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Er kennt noch die goldene Zeit des Segelflugs auf der Scheidegg

Am Wochenende starten von der Alp Scheidegg historische Segelflugzeuge. Werner Rüegg hat als Jugendlicher hautnah miterlebt, wie von 1945 bis 1948 der Segelflug auf der Alp auf seine Blütezeit erlebte.

Die Alp Scheidegg im Hintergrund: Als Jugendlicher blickte Werner Rüegg hier hinauf und sah die Segelflugzeuge starten. , So sah es 1945 aus: Ein Segelflugzeug steht in der Startschiene auf der Alp Scheidegg., Während knapp drei Jahren war die Scheidegg das Mekka des Zürcher Segelflugs., Doch schon bald wurden die Bergstarts zu beschwerlich.

Foto: PD

Er kennt noch die goldene Zeit des Segelflugs auf der Scheidegg

Werner Rüegg schreitet über eine Wiese, an Apfelbäumen vorbei, bis er eine kleine Anhöhe erreicht. Er deutet auf die Hügelkuppe, die Scheidegg, und sagt: «Von meinem Dachfenster aus habe ich mit einem Fernrohr gesehen, wie die Segelflieger von dort oben gestartet sind. Das war vor bald 80 Jahren und ich ging in die fünfte, sechste Klasse.»

Heute ist Rüegg 88 Jahre alt und wohnt immer noch in dem alten Bauernhaus ob Wald mit Blick auf die Scheidegg. Dort, wo am Wochenende an jene Zeit erinnert wird, als die Segelfliegerei auf ihrem Zenit stand.

Ein Jubiläumsfest am Samstag und Sonntag mit den Starts zahlreicher historischer Segelflieger zelebriert den letzten Segelflug vor 75 Jahren ab der Alp Scheidegg. Gleichzeitig feiert die Modelsegelfluggruppe Alp Scheidegg ihr 50-jähriges Bestehen.

Zum Jubiläumsfest
Am Samstag und Sonntag feiert die Modellsegelfluggruppe Alp Scheidegg ihr 50-jähriges Bestehen. Gleichzeitig wird an den letzten Segelflug ab der Alp Scheidegg von 75 Jahren erinnert. Die Veranstalter möchten den Besuchenden die Möglichkeit bieten, noch einmal in die frühen Jahre des Segelflugs einzutauchen mit Oldtimer-Segelflugzeugen und Gummiseilstarts. Als weiterer Höhepunkt findet der Akrobatikflug mit einer PC11, besser bekannt als Pilatus B4, statt. Ebenso gibt es Vorführungen von Modellsegelfliegern und Passagierflüge mit Paraglider-Piloten. Beginn der Aktivitäten ist jeweils um 10 Uhr, das Tagesprogramm ist wetter- und windabhängig. Weitere Auskunft unter www.msgas.ch. (erh)

Werner Rüegg erinnert sich an die Zeit, als nach dem Zweiten Weltkrieg von 1945 bis 1948 die Scheidegg der Zürcher Berg der Segelflieger war. «Bei jeder Gelegenheit bin ich damals mit dem Velo nach Fischenthal gefahren, wo die Flieger jeweils landeten und habe geholfen, sie auseinanderzuschrauben.»

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Rüegg erzählt am Küchentisch Geschichten aus jener Zeit. Wie er an einem Tag vor lauter Faszination vergass, seine Gotte an der Bahnstation Gibswil abzuholen. Oder wie an einem anderen Tag ein grosses Gewitter aufzog. «Es waren extrem viele Segelflieger mit dem Katapult in die Luft geschossen worden. Und nicht alle konnten den dunklen Wolken entfliehen.» Ein junger Flieger stürzte in den Tod.

Und dennoch sei der Enthusiasmus und die Energie für die Segelfliegerei in der damaligen Zeit grenzenlos gewesen. «Auch in der Bevölkerung und bei den Behörden herrschte grosser Optimismus.» Sogar ein Hangar und ein Katapult für erleichterte Starts wurden auf der Scheidegg errichtet.

Mühevolle Bergstarts

Warum jedoch hielt der Optimismus nur so kurze Zeit? «Die Bergstarts waren letztlich zu aufwändig», erklärt Rüegg. Das Demontieren der Flugzeuge, das Verladen auf Anhänger, der steile und schwierige Transport auf die Scheidegg habe zu viel Zeit, Kraft und Mühe gekostet.

Des Weiteren konnte der in Fischenthal geplante Flugplatz nicht realisiert werden. «Der Enthusiasmus ging verloren.»

Nicht jedoch bei ihm, der als 14-Jähriger beim Ausräumen des letzten Segelfiegers aus dem Hangar und dem Abschied der Segelfliegerei auf der Scheidegg dabei war. Natürlich sei er enttäuscht gewesen. Aber er verfolgte seine Faszination und Leidenschaft weiter.

«Ich wollte Militär- oder Linienpilot werden und absolvierte die fliegerische Vorschulung.» Doch eine Augenerkrankung drohte Rüeggs Träume zunichtezumachen.

«Zum Glück war es nicht so schlimm wie befürchtet, sodass ich die Normen für eine Privatlizenz immer noch erfüllen konnte.» So wurde Rüegg Pilot, später Segelfluglehrer, der lange Zeit die Segelflugschule am Flugplatz Speck in Fehraltorf führte.

Frei wie ein Vogel

Auch wenn diese Zeit inzwischen vorbei ist, ist der 88-Jährige immer noch flugbegeistert. «Fliegen so frei wie ein Vogel war immer mein grosser Traum, der mich zum Segelfliegen geführt hat. Und ich bin unglaublich froh und dankbar, dass ich diesen Traum mein ganzes Leben leben konnte.»

Allerdings hält Rüegg fest: «Segelfliegen ist kein Lebensinhalt.»

Nichtsdestotrotz konnte er sogar seinen drei Kindern seine Passion weitergeben, alle besuchten bei ihm die Segelflugschule. «Das ist keine Selbstverständlichkeit», weiss auch Rüegg und nippt an seiner Tasse Kaffee, während der Blick aus dem Küchenfenster schweift.

Was löst nun der anstehende Jubiläumsanlass in ihm aus?

«Es ist toll zu sehen, dass jetzt auch der breiten Bevölkerung in Erinnerung gerufen und gezeigt wird, was hier einmal stattgefunden hat auf der Scheidegg.» Viele wüssten ja nur so ungefähr, dass da mal was war. «Jetzt können sie mit eigenen Augen erleben, wie die damaligen Segelflugzeuge mit einem Gummiseil in die Luft geschossen wurden. Das ist auch heute ein eindrücklicher Moment.»  

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