Üben mit Vorfreude: So geht es Oberländer Musikern vor dem Eidgenössischen Musikfest
Auf nach Biel!
Für zahlreiche Musikvereine aus der Region rückt ein Höhepunkt näher: Im Mai reisen sie ans Eidgenössische Musikfest nach Biel. Nach zehnjähriger Pause steht der Grossanlass ganz im Zeichen der Blasmusik.
550 Vereine, über 22’000 Musizierende und eine Stadt im Festrausch: Das zumindest versprechen die Organisatoren des Eidgenössischen Musikfests in Biel. Dieses findet nach zehnjähriger Pause heuer wieder im Mai statt, nachdem das Fest 2021 wegen Corona ins Wasser gefallen war.
Erstmals wird dieser Grossanlass nicht an zwei Wochenenden, sondern an vier aufeinanderfolgenden Tagen durchgeführt – Auffahrt sei Dank. Vom 14. bis 17. Mai treffen sich die Vereine aus der ganzen Schweiz am Bielersee.
Mit dabei sind auch zahlreiche Musikvereine aus der Region, die in den unterschiedlichsten Stärkeklassen und Kategorien gegeneinander antreten. Jeder Verein muss dabei auch ein vorgegebenes Aufgabenstück vortragen.
Wir haben mit einer Musikerin und vier Musikern aus der Region über ihre Vorbereitung und ihre Vorfreude auf den grossen Anlass gesprochen.
Niels Niederwieser, 24, Student
Klangbrücke Zumikon-Fällanden (Konzertmusik, 3. Klasse, Harmonie)

«Ich bin seit neun Jahren Mitglied in der Musikgesellschaft Fällanden. Mein Götti hat mich damals in den Verein gebracht. Musikbegeistert bin ich aber schon seit meiner Kindheit und habe im Alter von 13 Jahren begonnen, Klarinette zu spielen. An einem Eidgenössischen Musikfest war ich noch nie dabei, habe aber gute Erinnerungen an das Zürcher Kantonalmusikfest 2024. Ich finde es toll, wenn wir uns in der Vorbereitung richtig in Stücke vertiefen können. Ausserdem ist es interessant, wenn man eine Bewertung erhält und auch hört, wie andere Vereine dasselbe Stück spielen. Speziell ist für uns, dass wir das Eidgenössische Musikfest als Klangbrücke Fällanden-Zumikon zusammen mit den Musikerinnen und Musikern des Zumikon Concert Orchestra bestreiten. Dadurch sind wir eine grössere Gruppe und proben wöchentlich zusammen. Wir reisen mit einer Gruppe von insgesamt 42 Personen nach Biel. Auch der Sound ist in einer grösseren Gruppe einfach anders. Die Proben kommen mir aber nicht anstrengender vor als sonst, auch wenn wir den Fokus natürlich klar auf die Stücke legen, die wir am ‹Eidgenössischen› spielen werden. Zu Hause übe ich nicht mehr als sonst. Ich glaube, ich kann das meiste sehr gut.»
Monika Städelin, 39, Fachfrau im Finanz- und Rechnungswesen
Harmoniemusik Wald (Unterhaltungsmusik, Mittelstufe, Harmonie)

«Mit drei älteren musizierenden Brüdern bin ich schon früh mit Musik in Berührung gekommen. Mit etwa zehn Jahren lernte ich Klarinette spielen und rutschte in der Oberstufe in die Knabenmusik rein. Während der Corona-bedingten Pause bin ich dann auf die Posaune umgestiegen. Übrigens sind wir vier Geschwister auch heute noch alle im gleichen Musikverein aktiv. Mit der Knabenmusik erlebte ich meine ersten ‹Eidgenössischen›, als Erwachsene ist Biel meine dritte Teilnahme. Für mich ist die Gemeinschaft an diesem Grossevent das Besondere. Sich einerseits mit anderen Vereinen messen und andererseits die Faszination für Musik teilen. Sich austauschen, das Fest geniessen. Unser Auftritt ist erst am Sonntag. Ein Teil des Vereins – ich bin auch dabei – wird jedoch bereits am Donnerstag nach Biel fahren, um die verschiedenen Konzerte und die Atmosphäre zu erleben. Wir sind altersmässig durchmischt und hoffen, unseren jüngeren Mitgliedern so möglichst viele Erlebnisse mitgeben zu können.»
Lukas Bachmann, 25, Gärtner
Musikverein Harmonie Wetzikon (Unterhaltungsmusik, Mittelstufe, Harmonie)

