, eine Plauderbank und verschiedene Holzfiguren. Statt parkende Autos beleben farbenfrohe Kreidezeichnungen die Stellplätze, auf der Strasse spazieren Menschen . Für die nächsten zwei Wochen ist Usters Stadtzentrum um die Post für den Autoverkehr gesperrt und dient als Fussgängerzone.
Das Projekt mit dem Namen «S’ Zentrum zum Sii» ist eine Initiative der Stadt und läuft vom 3. bis zum 18. Juni. Die Aktionswochen sind Teil der Umsetzung des Postulats «autofreies Stadtzentrum im Sommer 2021», das die Prüfung einer temporären Fussgängerzone fordert.
Die neue Fussgängerzone wurde am Samstag mit einem Nachhaltigkeitsmarkt eingeläutet, bei dem lokale und saisonale Produkte entdeckt werden konnten. Zeitgleich konnten die Leute im Rahmen der Bauaktion «Pialeto» mit Werkzeugen und viel Phantasie Holzskulpturen erstellen, die nun an den Eingängen zu der Fussgängerzone stehen. Abgerundet wurde der Tag mit einer offiziellen Eröffnungszeremonie.
Zeitreise in Usters Zukunft
Als diese um 18.15 Uhr beginnt, herrscht bereits reges Treiben. Eine Bühne steht inmitten der gesperrten Zone, die T-förmig erscheint. Mit einigen wenigen Worten begrüsst Sandra Frauenfelder die Anwesenden. Sie selbst ist Mitglied der Ustermer Stadtförderung.
Im Gespräch meint sie, Ziel dieses Projekts sei es, das Stadtzentrum attraktiver zu gestalten. Das Leben hier solle gefördert werden und damit die Verweildauer der Leute. Nach Sandra Frauenfelder betritt die Stadtpräsidentin Barbara Thalmann die Bühne. In einer kurzen Rede heisst sie die Anwesenden willkommen.

«Ich darf Sie in den nächsten zwei Wochen mit auf eine Zeitreise nehmen», beginnt sie und verweist auf die Möglichkeit, dass das Zentrum in den kommenden Jahren, nicht nur für zwei Wochen, sondern auf Dauer in eine Fussgängerzone verwandelt werden könne.
Andere Städte hätten alle diese anziehenden Stadtkerne, in denen die Menschen verweilen und flanieren können. Uster, früher ein Dorf, heute die drittgrösste Stadt des Kantons, habe ein solches Zentrum jedoch nicht. Umso mehr freue sie sich auf die nächsten zwei «lebigen» Wochen.
Nach Thalmann ergreift Stefan Feldmann, Stadtrat und Abteilungsvorsteher Bau, das Wort. Als er ein kleiner Bub war, hätten schon Pläne existiert, den Stadtkern in etwas Lebendigeres zu verwandeln. Nun, viele Jahre später, lägen endlich Pläne vor, und man sei so weit wie nie zuvor.
Eine Stunde voller Tanz
Das eigentliche Highlight des Abends bildet dann jedoch die Performance der lokalen Tanzschule Movity. «Es ist immer schwer, nach Politikern zu reden», begrüsst Mario, der durch das Programm der Tanzschule moderiert, die Anwesenden und versucht, für etwas Stimmung zu sorgen. Was folgt, ist eine Stunde voller Tanz.






Insgesamt zeigen fünf unterschiedliche Gruppen in allen Altersklassen ihr Können. Von Urban Dance über Flamenco bis hin zu Contact Improvisation – einem Tanzstil, bei dem es um die aktive Entdeckung aller Bewegungsmöglichkeiten geht, die zwei oder mehr menschliche Körper ausführen können – ist alles dabei.
Interessiert verfolgen die Zuschauenden die Vorführung. Video: Annette Saloma
Die Anwesenden schauen den Tanzenden gerne zu. Elena Wyss, deren 14-jährige Tochter als Teil der Gruppe The Next Level getanzt hat, bezeichnet den Abend als «mega von A bis Z». Sie könne nichts aussetzen. Die Idee, eine Fussgängerzone in Uster zu haben, gefiele ihr auch. Man könne hier super chillen und spazieren, sagt sie. Nicht aufs Auto achten zu müssen, sei super. «Ich bereue nur, dass es das nicht schon gab, als meine Tochter noch klein war», meint sie. «Das wäre super gewesen.»
Einzig die Post solle noch per Auto erreichbar bleiben, meint ihr Ehemann. Mit diesem Anliegen ist er nicht allein, und es ist der Stadtverwaltung bewusst. «Viele wissen nicht, dass unter der Post ein Parkhaus mit Kundenparkplätzen existiert», antwortet Barbara Thalmann auf Nachfrage. Ein Problem sollte so also nicht entstehen. Dafür könnte das Zentrum in Zukunft jedoch lebendiger werden.
«Attraktives Stadtzentrum»
Das Projekt «Attraktives Stadtzentrum» entstand aus dem Bedürfnis, das Zentrum von Uster zu einem lebendigeren und grüneren Ort der Begegnung zu machen. Das Konzept sieht vor, dass auf den zentralen Abschnitten von Webernstrasse und Gerichtsstrasse eine fussgängerfreundliche Zone mit viel Grün entsteht. Das Projekt zielt darauf ab, mehr Besucher anzuziehen, die Verweildauer im Zentrum zu erhöhen, die Nutzung des Strassenraums durch das Gewerbe zu steigern und das Stadtklima zu verbessern. Herzstück ist ein geplanter Stadtgarten mit Pavillon an der Webernstrasse.
Die Stadt Uster ist bestrebt, das Projekt so zu gestalten, dass es unter den aktuellen Voraussetzungen umsetzbar ist und Weiterentwicklungsmöglichkeiten bietet. Das Projekt soll mit zukünftigen Projekten wie der Überbauung des Gerichtsplatzareals, der Unterführung Winterthurerstrasse und dem Kulturzentrum auf dem Zeughausareal koordiniert werden.
Im Sommer 2023 wird die Fussgängerzone öffentlich aufgelegt, und alle Bürgerinnen und Bürger haben die Möglichkeit, Einwendungen einzureichen.