Uster hält an E-Trottis fest – trotz Unmut in der Bevölkerung
«Ewige Meckerer»
Die Reklamationen über die elektronischen Gefährte halten an. Während andere Städte diese wieder verbannen, will Uster davon aber nichts wissen.
Sie stehen in Garageneinfahrten, auf Trottoirs, an Waldrändern und oft mitten im Weg: E-Trottis in Uster. Das sorgt bei der Bevölkerung für Unmut. Schon bei der Einführung der E-Scooter im Jahr 2020 gingen die Wellen hoch (wir berichteten) – und auch fast drei Jahre später geben die Trottis, etwa auf Social Media, immer wieder für hitzige Diskussionen Anlass.
«Eine wahre Plage», «Volksverblödung», «gut gedacht, schlecht umgesetzt» sind nur einige der Kommentare in der Facebook-Gruppe «Du bisch vo Uster, wenn …».
Und die «Ustermer Gewerbezeitung» titelt in ihrer aktuellen Ausgabe: «E-Scooter: Eine gute Idee wird zum Problem». Im Artikel steht: «Die gute Idee und der Grosserfolg eines Start-ups sind gefährdet. Die E-Scooter werden zunehmend zum Sicherheitsproblem und stehen kreuz und quer in der Gegend herum.»

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Paris war die erste Stadt in Europa, wo solche E-Scooter ausgeliehen werden konnten. Nun hat sie die Gefährte wieder abgeschafft. Der Grund: zu viele Unfälle. Die Bevölkerung konnte an der Urne darüber abstimmen: Knapp 90 Prozent waren für ein Verbot. Die Wahlbeteiligung war allerdings äusserst gering und lag nur gerade bei 10 Prozent.
In Wetzikon schafften es die Trottis nicht einmal über die Testphase hinaus. Nach dem acht Monate laufenden Pilotprojekt entschied der Stadtrat, keine E-Scooter anzubieten. Zwar bestehe ein Bedarf, jedoch nur bei einem Teil der Bevölkerung. Vor allem aber habe das Angebot für viele Reklamationen gesorgt.
Aus Sicht der Stadtpolizei Uster läuft es sehr gut.
Andreas Baumgartner, Kommandant Stadtpolizei Uster
Neidisch schauen die Ustermer Kritiker nach Wetzikon. Darunter auch Politikerinnen wie Ursula Räuftlin von den Grünliberalen. In der Gemeinderatssitzung vom 17. April hat sie zum Thema E-Trottis eine Erklärung verlesen. Darin erwähnt sie Wetzikon und Paris, wo die Trottis aus dem Stadtbild verbannt wurden.
«Nur in Uster, da muss ich immer noch auf Radwegen und Trottoirs um diese Dinger rumkurven oder drübersteigen», heisst es in der Erklärung. «Sagen doch auch wir diesen Mietartikeln endlich ‹auf Wiedersehen› oder eigentlich sogar lieber ‹auf Nimmerwiedersehen›.»
Ergänzung zum öffentlichen Verkehr
Dabei sollten die E-Trottis nicht ärgerlich machen, sondern nützlich sein. «Es ist eine nachhaltige Mobilitätsoption, insbesondere für die erste und letzte Meile als Ergänzung zum öffentlichen Personennahverkehr», sagt Sara Schweiger von der Unternehmenskommunikation von Lime. «So helfen wir der Stadt Uster schrittweise, autospezifische Verkehrsprobleme wie Staus und Luftverschmutzung in den Griff zu bekommen, und bieten den Menschen gleichzeitig eine erschwingliche Alternative zur Autonutzung in der Stadt.»
Die Trottis haben denn auch viele Anhänger. Diese nerven sich auf Social Media über die «ewigen Meckerer». Andreas Baumgartner, Kommandant der Stadtpolizei Uster, sagt ebenfalls: «Aus Sicht der Stadtpolizei Uster läuft es sehr gut.» Die Auflagen würden eingehalten, es gebe keine Verkehrsunfälle und auch keine missbräuchlichen Verwendungen. «Gerade das jüngere Publikum nutzt das Angebot rege.»
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Eine Abschaffung war in Uster noch nie ein Thema. «Auch weil die Anzahl der E-Trottis sich in Uster stets in moderatem Ausmass bewegte und auch nie die Anzahl von Wetzikon erreichte», sagt Baumgartner. Waren es in der Anfangsphase noch zwei Anbieter, ist mittlerweile nur noch die Firma Lime in Uster vertreten. Für das Jahr 2023 hat Lime eine Bewilligung für 120 Geräte.
Diese werden je nach Nachfrage und das auf täglich wechselnder Basis eingesetzt. «Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bringen die E-Scooter dort aus, wo wir anhand der bereits getätigten Fahrten wissen, dass die
Nachfrage vorhanden ist», sagt Sara Schweiger von Lime. «Diese kann in Abhängigkeit von Tag, Uhrzeit oder bestimmten Events variieren.»
Beim Verteilen der Fahrzeuge sollen keine Konflikte im öffentlichen Raum und insbesondere für
mobilitätseingeschränkte und sehbehinderte Menschen entstehen. «Dafür schulen wir unser Logistikpersonal regelmässig.»
Reklamationen an die Polizei
Die offiziellen Beschwerden halten sich jedenfalls in Grenzen. Gemäss Baumgartner waren es im Jahr der Einführung 13, 2021 neun Reklamationen, letztes Jahr fünf. Aufgrund der Reklamationen wurden gewisse Dinge angepasst.
Beispielsweise ist das Logistikteam des Anbieters rund um Feiertage präsenter, um die Fahrzeuge gemäss Verteilplan an ihren Ursprungsort zurückzubringen. Zudem wurden Fahrverbotszonen und Parkierungsverbotszonen festgelegt – dazu gehören der Friedhof, Schulareale und das SBB-Privatgelände. Nach der Fahrt müssen Nutzerinnen und Nutzer ausserdem ein Foto vom geparkten E-Scooter machen, um den Mietvorgang beenden zu können. Auch dies ist eine Massnahme gegen das Wildparkieren.
Ustermer, die sich über herumstehende E-Roller aufregen, sollen sich laut Baumgartner direkt an die Stadtpolizei Uster wenden (E-Mail stadtpolizei@uster.ch, Telefon 044 944 76 66). Eine Beurteilung, wie es im nächsten Jahr weitergeht, folgt per November 2023.