Technik & Mobilität

Eintauchen in die Welt der Eisenbahn

Die Stiftung Eisenbahn-Sammlung Uster hat sich ganz der Faszination Modelleisenbahn verschrieben. In ihrer Ausstellung in der Lokremise Uster zeigt sie einzigartige Anlagen, geschichtsträchtige Fahrzeuge und Trouvaillen der Schweizer Eisenbahngeschichte.

Eintauchen in die Welt der Eisenbahn

Die schwarze Dampflokomotive stösst einen lauten Pfiff aus, bevor sie sich langsam in Bewegung setzt und mitsamt angehängten Wagen ratternd immer mehr Tempo aufnimmt. Vorbei geht die Fahrt an malerischen Landschaften und kleinen Bahnhöfen.

Die historische Zugkomposition ist aber nicht etwa auf einer Nostalgiefahrt zwischen Bauma und Hinwil unterwegs, sondern auf einer Rundstrecke im Dachstock des Kleinbaus der Lokremise Uster.

Das im Massstab 1 zu 32 verkleinerte Rollmaterial und die Anlage in den Spurgrössen I und IIm sind Teil des Ensembles der Stiftung Eisenbahn-Sammlung Uster, die sich in diesen Räumlichkeiten voll und ganz der Modelleisenbahn und deren grossem Vorbild widmet.

In der Ausstellung gibt es Hunderte Meter Schienenmaterial, verlegt in detailreichen Miniaturlandschaften, einzigartige Eisenbahnmodelle und verschiedenste Relikte aus der Schweizer Eisenbahngeschichte zu bestaunen.

«Wir wollen den Besucherinnen und Besuchern die grosse Welt en miniature zeigen und die Eisenbahn am Modell verständlich machen», sagt Peter Schwarzenbach. Der 83-Jährige ist Hauptinitiant der Stiftung und legte mit seiner 1988 erbauten portablen Modulanlage den Grundstein zur heutigen Sammlung.

«Speziell an dieser 20 Meter langen Anlage in der Grösse 0 ist, dass sie über eine von Hand hergestellte, funktionierende Oberleitung verfügt. Die Lokomotiven beziehen so den Strom wie beim Original über den Abnehmer auf dem Dach», erklärt Schwarzenbach.

Ein am Küchentisch erbautes Kunstwerk

Gemeinsam mit zwei befreundeten Lokführern reiste der gelernte Betriebspsychologe und ehemalige Betriebschef der Dampfbahn Furka-Bergstrecke durch Europa und präsentierte die Anlage an verschiedenen Ausstellungen. Vor 14 Jahren suchte Schwarzenbach einen fixen Standort und wurde bei der Lokremise Uster fündig.

«Zeitgleich suchte Hansrudolf Schweizer einen Ausstellungsort für seine Eisenbahnmodell- und Grosstraktionssammlung. Wir führten unsere Inventare zusammen und gründeten 2008 die Stiftung Eisenbahn-Sammlung Uster.»

Seitdem sind zahlreiche Modelle, Ausstellungsobjekte und komplette Privatsammlungen von verschiedenen Spendern hinzugekommen. So auch die einzigartige Anlage in der Grösse 0m von Robert Haupt. Der ehemalige Zugchef begann 1946 an seinem Küchentisch die Welt der Rhätischen Bahn nachzustellen.

«In über 60 Jahren fertigte er Fahrzeuge, Gleise und Weichen, Tunnelportale, Brücken und Häuser an und schuf so ein Gesamtkunstwerk», sagt Schwarzenbach. Mit fortschreitendem Alter beschloss Haupt, sein Geschaffenes der Ustermer Stiftung zu übergeben.

Hobby mit vielen Facetten

Im Moment hat die Stiftung drei grosse Anlagen in Betrieb, und auf zwei kleineren Strecken können die jüngeren Besucherinnen und Besucher selbst Hand anlegen. Da laufend neues Material hinzukomme, sei es eine immer grössere Herausforderung, alles unterbringen und optimal präsentieren zu können, sagt Alfred Baumgartner, ehemaliger Rektor einer Zürcher Mittelschule und seit 2020 Präsident der Stiftung.

Gemeinsam mit den weiteren Stiftungsräten und den Mitarbeitern trifft er sich jeden Montagnachmittag in Uster, um gemeinsam Unterhaltsarbeiten durchzuführen, Anlagen zu erweitern oder zu verändern und neue Exponate aufzubereiten. Einen Grossteil der Arbeiten führen die Modellbaufans aber oft zu Hause in der eigenen Werkstatt durch.

Was die Faszination Modelleisenbahn genau ausmacht, das lässt sich für Baumgartner nicht so einfach beantworten. «Vielfach entstand die Begeisterung für die Eisenbahn und die dazugehörigen Modelle bereits im Kindesalter und hat einen das Leben lang nicht mehr losgelassen.»

An der Modellbauwelt gefällt ihm besonders ihr Facettenreichtum. «Sei es das Bauen von Modellen und Landschaften, das Tüfteln an elektronischen Komponenten oder das Beleuchten von historischen Aspekten – in der Modellbahnwelt kann jeder das machen, was ihn am meisten interessiert.» Werden diese verschiedenen Interessen in einer Gruppe zusammengefügt, können so grosse und aussergewöhnliche Anlagen entstehen.

Gegen das verstaubte Image

Neben der Welt des Modellbaus und den musealen Ausstellungsstücken, die den Besucherinnen und Besuchern der Stiftung präsentiert werden, soll in Zukunft auch vermehrt ein didaktischer Ansatz hinzukommen. «Anhand der detailgetreuen Modelle können wir aufzeigen, wie die Eisenbahn funktioniert. Wie Wagen richtig rangiert werden, wie Signale dafür sorgen, dass es zu keinen Zusammenstössen kommt, und wie die Steuerung der Züge per Stellwerk funktioniert», sagt Schwarzenbach.

Mit diesem erweiterten Angebot sollen vor allem Schulen und Jugendliche für das Thema begeistert werden, wodurch auch gegen das verstaubte Image der Modelleisenbahn angekämpft werden kann. «Wir bieten auch schon länger im Rahmen des Ferienplauschs einen Kurs an. Es ist erstaunlich, welches Interesse bei den jungen Leuten vorhanden ist», sagt Baumgartner.

Neueinsteigern rät er, mit einem einfachen Set zu beginnen und einfach loszulegen. «Ein Kreis mit einer Ausweichmöglichkeit und zwei Loks reichen, um eine einfache Aufgabenstellung zu kreieren. Und ehe man sich versieht, ist man mittendrin in der Welt der Eisenbahn.»

Ausstellung der Eisenbahn-Sammlung
Jeweils am ersten Samstag des Monats ist die Ausstellung der Stiftung Eisenbahn-Sammlung Uster für die Öffentlichkeit zugänglich. Der Eintritt für Erwachsene kostet 5 Franken, Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren zahlen 3 Franken. Für Gruppen besteht auch die Möglichkeit, eine private Führung zu buchen.

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