Tobias Rentsch soll das «Pirates» in eine neue Richtung lenken
Als selbsternannten Cowboy kennt die Schweiz ihn schon. Als Pirat soll sie ihn nun kennenlernen. Tobias Rentsch, Mister Schweiz 2001 und Ex-Bachelor, ist der neue Geschäftsführer im «Pirates». Anfang Juli hat er das Ruder übernommen. Seine Aufgabe: Er soll das Gastro-Angebot und Eventprogramm im Hinwiler Lokal erweitern.
Dass ihm das gelingen wird, daran hat Gastronomiechef Andy Gröbli keinen Zweifel: Rentsch sei für den Kurswechsel genau der Richtige. «Tobias hat immer schon zu uns gepasst. Aber es gab nie die passende Gelegenheit, ihn einzustellen.»
Strategiewechsel nötig
Jetzt aber ist der Zeitpunkt gekommen. Rentsch hat – zumindest symbolisch – Cowboystiefel und Lasso gegen Säbel und Augenklappe eingetauscht. Mit seinem Wohnwagen ist er vom St. Galler Rheintal nach Maur an den Greifensee gezogen. Seinen alten Job als Geschäftsführer des Liechtensteiner Clubs Alpenchique hat er an den Nagel gehängt. Seine Konzentration gelte nun zu «einhundertzwanzig Prozent» Hinwil.
«Das Coronavirus hat uns wie ein Meteorit getroffen.»
Andy Gröbli, Gastronomiechef vom «Pirates»
Gröbli ist darüber mehr als froh. «Das Coronavirus hat uns wie ein Meteorit getroffen», sagt er. Das Piratenschiff sei in der Zeit des Lockdowns zwar nicht gesunken, aber die vielen Restriktionen habe er deutlich gespürt.
Schon in den Jahren davor war für den Gastronomiechef klar: Um mit dem «Pirates» in Hinwil noch auf der Erfolgswelle zu reiten, müssen die Segel neu gesetzt werden. So hat er vor zwei Jahren einen Strategiewechsel vollzogen. Die Mottobar wird neu erfunden. Dazu gehören Änderungen bei den Events und in der Gastronomie, aber auch Wechsel im Team sowie in der Geschäftsleitung.
Ein Promi auf dem Chefposten
Dass er sich bei der Neubesetzung des Chefpostens für einen Promi entschied, sei nicht dessen Vorgeschichte zu verdanken. «Natürlich ist es von Vorteil, wenn Tobias als Ex-Bachelor ein ganz anderes Klientel anzieht. Aber mir gefällt vor allem seine Power und sein Elan», sagt Gröbli.
«Ich schwimme nicht mit dem Strom.»
Tobias Rentsch, Geschàftsführer im «Pirates»
Rentsch ist von seiner neuen Aufgabe begeistert und bezeichnet sich schon jetzt als «echten Piraten». Er erbeute zwar nicht haufenweise Geld, sei dafür aber mit seinem Wohnwagen viel herumgereist. «Ich bin flexibel, überall zuhause und schwimme nicht mit dem Strom.»
Die Gelegenheit, im «Pirates» zu arbeiten, hat Rentsch ohne Zögern ergriffen. Und das, obwohl die Branche durch Covid-19 angeschlagen ist. «Man muss die Chancen nutzen, wenn sie sich einem bieten», sagt der Berner. Zum Oberland hat der 43-Jährige dank seiner Freundin schon einen Bezug. Und auch das «Pirates» sei ihm als grosser Livemusik- und Openairfan bereits bekannt gewesen.
Piratenfrass, Sushi und Kaviar
Doch statt bis in die Nacht zu feiern, kümmert sich Rentsch heute lieber um die Organisation von Partys. Unter dem neuen Motto «Pirates – Planet of entertainment» will er von nun an Rockabende für ein Ü-40-Publikum, Partys für Kinder und Treffen für Motorradfans ins Programm aufnehmen. «In Zukunft soll es auch Feiern mit elektronischer Musik und speziellen Sommercocktails geben», merkt Gröbli an, der einen Teil des neuen Konzepts bereits während des Lockdowns in die Wege geleitet hat.
So kann man online nebst «Piraten-Frass» seither auch Kaviar oder Sushi bestellen. Dinge, die auf Anhieb bestimmt nicht mit dem bald 14-jährigen Lokal in Verbindung gebracht werden. Doch um diesen Kontrast sorgt sich Gröbli nicht. Er will Neues ausprobieren. Und sieht den Vorteil speziell bei Sushi etwa auch darin, mit diesem Lieferservice in der Umgebung Hinwil allein zu sein.
Vorteile der Bachelor-Vergangenheit
Durch Rentsch hofft Gröbli auch, mehr jüngeres Publikum anzuziehen. Schliesslich ist er auch im Lokal bei den Gästen anzutreffen. Rentsch will anpacken – ob hinter der Bar, als Security beim Eingang oder als Reinigungs- und Abwaschhilfe. «Ich helfe überall mit.»
Dass ihn viele Menschen wegen seiner Bachelor-Vergangenheit schubladisieren, habe überwiegend Vorteile. «Sie erwarten nicht viel von mir und ich kann sie von mir überzeugen. Wenn sie erst einmal sehen, was für ein Typ ich bin, sind die Leute schnell auf meiner Seite.»
Dass es wegen seiner Bekanntheit zu Fanbesuchen komme, schliesst Rentsch nicht aus. Das habe er auch in den anderen Clubs schon erlebt. Doch für den ehemaligen Rosenkavalier ist das nicht weiter schlimm. Zwar komme er sich jeweils vor wie im Zoo – «aber wenn wir guten Service bieten, kommen die Leute wieder. Dann aber nicht mehr wegen mir.»