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Wenn sich der Segelflugpilot mit dem König der Lüfte zum Duett trifft

Matteo Merk ist jung und schon ein erfolgreicher Segelflugpilot. Der Dübendorfer ist am liebsten in den Alpen unterwegs, wo er auch mal die Flugbahn eines Adlers kreuzt.

Matteo Merk aus Dübendorf hat als Jungflieger schon mehrere Nationale Auszeichnungen gewonnen, zuletzt an der Junioren SM. , Vom Flugfeld in Winterthur startet er so oft wie möglich in die Lüfte., Der 21-Jährige strebt dabei vor allem längere Überflüge über eindrückliche Landschaften an., Ein Flug über die Alpen kann auch mal mehrere Stunden dauern.

Foto: PD

Wenn sich der Segelflugpilot mit dem König der Lüfte zum Duett trifft

Ohne viel Muskelkraft verschiebt Matteo Merk mit einer Kollegin ein Flugzeug. Den beiden macht nur die enorme Spannweite der Flügel zu schaffen. «Da geht es nicht», sagt der drahtige grossgewachsene Dübendorfer, nachdem er und seine Kollegin den Flügel gegen die Hangarwand manövrieren. Also drehen sie das Flugzeug, das auf einem gelben Transportroller aufliegt, von der Wand weg auf den Vorplatz des Hangars.

Merk ist Segelflugzeugpilot. Jüngst hat der 21-jährige an den Junioren-Schweizermeisterschaften den zweiten Platz gewonnen. Vom Flugfeld in Winterthur aus macht er seine grossen Touren. «Gestern war ich fast fünf Stunden in der Luft. Bis in die Glarner Alpen bin ich geflogen.»

«Du fliegst einfach und irgendwann bist du wieder auf der Landepiste – oder auf einem Acker.»
Matteo Merk, Segelflugzeugpilot aus Dübendorf

Ein heisser Tag mit guter Thermik sei es gewesen, doch diese guten Bedingungen musste er sich teilen. «Über dem Glarnerland war ein Adler mit mir im Aufwind. Er hat sich überhaupt nicht von mir stören lassen, letztlich musste ich ihm ausweichen.»

Dass sein Flug so weit geht, war ihm im beim Start noch nicht klar. Entscheidend seien die Aufwinde und wie gut er diese erwische. «Die Dauer von Segelflügen kannst du nicht planen. Du fliegst einfach und irgendwann bist du wieder auf der Landepiste – oder auf einem Acker.» Etwa nach jedem 30. Flug müsse er solch improvisierte Landungen machen. Passiert sei dabei nie etwas.

Weil sich die leichten Fluggeräte mühelos auseinanderbauen lassen, reicht ihm in einem solchen Fall ein Anruf an einen Vereinskollegen, um die Teile auf einen schmalen Anhänger zu verladen.

Ein Notfallpropeller

Auf solchen Langflügen nehme er eine Trinkflasche und genügend Sauerstoff mit – und auch einen Urinbeutel. Den biologisch abbaubaren Beutel schmeisse er nach Gebrauch aus dem Flugzeug. Männer hätten es einfacher als Frauen, die oft Windeln tragen müssten.

An diesem Sonntagmorgen will er erst mal einen Kurzflug machen und mit der Seilwinde in die Lüfte, was den Flieger in wenigen Sekunden auf etwa 120 Stundenkilometer beschleunigt und 300 bis 400 Meter in die Höhe katapultiert – nichts für empfindliche Mägen.  

«Du musst in der Luft alles selber entscheiden und machen.»
Matteo Merk

Merk macht sich dafür parat. Er checkt das Fluggerät seines Vereins, der Segelfluggruppe Winterthur. Der Pilot kontrolliert das Fahrwerk, streicht mit den Händen über die Flügel hebt sie an, untersucht die Fallschirme, deren «Verwendung er niemandem wünsche», und lässt den elektrisch betriebenen Propeller aus dem Rumpf fahren. Moment, ein Propeller in einem Segelflugzeug? «Das ist nur für den Fall, dass der Aufwind fehlt und die Höhe zum nächsten Flugfeld nicht mehr reicht», sagt Merk.

