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Gesellschaft

Wieso wurde nicht früher über das verunreinigte Trinkwasser informiert?

Die Verantwortlichen wollten Panik in der Bevölkerung vermeiden – und haben mit ihrer Informationsstrategie genau diese ausgelöst.

Das verschmutzte Trinkwasser beunruhigt die Ustermer Bevölkerung. (Symboldbild)

Foto: Pixabay

Wieso wurde nicht früher über das verunreinigte Trinkwasser informiert?

Verunsicherte Bevölkerung

Die Verantwortlichen wollten Panik in der Bevölkerung vermeiden – und haben mit ihrer Kommunikationsstrategie genau diese ausgelöst.

Nun gibt es neue Erkenntnisse zum verschmutzten Trinkwasser in Uster: Als Quelle der Verunreinigung gibt die Energie Uster AG das Pumpwerk Strandbad bekannt. Dieses wurde deshalb vom Netz genommen. Die Ursache für die Verunreinigung sei jedoch weiterhin unklar.

Betroffen sind Werrikon, Nänikon und die Ortsteile südlich der Bahnlinie, wie Niederuster, Riedikon sowie Teile von Kirchuster. Und: Der Zustand wird noch das ganze Wochenende andauern.

Alle Leitungen, die mit dem verunreinigten Wasser in Kontakt gekommen seien, würden nun gespült, teilt die Energie Uster AG mit. Die Spülarbeiten werden bis Sonntag dauern. Am Sonntagvormittag sollen Wasserproben entnommen werden. Mit ersten Ergebnissen rechnet das Unternehmen im Lauf vom Montag. Frühestens dann kann Entwarnung gegeben werden.

Empfehlung an die Bevölkerung

Die Energie Uster AG empfiehlt der Bevölkerung, folgende Vorsichtsmassnahmen weiterhin einzuhalten:

– Leitungswasser nicht trinken und nicht für die Einnahme von Medikamenten oder für das Zähneputzen verwenden.

– Leitungswasser nicht zur Herstellung oder Behandlung von Lebensmitteln verwenden (zum Beispiel Salatwaschen oder Anrühren von Kindernahrung).

– Leitungswasser nicht zur Reinigung von Lebensmittelgefässen verwenden.

– Leitungswasser abkochen, damit es als Trinkwasser verwendet werden kann.

– Mineralwasser verwenden.

Das Problem mit dem verschmutzten Trinkwasser scheint damit grösser zu sein, als sich ursprünglich vermuten liess. Zumindest blieb die Bevölkerung stundenlang im Ungewissen.

Ein Flugblatt: Fake News oder Wahrheit?

Als am Donnerstagnachmittag in den sozialen Medien ein Flugblatt mit der Warnung und den Vorsichtsmassnahmen zum Trinkwasser kursierte, war die Bevölkerung verunsichert. Auf dem Schreiben der Energie Uster AG stand weder ein Datum noch eine Kontaktstelle. «Könnten es Fake News sein?», fragten sich einige. Andere, wieso sie kein Flugblatt erhalten haben.

Erste Medienberichte folgten, und kurz vor 22 Uhr verschickte die Energie Uster AG dann eine Medienmitteilung. Über diese mangelhafte Kommunikation zeigten sich viele Ustermerinnen und Ustermer verärgert. Das machten Dutzende Beiträge in den sozialen Medien deutlich, und auch diese Redaktion erreichten E-Mails und Telefonate.

Wir fragen bei der Energie Uster AG nach. Das Flugblatt habe man nicht an Private verteilt, sondern an sogenannte kritische Kunden verschickt, erläutert Philippe Joss, Bereichsleiter Vertrieb Energie Wasser. Aufgefallen sei die Verunreinigung bei einer Qualitätskontrolle.

«Sobald wir die Verunreinigung bemerkt haben, informierten wir unsere ‹kritischen Kunden› darüber. Das sind beispielsweise Altersheime oder Betriebe, die mit Lebensmitteln arbeiten», so Joss. Beim Werkheim Uster war das gegen 16 Uhr der Fall, wie die Institution auf Anfrage mitteilt.

Die Information verbreitete sich in der Folge wie ein Lauffeuer. Ein Aspekt, den Joss unterschätzt hatte. «Wir haben klar definierte Abläufe, wie man mit einer solchen Situation umgeht. Wir wollten eine Massenpanik vermeiden und den Fall erst ganz erarbeiten, bevor wir damit an die Öffentlichkeit gehen.» Dies sei nicht unüblich, ergänzt er.

Stadt Uster verweist an Energie Uster AG

Eine Kommunikationsstrategie, die Fragen aufwirft. Die Kommunikationsabläufe seien korrekt gehandhabt worden, meint Joss dazu. «Künftig wird dieser Fall aber bestimmt die Kommunikationsstrategie beeinflussen», fügt er hinzu.

Wieso wurde nicht früher alarmiert? Wieso wurde die Warnung nicht breiter gestreut? Wieso wurde keine Meldung durch die Notfall-App Alertswiss abgesetzt? Joss antwortet darauf mit der Abfolge der Strategie der Energie Uster AG: Quelle abstellen, «kritische Kunden» warnen, Bevölkerung informieren.

Während die offiziellen Stellen nur zögerlich informierten, verbreiteten sich die Informationen über die sozialen Medien ungesichert. So auch die Information, dass das Trinkwasser wohl mit Escherchia coli, also Darmbakterien, verunreinigt sei. Eine Anfrage diesbezüglich wurde von Philippe Joss am Freitagabend nicht mehr beantwortet.

Welcher Gefahr wurde die Bevölkerung damit ausgesetzt? Darauf antwortet Joss nicht. Stimmt diese Notfallstrategie? Hätte die Bevölkerung nicht früher informiert werden müssen? Das würden wir gerne von den politisch Verantwortlichen wissen.

Der Ustermer SP-Stadtrat Stefan Feldmann ist gleichzeitig Verwaltungsratspräsident der Energie Uster AG. Doch genauso wie die Kommunikationsverantwortliche der Stadt verweist auch Feldmann auf Joss. Er sei als «zentraler Ansprechpartner» definiert worden.

Im Verlauf des Freitagnachmittags hat die Energie Uster AG auf ihrer Website Antworten zu den am häufigsten gestellten Fragen zum verunreinigten Trinkwasser veröffentlicht. Und Fragen hat die Bevölkerung so einige. Sei es zum verschmutzten Trinkwasser oder zur Kommunikationsstrategie.

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