«Musik mache ich, seit ich neun Jahre alt bin. In meiner Kindheit habe ich Fagott gespielt, in meiner Lehrzeit als Fachmann Betriebsunterhalt habe ich dann mit der Tuba angefangen. Dieses Instrument spiele ich seit 2018 auch in der Harmonie Wetzikon. Dieses Jahr bin ich zum ersten Mal bei einem Eidgenössischen Musikfest dabei. Das Zürcher Kantonalmusikfest habe ich bereits einmal erlebt, und es war sehr lässig. Mir ist auch wichtig, mit der Gruppe zu feiern, auch darauf freue ich mich sehr. In der letzten Zeit proben wir sehr intensiv. Zum einen hatten wir im April noch ein Konzert, zum anderen üben wir auch die Stücke fürs ‹Eidgenössische›. Zu Hause übe ich auch ein bisschen mehr als sonst, aber etwas mehr würde natürlich immer drinliegen. Nervös bin ich aber nicht vor dem grossen Fest. Ich bin das eigentlich nie und bin mir sicher, dass ich auch vor dem Auftritt die Ruhe bewahren werde.»
Fredy Jost, 72, pensionierter Maschineningenieur
Brass Band Musig Hittnau (Konzertmusik, 3. Klasse, Brassband)

«An meine erste Teilnahme an einem ‹Eidgenössischen› mag ich mich kaum mehr erinnern. Das war 1971 in Luzern, ich war damals 17-jährig und gerade frisch in einen Musikverein eingetreten. Als etwa elfjähriger Schüler erlernte ich beim Kadettenverband Thun das Flügelhornspielen. Dann stieg ich aufs Tenorhorn um. Nach einem längeren Unterbruch aufgrund eines Auslandsaufenthalts probierte ich mich auf verschiedenen Instrumenten aus und landete schliesslich beim Euphonium. Das Eidgenössische Musikfest in Biel ist bereits mein siebtes. Es ist ein Erlebnis, so viele Musiker zu sehen und zu hören. Besonders eindrücklich ist für mich immer, wenn alle Vereine auf einem grossen Platz das gleiche Stück spielen. Obschon ich nicht mehr nervös bin – eine gewisse Anspannung ist immer noch da vor dem Auftritt. Denn dann zählt es – wir werden ja auch von einer Jury bewertet und stehen schliesslich auf einer Rangliste. Jüngeren Spielern empfehle ich unbedingt, dieses Erlebnis zu geniessen und viele Erinnerungen zu sammeln. Schliesslich erlebt man das nur alle paar Jahre …»
Janis Jeanrenaud, 23, Student
Musikgesellschaft Harmonie Turbenthal (Unterhaltungsmusik, Unterstufe, Harmonie)

«Nach eineinhalb Jahren als Aspirant trat ich 2020 offiziell in die Musikgesellschaft Harmonie Turbenthal ein. Trompete spiele ich schon seit 2011. Ich ging mit meinen Eltern an die Instrumentenvorstellung, und für mich war damals klar, dass ich Trompete lernen will. Meine Eltern waren zuerst nicht besonders begeistert, dass ich ein so lautes Instrument ausgesucht hatte. Sie haben mich aber immer unterstützt. Mein erstes grösseres Musikfest erlebte ich 2024 am Zürcher Kantonalmusikfest. Nun freue ich mich sehr auf das Eidgenössische Musikfest in Biel. Für einen Auftritt sind wir als Verein wohl noch nie so weit gereist, das ist schon etwas Spezielles. Ich höre im Verein immer wieder, wie ältere Mitglieder von vergangenen Festen erzählen, und nun kann ich auch bald mitreden. Aktuell bin ich noch sehr entspannt. Unsere Wahlstücke haben wir bereits für unser letztes Konzert gut geübt. Die Wochen vor dem ‹Eidgenössischen› sind aber schon sehr intensiv. Wir haben viele zusätzliche Proben. Zu Hause übe ich aber nicht mehr als beispielsweise für unser Konzert vor ein paar Wochen.»