Politik

Umweltorganisation Green Cross in der Kritik

Die Umweltorganisation Green Cross, die vom Dübendorfer Stadtrat Martin Bäumle (GLP) präsidiert wird, kämpft mit finanziellen Problemen. Ihren Gönnern hatte sie dies jedoch nicht mitgeteilt.

Martin Bäumle übernahm 2017 das Präsidium der Umweltorganisation.

Foto: Seraina Boner

Umweltorganisation Green Cross in der Kritik

Die Umweltorganisation Green Cross, die vom Dübendorfer Stadtrat Martin Bäumle (GLP) präsidiert wird, kämpft mit finanziellen Problemen. Das zeigt eine Recherche des «Beobachters». Die Umweltorganisation, die sich für Abrüstung von atomaren und chemischen Waffen, für die Opfer von nuklearer Verseuchung und für sauberes Trinkwasser einsetzt, hat gerade eine Krise.

Und Martin Bäumle muss gleich an zwei Orten Nothelfer spielen: In Genf, bei der Dachorganisation Green Cross International (GCI), und in Zürich bei Green Cross Schweiz (GC CH). Beide haben existenzbedrohende finanzielle Probleme, und bei beiden ist Bäumle in der Verantwortung. Heikle Interna, die Journalisten zugespielt werden, kommen ihm deshalb gerade sehr ungelegen.

Bäumle sprang interimsmässig ein

Bäumle ist seit Februar 2017 Interimspräsident von Green Cross International. Damals traten der damalige Präsident, sein Vize und Green-Cross-Gründer Michail Gorbatschow nach einem Streit über die Beiträge der Schweizer Sektion zurück. Bäumle übernahm und versprach, das Amt spätestens im Herbst 2017 wieder abzugeben – was er bis heute nicht getan hat.

Hintergrund des Eklats war die desolate finanzielle Situation von Green Cross International. Unterlagen, die dem «Beobachter» vorliegen, zeichnen ein Bild von geradezu naiver Sorglosigkeit. Man residierte in grosszügigen Büros an bester Lage in Genf, koordinierte von dort aus internationale Hilfsprogramme, organisierte grosszügig Tagungen und Ausstellungen und nahm an Konferenzen teil. Das hatte seinen Preis: Zwischen 2009 und 2016 schrieb GCI Jahr für Jahr höhere Verluste.

Gönner sollten nichts erfahren

Ende August 2018 trennte sich Green Cross Schweiz Knall auf Fall von der langjährigen Geschäftsführerin – «im gegenseitigen Einvernehmen», wie es in einem Communiqué heisst. Über die Gründe drang nichts an die Öffentlichkeit. Am 6. September schrieb Martin Bäumle ein Mail an die übrigen Mitglieder von Green Cross International. Betreff: «Absolutely confidential information – situation GC Switzerland», und weiter: «Wir wollen jegliche negative Exponierung verhindern, insbesondere in den Medien, da dies zu einer Abnahme von Spenden und Gönnerbeiträgen führen würde.» Es ist Feuer im Dach bei Green Cross Schweiz – und die Mitglieder und Gönner sollen es keinesfalls erfahren.

Bäumles Mail liegt dem «Beobachter» vor, und Insider bestätigen dessen Echtheit, ebenso diejenige eines weiteren Mails von Anfang Oktober 2018. In diesem spricht der Nationalrat, der unterdessen neben dem interimistischen Präsidium von Green Cross International, dem Präsidium von Green Cross Schweiz auch die interimistische Geschäftsführung der Schweizer Sektion übernommen hat, von einer «kreativen Buchhaltung» der abgesetzten Geschäftsführerin, die für den Beobachter für eine Stellungnahme nicht erreichbar war.

Weiterhin auf Spendensuche

Vor allem aber zeigt Bäumles Mail auf, wie dramatisch die finanzielle Situation von Green Cross Schweiz ist: «Das Organisationskapital war Ende 2017 negativ statt der rapportierten fünf Millionen, und Green Cross Schweiz war nicht mehr in der Lage, seine kurzfristigen Verbindlichkeiten zu decken.» Es ist diese Information, die Bäumle gegenüber dem «Beobachter» «aktuell weder bestätigen noch dementieren» will.

Bei der Funkstille gegenüber der Öffentlichkeit soll es nach dem Willen von Bäumle auch bleiben, bis in ein paar Wochen die Jahresrechnung 2018 vorliegt. Auf der Website von Green Cross Schweiz jedenfalls finden sich seit dem letzten Herbst keinerlei neue Informationen mehr, weder zu Aktivitäten noch zur finanziellen Lage der Umweltorganisation. Den Spendern hingegen wird Courant normal vorgegaukelt: Green Cross Schweiz verschickt nach wie vor Einzahlungsscheine mit Spendenaufrufen: «Es wäre schön, wenn wir unseren Kontakt im Jahr 2019 erneuern dürften.»

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