Tösstaler powern sich während der Mittagspause aus
Sport in Turbenthal
Schon seit einem Jahr lädt die Boller Winkler AG Arbeiter aus dem Tösstal ein, über Mittag in Turbenthal zusammen Sport zu machen. Krafttraining, Ausdauer, Schweissperlen. Wie läuft das ab? Ein Besuch vor Ort.
Krafttraining, Ausdauerübungen und jede Menge Schweissperlen: Das verspricht das Mittagssportprogramm in der Grosshalle Turbenthal. Seit Oktober 2023 organisiert die Boller Winkler AG hier zweimal wöchentlich ein Mittagssportprogramm.
Es richtet sich an Personen, die im Tösstal arbeiten und sich als Ausgleich zur Arbeit mehr bewegen möchten. Das von der Immobilien-/Textilfirma Boller Winkler AG organisierte Fitnessprogramm bringt Teilnehmende verschiedener Alters- und Leistungsgruppen zusammen.
Ein Angebot für Erwerbstätige
Die meisten Teilnehmer kommen, weil ihre Arbeitgeber für sie Plätze mieten. «Oft mieten Unternehmen bei uns Plätze und dann kommt, wer möchte. Die Firma übernimmt teilweise die Kosten für ihre Mitarbeiter», erklärt Moritz Boller, der Organisator des Programms und CEO der Boller Winkler AG. Etwa ein Viertel der Teilnehmer meldet sich jedoch privat an und übernimmt die Kosten selbst.
Die Kosten für das Programm variieren pro Person von 150 Franken für drei Monate bis zu 750 Franken für das ganze Jahr.
Das Besondere an diesem Angebot: Die Einnahmen gehen direkt an den Personal Trainer. «Die Boller Winkler AG selbst macht keinen Profit daraus. Wir bieten den Service rein aus Gemeinschaftssinn an», erklärt der Organisator.
Jeremy Lim, der selbständige Personal Trainer, der das Programm leitet, schwärmt von seinem selbst zusammengestellten Programm: «Es macht mega Spass, ich leite es sehr gerne.» Lim ist der Haupttrainer, der nur gelegentlich von anderen ersetzt wird, wenn er frei hat.
Der Winterthurer Trainer erklärt auch, wieso das Sportprogramm wichtig ist: «Es stärkt die Gesundheit und Fitness, man wird leistungsfähiger, konzentrierter, und hat gleichzeitig Spass und die Möglichkeit, sich sozial auszutauschen.»
Etwas für jedes Niveau
Die Teilnehmer selbst sind bunt gemischt und bewegen sich im Alter von 24 bis 70 Jahren. Das Programm richtet sich an Menschen unterschiedlicher Fitnessstufen, wobei der Schwerpunkt auf einem individuellen Ansatz liegt.
Jeder bestimmt sein eigenes Niveau. «Anstatt 50 Liegestütze zu verlangen, heisst es: Gebt 45 Sekunden euer Bestes», erklärt ein Teilnehmer. Diese Flexibilität ermöglicht es jedem und jeder, unabhängig von der eigenen Leistungsfähigkeit, effektiv mitzumachen.
Auch ein professioneller Motocross-Athlet trainiert hier regelmässig, um in den kalten Monaten sein Fitnessniveau zu halten. Er kommt zweimal wöchentlich und erklärt: «Für mich ist das ausreichend, solange ich mich im Training gut engagiere.»
Ein anderer Teilnehmer berichtet stolz, dass sogar sein 70-jähriger Vater manchmal mit dabei ist. «Dank dem anpassbaren Programm kann jeder das Training nach seinen Bedürfnissen gestalten», so der Teilnehmer.
Abwechslungsreiches Programm
Das Programm selbst wirkt abwechslungsreich und herausfordernd. Bei unserem Besuch umfasst es ein Warm-up, gefolgt von einem Balance-Parcours, Krafttraining und einem intensiven Ausdauerteil. Beim Balancetraining mussten die Teilnehmer auf Bällen und abgerundeten Holzbrettern balancieren, Hula-Hoop machen, jonglieren und sogar auf einem Seil am Boden laufen.
Trainer Lim unterstützt die Teilnehmer, wenn sie Hilfe brauchen, und regt sie auch an, die Übung Schritt für Schritt etwas schwieriger zu gestalten.
Im Krafttraining kommen Gewichte und der TRX (Schlingentraining mit eigenem Körpergewicht) zum Einsatz. Hier kommen die Teilnehmer spürbar an ihre Grenzen: Schweissperlen fliessen, die Muskeln schwellen an, angestrengtes Stöhnen geht durch die Halle.
Für das Ausdauertraining stellen sich die Teilnehmer militärisch auf. «Burpees, Jumping Lunges und schnelle Sprints zur Bodenmarkierung und zurück», erklärt Lim den Teilnehmern die Aufgabe. Hinter diesen Anglizismen stecken Übungen, die mehrere Muskelgruppen auf einmal beanspruchen und deshalb als besonders effektiv gelten. Dann heisst es tief durchatmen und eine Pause einlegen.
Doch nur wenige Augenblicke später ertönt von Lim ein «So jetzt noch einmal». Ein «Spinnt der eigentlich?» geht durch den Raum. Doch an Wohlfühlprogramm ist nicht zu denken, also konzentrieren sich die Teilnehmer auf den nächsten Durchgang. Als Lim den dritten Durchgang ankündigt, ist nichts mehr zu hören, ausser «Back in Black» von AC/DC, das in unglaublicher Lautstärke aus den Lautsprechern dröhnt. Die Teilnehmer entlocken ihren Muskeln die letzten Kräfte.
Am Ende sind alle verschwitzt und erschöpft – aber glücklich. Während sich die einen umziehen und sich gleich wieder an die Arbeit machen, verschlägt es einen Teil der Teilnehmer an die Töss, um sich abzukühlen – das hat sich mittlerweile als Tradition nach dem Training eingebürgert.