Uster prüft Fernwärme und alternative Energiequellen
Energieplan für die Zukunft
Das neue Energiegesetz des Kantons gilt seit letztem Herbst. Wie können die Oberländerinnen und Oberländer in Zukunft die fossilen Energieträger ersetzen? Hauseigentümerinnen und -eigentümer sind gefordert.
Mit der langfristigen Klimastrategie publizierte der Kanton Zürich ambitionierte Ziele: Bis 2040 soll das Netto-null-Ziel erreicht werden. Das heisst, bis dahin sollen alle Emissionen durch Kohlenstoffbindung ausgeglichen werden.
Das neue Energiegesetz trat im letzten September in Kraft. Dieses erlaubt Übergangslösungen: Nach dem Lebensende einer fossilen Heizung gibt es fünf bis acht Jahre Zeit für die Umstellung auf erneuerbare Energiequellen – wie Fernwärme oder Holzschnitzel.
Mit dem neuen Gesetz sollen auch Treibhausgasemissionen auf dem Kantonsgebiet bis 2024 so weit wie möglich reduziert werden. Unvermeidbare Emissionen, zum Beispiel aus der Landwirtschaft, müssen kompensiert werden. Dies geschieht etwa durch neu gepflanzte Bäume.
Die Abkehr von fossilen Gebäudeheizungen soll schon bis 2024 abgeschlossen sein. Das wirft viele Fragen auf.
20’780 Haushalte könnten versorgt werden
Jetzt macht auch Uster bei der Energieplanung vorwärts. Durch den ZO/AvU, der mit seiner Berichterstattung den Stein ins Rollen brachte, hat die Politik überhaupt erst von den Plänen zum Thema Fernwärme für Uster erfahren: Es gab eine Anfrage seitens der SP und der Grünen an den Stadtrat.
Die Antwort des Stadtrats zeigt nun, dass auch Uster mit der Fernwärme aus der Kehrichtverbrennungsanlage Hinwil (Kezo) arbeiten möchte. Sie soll neben anderen Lösungen die heutigen Energieträger Öl und Gas ablösen.
Konkret schreibt der Stadtrat in seiner Antwort, dass bis 2040 für Uster eine Wärmemenge von rund
80 Gigawattstunden pro Jahr aus der Kezo bezogen werden könnte.

Damit dürften jährlich rund 20’780 Haushalte versorgt werden. Im Vergleich: Uster hat 36’000 Einwohner. Somit übersteigt diese Zahl den Bedarf von privaten Abnehmerinnen und Abnehmern. Der Rest dürfte von Firmen genutzt werden.
Verteilnetz innerhalb von Uster: 60 Kilometer
Um die Wärmemenge in Uster verteilen zu können, müssten jedoch viele Leitungen gebaut werden.
Einerseits die Transportleitung von der Kezo Hinwil bis nach Uster mit einer Länge von rund 10 Kilometern, andererseits wäre der Aufbau eines Verteilnetzes innerhalb von Uster notwendig.
Dieses hat ein Mehrfaches der Länge – nämlich mindestens 60 Kilometer – und hätte einen intensiven Werkleitungsbau innerhalb der Stadt Uster bis 2040 zur Folge. Diese Planung braucht Zeit.
Zuständig für die Planung, den Bau und den Betrieb der Wärmenetze ist die Energie Uster AG. Die Energieversorgerin vertritt die Interessen der Stadt.
Holzschnitzel und Abwärme als Alternative
Auf der Website der Energie Uster AG sind schon heute diejenigen Quartiere einsehbar, die in Zukunft nicht zum Fernwärmenetz gehören werden. Sie befinden sich im Ustermer Zentrum und im Norden der Stadt. Diese Quartiere werden dem Wärmeverbund angeschlossen, der sich aus lokalen erneuerbaren Energieträgern wie Holzschnitzeln und Abwärme speist.
In Uster Nord funktioniert der Wärmeverbund zum Beispiel so: 75 bis 85 Grad heisses Wasser zirkuliert in isolierten Leitungen. Eine Übergabestation in der Liegenschaft entnimmt diesem Netz die benötigte Wärme fürs Heizen und für die Warmwasseraufbereitung – auch im Sommer.
Die Wärme wird hauptsächlich mit Holzschnitzeln aus dem Ustermer Wald hergestellt. Bei ihrer Verbrennung wird das CO2 freigesetzt, welches die Bäume während ihres Wachstums gespeichert haben.
Damit läge ein natürlich geschlossener CO2-Kreislauf vor – mit lokaler Wertschöpfung, schreibt die Energie Uster AG auf ihrer Website. Nur benötigt ein Baum 80 Jahre, bis er gewachsen ist.
Strategien der Energieplanung
Die Möglichkeiten zur Nutzung der Fernwärme aus der Kezo Hinwil sollen in der Energieplanung mit abgebildet werden. So wird die Strategie der Energie Uster AG den Wärmeverbund sowie die Fernwärme aus der Kezo berücksichtigen.
Zu welchem Zeitpunkt andere Quartiere mit Fernwärme ab der Kezo erschlossen werden können, wird aktuell noch geprüft. Sobald weitere Informationen zu den Quartieren mit Wärmelieferung ab der Kezo vorliegen, werden alle Kundinnen und Kunden sowie das Gewerbe via Website der Energie Uster AG informiert.
Was passiert mit der Gasversorgung?
Die Energie Uster AG prüft auch mögliche Übergangsszenarien mit Einbezug der Gasversorgung. Damit könnte für die langfristigen Lösungen mit Fernwärme der Kezo oder anderen Wärmeverbünden die Energieversorgung innerhalb von Uster überbrückt werden.
Ökofonds unterstützt Hauseigentümerinnen und -eigentümer
In der Antwort des Stadtrats steht auch, dass die Hauseigentümerinnen und -eigentümer diese Übergangszeit sinnvoll nutzen könnten. Zum Beispiel, indem sie sich mit der Wärmeeindämmung an ihren Gebäuden befassten und Fenster, Dächer sowie Keller besser isolierten. Diese Massnahmen werden vom Ökofonds der Energie Uster AG unterstützt.
Sowieso rät die Energie Uster AG, sich mit alternativen Heizungsmethoden zu befassen. Hauseigentümerinnen und -eigentümer könnten sich schon heute entscheiden, ob sie sich in Zukunft einem Wärmeverbund anschliessen möchten oder Pellets oder eine Wärmepumpe bevorzugten. Alle Möglichkeiten können mit einem Heizungsrechner genauer evaluiert werden. Auch diesen findet man auf der Website der Energie Uster AG.