Unterwetzikon nimmt städtische Formen an
Gestaltungsplan an der Pestalozzistrasse
In drei Jahren dürfte die Häuserlinie entlang der Wetziker Rapperswilerstrasse nochmals urbaner werden. Ein neuer Gestaltungsplan soll diese «Stadtfassade», wie Planer sie nennen, ermöglichen.
Seit 2008 wird im Geviert Rapperswiler-/Pestalozzi-/Kantonsschulstrasse geplant – und nicht gebaut. Unzählige Sitzungen, Diskussionen, eine Planungszone und ein erster Gestaltungsplan später zeichnet sich nun eine erfolgversprechende Lösung ab.
Freiräume und Neubauten
Bis am 11. April liegt ein zweiter Gestaltungsplan für das Gebiet gleich gegenüber dem Park-and-Rail-Parkplatz beim Bahnhof öffentlich auf. Und dieser unterscheidet sich laut dem Wetziker Planungsvorstand Stefan Lenz (FDP) wesentlich von der ersten Fassung, die 2014 Schiffbruch erlitt: «Wir können im urbanen Umfeld nun Freiräume und nicht nur Dichte für Wohnen und Gewerbe realisieren.»
Definiert worden sind die Lage und Grösse eines begrünten Innenplatzes sowie die Fusswegverbindungen durch das Geviert. Auch klar geregelt werden nun die Räume, die freibleiben müssen, um den Blick Richtung Schulhaus Bühl und die der Kantonsschulstrasse gegenüberliegenden Häuser freizugeben.
«Wir ermöglichen nun markante Baumpflanzungen», hält Lenz fest. Dazu muss die Lage der Tiefgaragen vorgegeben werden. Über diesen sind nämlich keine grossen Bäume möglich, da sie dort nicht genug wurzeln können.
Glaswände gegen den Lärm
Und die Tiefgaragen braucht es, denn das ganze Geviert soll in der Endgestaltung autoarm werden. Die zwei Zufahrten zu diesen grossen Garagen sind von der Pestalozzistrasse her vorgesehen. Die heute bestehende Einmündung in die Rapperswilerstrasse beim siebenstöckigen Wohnhaus wird dereinst aufgehoben werden.
Neu im Gestaltungsplan sind auch die Lärmschutzmassnahmen entlang der Rapperswilerstrasse. «Mit diesen soll die Aufenthaltsqualität erhöht werden», erklärt Lenz. Dazu gehören auch unkonventionelle Massnahmen.
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Zwischen den drei Hauptgebäuden, die gegen die Nationalstrasse geplant werden, sind grosse, bis zu sechs Meter hohe Glaswände vorgesehen. Vom Innenhof her gesehen sollen diese einerseits den Strassenlärm abhalten, andererseits aber weiterhin genügend Licht gewährleisten.
«Wir haben uns in Sachen Lärmschutz vom Zwicky-Areal in Dübendorf inspirieren lassen. Dort galt es, sich gegenüber S-Bahn und Autobahn zu schützen», erklärt der Planungsvorstand.
Verkäufe an grössere Investoren
Und optisch aufgewertet werden soll auch die Achse entlang der Rapperswilerstrasse. So wird eine durchgängige Baumreihe an der stark befahrenen Strasse vorgesehen. All diese Massnahmen sollen zum «qualitativ hochwertigen, gemischt genutzten Quartier mit hoher baulicher Dichte» beitragen.
Was zuvor nicht möglich war, scheint nun zu klappen: eine gemeinsame Lösung der Stadt mit den privaten Grundeigentümern. Doch wie war das möglich? «Wir haben unsere gemeinsamen Interessen gefunden», sagt Lenz.
Einzelne Grundeigentümer hätten realisiert, dass das Projekt für sie fast zu gross sei. So kam es zu verschiedenen Verkäufen. Waren es vor acht Jahren noch sechs Grundeigentümer, sind es nun noch vier. «Jetzt sind auch grössere Investoren involviert, die punkto Stadtentwicklung mit der Stadt an einem Strick ziehen wollen. Zuvor gab es mehr Partikularinteressen», erklärt der Stadtrat.
Hotelpläne wohl vom Tisch
Nicht mehr dabei ist etwa die Erbengemeinschaft Witschi, der das Restaurant Saloon und die Oil-Tankstelle gehörten. Damit dürften auch die Hotelpläne vom Tisch sein, die deren Vertreter verfolgte.
An deren Stelle ist die Piiri AG getreten. Diese Firma hat ihren Sitz in Baar und ist im Bereich Hochbau tätig.

Neben zwei bisherigen Liegenschaftenbesitzern im Gestaltungsplangebiet neu hinzugekommen ist auch die schweizweit tätige Swiss Prime Site Solutions. Diese hat ihrerseits im 2022 die Immobilienfirma Akara übernommen.
Akara hatte die vier Liegenschaften an der Kantonsschulstrasse sowie den ehemaligen Parkplatz der Zürcher Oberland Medien AG erworben.
Lob für Zusammenarbeit
«Die Zusammenarbeit mit der Stadt Wetzikon ist gut. Sie hat sich wirklich Mühe gegeben im Umgang mit Spezialwünschen der Grundeigentümer», hält Andrea Schaller, Kommunikationschefin bei Swiss Prime Site Solutions, fest.
«Leider haben die Wiederholung der ersten Grundeigentümerversammlung – ein Fehler der Stadt –, Covid und diese zweite Auflage des Gestaltungsplans zu erheblichen Verzögerungen für uns für dieses Entwicklungsprojekt geführt.»
Hoffen auf baldigen Baubeginn
Nun hofft sie, dass es vorwärtsgeht. Ab dem zweiten Quartal dieses Jahres geht die Immobilienfirma die Standort- und Marktanalyse an und bereitet den Studienauftrag vor.
In erster Linie werden Mehrfamilienhäuser mit Mietwohnungen vorgesehen. In einem Gebäude an der Pestalozzistrasse soll im Parterre auch Gewerbe Platz finden. «Unser Ziel ist ein Baubeginn Mitte 2025», betont Schaller.
Ähnlich optimistisch gibt man sich bei der Stadt Wetzikon: «Wir hoffen, dass 2026 mit der Bebauung gestartet werden kann», erklärt Lenz. Nach Abschluss der Quartierplanung und der Genehmigung des Gestaltungsplanes durch das Parlament werden die Erschliessungsarbeiten ausgeführt und verschiedene Gebäude zurückgebaut.
Wandel über Jahrzehnte hinweg
Angesichts der immer noch relativ kleinen Parzellen und deren Verschachtelung dürfte sich die Umgestaltung des Areals über Jahre hinziehen. «Das Areal wird sich deshalb in den nächsten Jahren oder womöglich Jahrzehnten von einem Zwischenzustand zum nächsten wandeln», halten die Planer fest.

Eine Herausforderung in der Planung sind die unterschiedlichen Bauabsichten. Da manche Eigentümer möglichst bald einen Neubau erstellen wollen, andere bis auf Weiteres aber gar nicht verdichten wollen, wurde darauf geachtet, dass für das Gestaltungsplan-Geviert auch in unterschiedlichen Zwischenzuständen ein funktionierendes Ganzes entsteht.
Und dieses Funktionieren gilt auch zu den benachbarten Gebieten. Während westlich des Pestalozzistrasse-Gevierts die Umgestaltung mit den Neubauten der Bank Avera und der Zürcher Oberland Medien AG bald fertiggestellt sein wird, stehen östlich davon im Mattacker auch noch grosse Veränderungen an. Vor Kurzem ist dort ebenfalls ein Gestaltungsplan vorgelegt worden.