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Wirtschaft

Digitale Nachbarschaftshilfe

Unternehmer aus Egg bringt Menschen mit Alltagsproblemen zusammen

Ein Senior verzweifelt am Smartphone – und findet Hilfe aus der Region. Die Plattform eines Unternehmers aus Egg zeigt, wie unkompliziert Nachbarschaftshilfe heute funktionieren kann.

Ramin Schams gründete vor sechs Jahren das Unternehmen Knows. Was sein Hund Ronny und der Töggelikasten damit zu tun haben, erfahren Sie im Artikel.

Foto: privat

Unternehmer aus Egg bringt Menschen mit Alltagsproblemen zusammen

Digitale Nachbarschaftshilfe

Ein Senior verzweifelt am Smartphone – und findet Hilfe aus der Region. Die Plattform eines Unternehmers aus Egg zeigt, wie unkompliziert Nachbarschaftshilfe heute funktionieren kann.

Als Wolfgang Bühler aus Uster sein neues Smartphone bekam, stand er vor einem Problem. Der 74-Jährige war mit der Handhabung überfordert. «Ich hatte, ehrlich gesagt, schon fast aufgegeben.»

Über die Plattform knows.ch fand er schnell Hilfe: Ein Student erklärte ihm Schritt für Schritt den Umgang mit dem Gerät. Heute nutzt Bühler sein Smartphone selbstverständlich und ist wieder viel näher an seiner Familie. «Ich telefoniere mit meinen Enkeln per Video, das bedeutet mir unglaublich viel.»

Auch jüngere Menschen profitieren vom Netzwerk. Stephanie Homberger aus Wetzikon ist alleinerziehend und arbeitet Teilzeit. Lange habe sie gedacht, sie müsse alles allein schaffen. Über Knows fand sie Unterstützung im Haushalt und bei den Hausaufgaben ihrer Kinder. «Es geht nicht nur um Hilfe im Haushalt. Es geht darum, wieder ein Stück Leichtigkeit im Alltag zurückzubekommen.»

Die Plattform des Unternehmers Ramin Schams, der in Egg aufgewachsen ist, zeigt, wie unkompliziert Nachbarschaftshilfe heute funktionieren kann: «Unser Alltagshelfer soll es erleichtern, für kleine Aufgaben einfach und direkt Menschen zu finden, die helfen.»

Seit 2020 können sich Hilfesuchende und Helfende über die Plattform verbinden. Heute zählt Knows rund 112’000 Profile und mehrere tausend erfolgreich abgewickelte Aufträge. «Und es werden jeden Tag mehr.»

Einfache Handhabung

Die Handhabung sei äusserst einfach, betont Schams. Das sei ihm und seinem Geschäftspartner wichtig gewesen: «Knows soll für alle zugänglich und bedienbar sein. Das ist einer der zentralen Punkte.»

Wer Unterstützung sucht – etwa beim Aufbau eines Schranks oder bei Internetfragen –, erstellt einen kostenlosen Auftrag über Desktop oder App. Andere Nutzerinnen und Nutzer können sich daraufhin melden, inklusive Preisvorschlag. Bei beidseitigem Einverständnis entsteht ein Vertrag über die Plattform. Auch eine direkte Suche nach Personen mit bestimmten Fähigkeiten ist möglich.

Knows verrechnet 10 bis 15 Prozent des Auftragsbetrags. Im Gegenzug ist die Dienstleistung versichert, falls es zu Unfällen oder Schäden kommt. Das sei jedoch selten der Fall. Schams erinnert sich an einen Umzug, bei dem ein Aquarium zerbrach: «Da ist man froh, dass das Hab und Gut über uns versichert ist.»

Der Mehrwert liegt neben dem Netzwerk also auch in der Absicherung. «Man könnte auch ausserhalb von Knows zusammenfinden, aber dann gibt es weder eine Versicherung, eine sichere Zahlungsabwicklung noch Bewertungen.» Diese Sicherheit biete die Plattform: «Wer gute Bewertungen hat, wird eher wieder gebucht. Erfolg baut bei uns auf Vertrauen auf.»

Vom Töggelikasten zum Unternehmen

Auf die Idee für den Alltagshelfer kam Schams während des Studiums – und zwar aus eigener Not heraus. Schams und ein Freund wollten einen Töggelikasten transportieren, der zu schwer war. Ein Umzugsunternehmen erschien ihnen übertrieben, für einen kleinen Auftrag gab es keine passende Lösung.

Also entwickelten die beiden Wirtschaftsstudenten über zwei Jahre ihre eigene Plattform, die Know-how und Skills verbindet – wodurch knows.ch entstand. «Wir wollten schon immer ein Unternehmen zusammen gründen. Als wir dann selbst in eine Situation kamen, wo wir eine Dienstleistung hätten gebrauchen können, war uns klar: Das ist es.»

Heute arbeitet Schams in der Stadt Zürich. Dort nutzt er selbst auch seine eigene Plattform, beispielsweise für die Ferienbetreuung seines Hunds Ronny – oder wenn er an einem Schrank verzweifelt.

Der Wahlzürcher geniesst das Grossstadtflair, auch wenn ihm dort genau das fehlt, was Knows ausmacht: «In ländlicheren Gebieten wird Nachbarschaftshilfe anders gelebt.» Dementsprechend ist er überzeugt, dass seine Heimatgemeinde Egg die Geschäftsidee mitgeprägt hat.

Praktisch und nachhaltig

Auch deshalb ist ihm Regionalität wichtig. «Wir versuchen die Matches lokal zu halten – praktisch und nachhaltig», sagt Schams. Gestartet in Zürich, ist Knows heute in der ganzen Deutschschweiz aktiv. Bald sollen auch die französisch- und italienischsprachigen Kantone folgen.

«Es freut mich immer wieder zu sehen, dass Menschen wirklich von dieser Unterstützung profitieren», sagt Schams. Die Nutzung zeige ihm, wie sinnvoll sein Unternehmen sei. So verbinde es Menschen verschiedener Generationen und aus unterschiedlichen Lebenssituationen, von jungen Studierenden bis zu Seniorinnen und Senioren. «Wir wollten immer etwas erschaffen, das den Menschen wirklich hilft – so, wie wir das damals hätten gebrauchen können.»

Den Töggelikasten haben die beiden letztlich übrigens mit ihren Nachbarn aus dem fünften Stockwerk befördert. Heute befindet sich das schwere Ding im Büro von Knows.

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