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Triceratops Willard ist zurück zu Hause im Sauriermuseum Aathal

T-Rex Trinity hatte einen grossen Auftritt im Sauriermuseum Aathal. Jetzt folgt der Triceratops Willard, der in Sachen Grösse und Präsenz keineswegs zurücksteht.

Triceratops Willard war schon in Italien, Deutschland und Hongkong. Nach drei Jahren des Reisens ist er nun zurück im Oberland.

Foto: Talina Steinmetz

Triceratops Willard ist zurück zu Hause im Sauriermuseum Aathal

Ein Gigant, der um die Welt reiste

Willard ist der grösste Triceratops, der je gefunden wurde, und wohnt ab sofort wieder im Sauriermuseum Aathal. Warum er erst jetzt nach Hause gekommen ist – und weshalb er T-Rex Trinity durchaus die Stirn bieten kann.

Ausgegraben in Amerika, präpariert in Aathal, ergänzt und montiert in Italien, ausgestellt in Hongkong und München: Der Dinosaurier Willard hat eine wahre Weltreise hinter sich. Nun ist der Triceratops endlich wieder zu Hause. Seit einigen Wochen sind seine Knochen zurück im Sauriermuseum Aathal, dem das Skelett gehört. Und am Freitag, 11. April, erwacht Willard erneut zum Leben – in einer Ausstellung, die sich ganz seiner Spezies widmet.

Denn Willard ist nicht nur irgendein Triceratops. Mit einer Länge von 8,5 Metern und einer Höhe von 3,6 Metern ist er der grösste Triceratops, der jemals gefunden wurde. Das lässt sich anhand des Oberschenkelknochens und des Nasenhorns bestimmen, wie Yolanda Schicker-Siber weiss. Sie ist die Tochter von Köbi Siber, der das Sauriermuseum gegründet hat, und dessen neue Direktorin. Schicker-Siber hat auch selbst schon an diversen Ausgrabungen teilgenommen.

Begegnung der Urgiganten

Willard kann durchaus als würdiger Nachfolger von T-Rex Trinity bezeichnet werden. Sie war in den letzten 14 Monaten der Star des Sauriermuseums, handelt es sich bei besagtem Skelett doch um das erste echte T-Rex-Skelett, das in der Schweiz gezeigt wurde.

Trinity bescherte dem Sauriermuseum neue Besucherrekorde: Allein an einem Tag zählten die Betreiber über 1500 Besuchende. Ende März wurde das Skelett abgebaut, verpackt und in sein neues zukünftiges Zuhause nach Belgien geliefert – die Bühne wurde frei für Willard.

Und der neue Dinosaurier kann dem T-Rex die Stirn bieten, ob als Skelett im Museum oder in echt vor 65 Millionen Jahren. So begegnen sie sich fast auf Augenhöhe: Mit 3,9 Metern war Trinity nur 30 Zentimeter grösser als Willard. Allgemein sei der Triceratops bekannt als der Gegenspieler des T-Rex, erklärt Yolanda Schicker-Siber.

Mit seinen drei Hörnern, dem gewaltigen Nackenschild und der stattlichen Masse habe sich der Pflanzenfresser durchaus gegen den Fleischfresser wehren können. Manchmal mit mehr und manchmal mit weniger Erfolg: «Das Skelett von Willard weist teils verheilte Bissspuren und Knochenbrüche auf. Diese stammen von Kämpfen gegen Raubtiere, aber auch, weil sein Kadaver angeknabbert wurde.»

Die Hörner des Triceratops waren nicht nur ein Schutz gegen Feinde, sondern auch ein Werkzeug, um sich gegenüber Artgenossen zu behaupten – etwa bei Revierkämpfen oder in sonstigen Konflikten mit Rivalen. Der Triceratops war ein Herdentier, und es galt, diese Herde zu verteidigen. «Ähnlich wie Steinböcke heute kreuzten die Giganten damals ihre Hörner.»

Nachgebaut, aber möglichst nah am Original

Etwa 45 Prozent des Skeletts von Willard sind original; darunter eines der Augenhörner und die Beckenknochen, an denen Bissspuren gefunden worden sind. Auch das Nasenhorn – ein weiteres Markenzeichen des Triceratops – und ein Oberschenkelknochen sind echt. Dazu kommen mehrere Wirbel, ein Vorderarm, die Schulterblätter und diverse kleinere Rippen, die alle original sind.

Der fehlende Teil des Skeletts wurde am Computer rekonstruiert und anschliessend von einem Roboter präzise aus Kunststoff gefräst. Dann folgte die Oberflächengestaltung, damit die nachgebauten Knochen den originalen möglichst ähnlich sehen.

Yolanda Schicker-Siber: «Die Knochen müssen zueinanderpassen, sodass das Skelett als Ganzes daherkommt. Schaut man sich die einzelnen Stücke aber genau an, sieht man, welche echt sind und welche nicht. Und das darf auch so sein; wir haben nichts zu verstecken.» Es sei normal, dass nach 65 Millionen Jahren nicht mehr alles da sei.

Ein gigantisches Geschenk

Die Überreste von Willard kamen Ende 2021 zum ersten Mal nach Aathal, direkt aus den USA. Im Sauriermuseum wurden sie dann unter grossem Zeitdruck präpariert, im Frühling 2022 reiste das Skelett bereits weiter nach Italien zur Montage und dann von dort aus zu seinem grossen Auftritt nach Hongkong: Willard war Teil der Ausstellung «The Big 8».

In deren Rahmen wurden acht Skelette der bekanntesten Dinosaurierarten ausgestellt; darunter eben auch Willard als Vertreter der Ceratopsier. Mit dem Initianten der Schau in Hongkong konnte eine Vereinbarung getroffen werden: Das Sauriermuseum lieh vier eigene Skelettfunde mietfrei aus und erhielt im Gegenzug das Triceratops-Skelett.

Nach Hongkong wurde dieses noch in München ausgestellt, ehe es 2024 ins Aatal zurückkehrte. Dort wurden die Knochen noch einmal von Spezialisten überarbeitet. «Wir mussten selbst nochmals Hand anlegen, um ihn für unser Museum vorzeigbar zu machen», so Yolanda Schicker-Siber.

Ziel war es, Willard frei stehend inmitten des Museums zu zeigen – in nächster Nähe zu seinen Artgenossen: Zehn weitere Ceratopsier-Schädel werden neben Willard neu ausgestellt.

«Der Triceratops ist nach dem T-Rex der beliebteste Dinosaurier», sagt Schicker-Siber. Sie ist deshalb überzeugt davon, dass die neue Ausstellung ebenso gut bei den Besuchenden ankommen wird wie jene rund um T-Rex Trinity.

Der Abschied vom T-Rex-Skelett ging ihr zwar nah, doch zu Willard hat sie eine besondere emotionale Beziehung: «Wir haben seine Präparation selbst übernommen und viel mit ihm erlebt. Ich freue mich wahnsinnig, dass er nun endlich wieder zu Hause ist.»

Willard – der weltgrösste Triceratops im Sauriermuseum Aathal

Die Spezialausstellung zu Willard und seinen ceratopsischen Artgenossen wird am Freitag, 11. April, eröffnet und dauert mindestens zwei Jahre. Öffnungszeiten und weitere Informationen sind unter www.sauriermuseum.ch zu finden. (tas)

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