Streit um Seilbahn auf Hittnauer Campingplatz
Sie ist die Hauptattraktion des Hittnauer Campingplatzes Waldhof: die Seilbahn. 120 Meter. So lange, wie die Halle des Zürcher Hauptbahnhofs breit ist. Letztes Wochenende standen hier die Kinder wie immer Schlange.
Gebaut hat sie Klaus Wyss, Gründer, Besitzer und Leiter des Campingplatzes. Der 72-Jährige und seine Frau Romy haben hier vor über 20 Jahren ein Paradies für Kinder erschaffen. Zwei Pferde, zwei Esel, ein Pony, viele Hasen und noch mehr Ziegen. Zwei Trampolins, zwei Wasserpools und der Wald gleich nebenan.
Klaus Wyss wurde früher ausgelacht
Der Waldhof ist der einzige Campingplatz im Zürcher Oberland, der sich auf Familien konzentriert hat, so Klaus Wyss. Für 29 Franken pro Nacht gibt es hier einen Zelt- plus Parkplatz. Die Duschen sind gratis, ebenso die lange Seilbahn und die beiden Pools. Auch im kleinen Kiosk sind die Preise für Familien ausgerichtet. Eine Tasse Tee kostet zwei Franken, zwei Schokoladenriegel gibt es schon für 1.60 Franken.
Das hat sich herumgesprochen. Letztes Wochenende kamen ungefähr 80 Familien. Am Tage danach ist wieder Ruhe eingekehrt, der Platz ist sauber. Nur noch ein paar Familien sind geblieben. Ein Mann hat ein Problem, und zwar mit dem Stromkabel für seinen Wohnwagen. Tobias, der 30-jährige Sohn von Klaus und Romy Wyss hilft dem verzweifelten Familienvater.
Gäste aus Pfäffikon und China
Als der Campingplatz Waldhof im Frühling 1999 zum ersten Mal seine Tore öffnete, wurden die Betreiber noch ausgelacht: Wer macht schon Ferien in Hittnau? Ausgerechnet in diesem « Schattenloch » ?
Seitdem sind die Kritiker verstummt. Denn gerade weil der Standort nicht zu sehr der prallen Sonne ausgesetzt ist, wird er von den Eltern geschätzt. Viele kommen aus Pfäffikon, Wetzikon oder Zürich. Mittlerweile wird der Campingplatz von Gästen aus überall aufgesucht: Russland, Neuseeland, Holland, China.
Gemeinde profitiert vom Campingplatz
Die Betreiber erhielten zu Beginn viel Zuspruch. Der damalige Gemeindepräsident Hans-Ueli Märki (parteilos) zeigte sich begeistert von der Idee des Campingplatzes. An der Gemeindeversammlung von 1998 gab es keine Gegenstimme zum Antrag auf Änderung von der Landwirtschafts- zur Naherholungszone.
Von den Gästen profitieren auch die Restaurants in Hittnau und die Migros-Filiale im Dorfzentrum. Im Unterschied zu manch anderen Campingplätzen ist es hier ab 22 Uhr ruhig. Klaus Wyss: « Die Kinder haben sich den Tag durch austoben dürfen und schlafen längst um diese Uhrzeit » . Die Erwachsenen würden vielleicht noch ein Bier vor ihren Wohnwagen trinken, aber sehr leise sein.
« Die Seilbahn bildet das Herz des Campingplatzes Waldhof. »
Klaus Wyss, Betreiber des Campingplatzes Waldhof
Eigentlich ist das alles eine schöne Erfolgsgeschichte. Klaus Wyss möchte sich langsam zurücklehnen und den Campingplatz in die Hände seines Sohnes übergeben.
Aber seit dem Sommer 2016 ist es mit der Idylle hier fertig. Es geht vor allem um die bei den Kindern beliebte Seilbahn. Die Gemeinde Hittnau fordert die Betreiber auf, die Seilbahn abzubauen, da sie sich ein paar Meter ausserhalb der Naherholungszone befindet.
Für die Familie Wyss käme dies einer Schliessung des Familienplatzes gleich. « Die Seilbahn und die anderen Spielgeräte bilden das Herz des Campingplatzes Waldhof. » , so Klaus Wyss. Sein Sohn erklärt: « Wenn diese Hauptattraktion fehlt, kommen weniger Familien und wir befänden uns dann schnell in einer Abwärtsspirale. »
Streit seit drei Jahren
Die Betroffenheit auf dem Platz sei gross, berichtet Romy Wyss. Eine Unterschriftensammlung wurde von den Benutzern des Campingplatzes initiiert und dem Gemeinderat übergeben. Und auch der beigezogene Anwalt verwies auf die Verhältnismässigkeit. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung müsse die Wiederherstellung verhältnismässig sein.
Für Gemeinderat und Ressortvorsteher Planung und Hochbau, Carlos Hächler (FDP), machte das bislang keinen Eindruck. Er fordert die Betreiber des Campingplatzes seit drei Jahren dazu auf, die Bauten zu entfernen. Der Streitfall liegt nun beim Kanton. Was Klaus, Romy und Tobias Wyss aber am meisten stört: « Hächler hat sich nie ein Bild vor Ort gemacht und die glücklichen Kindergesichter gesehen. » Hächler wollte mit Verweis auf das laufende Verfahren dem ZO/AvU keine Auskunft geben.