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Uster baut auf Trainer mit Bayern-Vergangenheit

Zweitligist Uster hat Etienne Scholz als neuen Trainer verpflichtet – es ist ein mutiger Entscheid.

Die Spieler des FC Uster wollen zum Ende der Saison den Aufstieg bejubeln., FCU-Sportchef Roland Leemann baut auf ein frisches Trainergesicht.

Archivfoto: Christian Merz

Uster baut auf Trainer mit Bayern-Vergangenheit

Es wurden viele Namen herumgereicht. Usters Sportchef Roland Leemann spricht in diesem Zusammenhang sogar von «über 50 Anfragen».

Selbst der frühere FCZ-Trainer Urs Meier galt als möglicher Kandidat. Er übernimmt aber genauso wenig das Zepter wie die ehemaligen Ustermer Fabio Digenti (2017–2019) und Bruno Schyrr (2011–2015) oder Sokol Maliqi (ex Gossau, Dübendorf). Auch diese Trainer wurden in den letzten Wochen mit dem Tabellenzweiten der Zweitliga-Gruppe 2 in Verbindung gebracht.

Der Auserwählte beim FCU heisst nun aber Etienne Scholz und ist ein weitgehend unbeschriebenes Blatt – zumindest als Trainer. Persönlich vorgestellt wird der Neo-Ustermer am Samstag dem Vorstand – und nächste Woche der Mannschaft.

28 Jahre ist er  erst alt – und hat noch nie ein Aktivteam betreut. Doch Leemann sagt: «Bei ihm geht man gerne ins Training.» Gerade die Freude im Alltag sei zuletzt unter dem im Spätherbst entlassenen Ursal Yasar zu kurz gekommen. Es war einer der Faktoren für die vorzeitige Trennung. 

Beim in Weisslingen lebenden Scholz hat Leemann einen an­deren Eindruck gewonnen. Und dieser verfestigte sich bei seinen Besuchen in Etienne Scholz’ eigener Fussballschule. Erst seit Anfang Jahr betreibt er diese, mit dem Ziel, «die Spitze des Breitensports zu fördern und besser zu machen».

Besonders daran: Scholz sichtet seine Spieler selbst. Und zu diesem Kreis zählt bereits das Ustermer Trio Finn Knecht, Altin Ramabaja und Niko Civelli. Es dürfte sie also freuen, Scholz nun als Trainer beim FCU zu haben. Und doch birgt die Kombination Fussballschule/Traineramt auch Potenzial für Interessenskonflikte.

Schlaflose Nächte

Sportchef Leemann hat es sich bei der Rekrutierung nicht einfach gemacht, und spricht «von schlaflosen Nächten».

Klar ist ­sowieso: Scholz ist eine mutige Wahl, gerade an einem Ort wie Uster – an dem alles andere wie der Aufstieg in die 2. Liga interregional einer Enttäuschung gleichkommen würde. Scholz hat mit dieser Erwartungshaltung kein Problem. Er sagt: «Ich kann mit Leistungsdruck umgehen.»

Dieses Selbstbewusstsein nimmt er aus der eigenen Profizeit. In seiner Karriere trug der Mittelfeldspieler immerhin das Trikot von Basel, GC und St. Gallen – ja sogar von Bayern München.

Beim deutschen Rekordmeister stand er in der Saison 2013/14 beim U23-Team unter Vertrag – und kam zu sieben Regionalliga-Einsätzen.

Der grosse Durchbruch blieb ihm aber verwehrt – auch in der Schweiz. Bei den erwähnten Klubs spielte Scholz ausschliesslich im Nachwuchs.

Immerhin war er beim FC Wil in der Challenge League bis 2019 eine feste Grösse (55 Spiele), ehe er aus gesundheitlichen Gründen seine Profizeit beendete.

Ein mögliches Comeback von Scholz auf dem Platz ist beim FC Uster nicht vorgesehen. Und noch offen ist, ob die bisherigen Assistenten Oscar Barreiro und Daniele Demasi ihre Rollen beibehalten werden.

Übernimmt Yasar in Greifensee oder Rüti?

Es ist ziemlich Bewegung auf dem Zweitliga-Trainerkarussell der Region. Auch in Greifensee und Rüti läuft die Suche nach einer neuen Lösung auf Hochtouren. Nur: Was muss der neue Coach für Eigenschaften mitbringen? Beim FCG will sich Sportchef Rolf Imhof überhaupt nicht dazu äussern. Klar ist aber: Auf den Nachfolger von Drazenko Lakic wartet die nicht einfache Aufgabe, den Umbruch im Kader voranzutreiben. Über die Hälfte des Teams ist nämlich 28 und älter. Ein möglicher Kandidat für die Aufgabe könnte ausgerechnet der beim Nachbarn Uster nicht mehr erwünschte Ursal Yasar sein.

Oder landet der Ex-Profi womöglich in Rüti? Es ist ein Transfer, der eher überraschen würde. «Es muss einer sein, der zum Verein passt und sich mit uns identifiziert», sagt Präsident Roger Simonelli zum Profil des neuen Trainers. Dafür spricht doch viel eher eine Lösung mit einem bereits vorhandenen Rütner Rucksack. Den hätte beispiels­weise Urs Fritschi. Dieser wirkte bis 2016 sechseinhalb Jahre sehr erfolgreich auf der Schützenwiese. Unter seiner Regie stürmte der FCR von der 3. Liga bis in die 2. Liga interregional und sorgte dort regelmässig für wahre Torspektakel. Gegen Fritschi spricht derweil, dass er derzeit beim Drittligisten Stäfa unter Vertrag ist. Nur sind die Aufstiegschancen des Seeklubs nach der Vorrunde bereits sehr klein – und damit auch die Perspektiven höchstens mittelprächtig. Ein anderer Kandidat wäre der Sportchef selbst. Der in Rüti aufgewachsene David Cardoso führte das Team schon einmal ad interim im Frühling 2017. Ein mögliches Comeback des früheren FCZ-Nachwuchstrainers scheint daher nicht so abwegig.

Sicher nichts passiert beim akut abstiegsgefährdeten Brüttisellen-­Dietlikon. «Der Trainerstab bleibt in derselben Zusammensetzung», sagt Walter Remy, der Leiter Aktive. Er ist Realist und sagt zur Situation im Tabellenkeller der Gruppe 2. «Ich weiss nicht, was die Steigerung von sehr schwer ist.» (dsc)

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