Doch ein solcher Antrieb ist nur in diesem Fluggerät eingebaut, laut Merk dem besten und teuersten des Vereins, das rund eine Viertelmillion Franken kostet. Eines mit zwei Sitzplätzen statt nur einem.

Leidenschaft und Grenzen

Nach der Kontrolle wird der Flieger mit einem Auto über die Wiese, die als Piste dient, bis vor das Vereinshaus gezogen. Drinnen instruiert ein Vereinsmitglied, das heute als Flugdienstleiter eingeteilt ist, über den heutigen Tag. «Heute ist T-Shirt-Fliegen und gut eincremen angesagt», sagt der Mann an diesem sommerlichen Tag.

Matteo Merk ist einer der jüngsten in der Männerrunde, aber er ist bei seinen Kollegen gefragt. Er hilft dabei, einen anderen Flieger startbereit zu machen oder gibt Auskunft über seine gestrige Tour.

Der Jungflieger ist Dauergast in luftiger Höhe. Bleibt er mal auf dem Boden, und ist Kaiserwetter, dann bereut er es. «Dann brennt es mich unter den Fingernägeln.» Wie weit es ihn noch in den Himmel zieht, weiss er noch nicht. Die Lizenz für Reisemotorsegler, ein Segelflugzeug ähnliches Motorflugzeug, hat er bereits in der Tasche. Für die Ausbildung als Militärpilot hat es knapp nicht gereicht und Berufspilot wolle er eher nicht werden. Zu gering sei die Freiheit und die Selbstbestimmung.

«Bitte den Knüppel nicht blockieren, sonst habe ich Probleme mit der Steuerung.»
Matteo Merk

Ganz anders sieht er sein Hobby. «Du musst in der Luft alles selber entscheiden und machen. Segelfliegen ist die reinste Form des Fliegens.»

Start wie ein Supersportwagen

Nachdem das doppelsitzige Fluggerät auf der Startbahn steht, zieht Matteo einen Fischerhut an. «Diese Mütze ist zwar praktisch gegen die Sonne, toll sieht man damit aber nicht aus.» Er schnallt sich den Fallschirm an, steigt mit seinen 1,95 Meter ins Cockpit und schliesst die Abdeckung. Sofort wird es höllisch heiss im Flugzeug.

Weil auch der hintere Sitz mit einem Steuerknüppel ausgestattet ist, folgt die Anweisung: «Bitte den Knüppel nicht blockieren, sonst habe ich Probleme mit der Steuerung.»

Dann kurbelt am anderen Ende der Startbahn eine Maschine das Seil auf und das angehängte Flugzeug beschleunigt wie ein Supersportwagen, um kurz darauf in die Höhe zu schiessen. Nach wenigen Augenblicken koppelt Merk das Seil ab.

Suche nach Aufwind

Das Segelflugzeug tanzt in der Höhe auf und ab. «Ich schaue, ob ich irgendwo Aufwind finde.» Anhand des akustischen Signals im Cockpit höre ich, ob wir uns im Sink- oder Steigflug befinden. So muss ich nicht immer auf die Instrumente schauen.»

Das Flugzeug gewinnt kaum an Höhe und nach wenigen Schlaufen bricht Merk ab, dreht Richtung Landewiese ab und fährt das Fahrwerk aus. Er schafft eine Landung, als ob er auf einer perfekt asphaltierten Piste aufgesetzt hätte, und nicht auf einer unebenen Grasfläche. Sofort will Merk zu einem weiteren Flug ansetzen.

Auch wenn sich seine Begeisterung über diese flache Landschaft im Winterthurer Hinterland in Grenzen hält. «Hier ist die Aussicht nicht mega. Über die Alpen mit ihren Tälern zu fliegen – das ist mega!»

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