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Stettbacher Betriebskantine wird zur urbanen Gartenbeiz

Baulich hat Dübendorfs Südwesten mittlerweile zum grossen Nachbarn Zürich aufgeschlossen, nun findet auch eine gastronomische Annäherung statt. Mit der «Waldkantine» eröffnet in Stettbach ein Sommerrestaurant im Stile von «Frau Gerolds Garten».

Das Team (v.l.): Bauleiter Roman Fischer, Betriebsleiter Kay Gothié und Fabian Duss, Geschäftsführer Maag Music & Arts AG., Der Pavillon ist der markanteste Bau des Biergartens., Ursprünglich war der Holzbau zweistöckig geplant, doch feuerpolizeiliche Vorgaben machten einen Kompromiss nötig., Viele Sitz- und Stehgelegenheiten, verbunden mit einem Holzsteg., Das Gartenrestaurant hat sein eigenes Biotop., Jetzt ist die Betriebskantine schön heimelig. Dafür war allerdings ganz schön viel Holz nötig.

Christian Merz

Stettbacher Betriebskantine wird zur urbanen Gartenbeiz

Es ist das mit Abstand grösste Gartenrestaurant Dübendorfs, das an der Zürichstrasse 137 entsteht. Hier, zwischen dem Bahnhof Stettbach, dem Boom-Quartier Hochbord, der Samsung-Hall und ganz viel sattgrüner Natur bauen Handwerker die «Waldkantine» – einen urbanen, 1000 Quadratmeter grossen Biergarten. Und das an einem Ort, den die meisten wohl noch nie bewusst wahrgenommen haben: Im von Büschen und Bäumen abgeschirmten Aussenbereich des früheren Gebäudes der Credit Suisse.

Inzwischen ist es vorbei mit der Ruhe und Abgeschiedenheit. Draussen beobachten Pendler und Passanten neugierig, wie mithilfe eines Krans die letzten massiven Tannenholzbalken am Pavillon befestigt werden. Drinnen freut sich Fabian Duss sichtlich über den Fortschritt der Bauarbeiten.

Duss ist der Geschäftsführer der Maag Music & Arts AG, die im Event- und Gastrobereich tätig ist. Sein Unternehmen hat «Frau Gerolds Garten» im Zürcher Kreis 5 initiiert und betreibt in Oerlikon zwischen der Halle 622 und dem Bahnhof das Lokal «Zum frischen Max». Unter anderem.

Nicht zu hipsterig

Das Konzept der beiden Sommerbeizen wird in der «Waldkantine» übernommen: Selbstbedienung, ein leichtes Durcheinander mit vielen unterschiedlichen Sitz- und Stehgelegenheiten, ein stimmiges Lichtkonzept. In Stettbach haben sie das längliche Grundstück mit Nischen und Podesten aufgelockert, die mit Stegen verbunden sind.

«Gebt mir vier gute Jungs und einen Lastwagen voll Material.»

Roman Fischer, Bauleiter

Dazu gibt es eine übersichtliche Speisekarte und eine äusserst lange Getränkekarte mit Biersorten und Softdrinks, die man zumindest in der Agglo nicht an jeder Ecke bekommt. Alles ziemlich urban, aber nicht zu hipsterig – und mit einem Herz für das Regionale. So ist es laut Duss durchaus denkbar, dass auch mal ein Bier einer lokalen Brauerei ausgeschenkt wird. Schon einen festen Platz auf der Karte haben die Stettbacherli, eine Wurstspezialität.

Unten Holz, oben Holz

Roman Fischer gesellt sich dazu. Er ist Musicaldarsteller, Bühnenbauer, Bauleiter und der kreative Kopf hinter dem Projekt. Er hat etwa die Lampen kreiert, die aus Gamellen gemacht sind. Fischer strotzt vor Tatendrang. Als er angefragt wurde, ob er sich an dem Vorhaben beteiligen wolle, musste er nicht lange überlegen: «Gebt mir vier gute Jungs und einen Lastwagen voll Material», so seine Worte.

Natürlich war es am Ende nicht so einfach mit den ganzen Bewilligungen, die den einen oder anderen Kompromiss nötig machten. Der Pavillon etwa war anfänglich zweistöckig geplant, jetzt baut man nur halb so hoch.

«Es wäre ja noch lustig, wenn man hier mit ferngesteuerten Bötli rumfahren könnte»

Fabian Duss, Geschäftsführer Maag Music & Arts AG

Und auch eine Lastwagenladung Material reichte nicht, um allein den nüchternen Kantinenbereich, wo später die Getränke und Speisen abgeholt werden, gemütlich zu gestalten. Jetzt hat es unten Holz, oben Holz und im Raum verteilt immer mal wieder ein Holzelement aus einem Altbau, von der Decke baumeln schmucke Glühbirnen, und auch ein bisschen Western-Nostalgie in Form von verstaubten Petrollampen hat es ins Dekor geschafft.

Das alles war nicht ganz billig, räumt Duss ein, «und deshalb tragen wir hier natürlich auch ein gewisses finanzielles Risiko». Dies vor allem, weil der Vertrag für die Zwischennutzung erst einmal auf zwei Jahre ausgelegt sei. Man sei aber in einem guten Austausch mit der Gebäudeinhaberin und der Vermieterin.

Kantine mit See-Anschluss

Wenn die Einschränkungen wegen Corona vorbei sind, wird das Restaurant stolze 250 Sitzplätze aufweisen, die allermeisten davon draussen. Geöffnet wird deshalb, «wenn das Wetter schön ist», auch das analog zu den zwei anderen Sommerbeizen. Möglich machten dies die «superflexiblen» Mitarbeitenden. Ausgeschenkt wird jeweils bis 23 Uhr, um Mitternacht gehen die Lichter aus.

Die Eröffnung der «Waldkantine» ist am 28. April. Das dazugehörige Fest werde nachgeholt, «wenn man wieder richtig miteinander anstossen kann», sagt Duss und lässt den Blick über den Teich schweifen, der Teil des Aussenbereichs ist. Eine Spontanidee: «Es wäre ja noch lustig, wenn man hier mit ferngesteuerten Bötli rumfahren könnte», sagt er und lächelt. Aber erst einmal muss dafür gesorgt werden, dass Bewegung ist das stehende Gewässer kommt, damit der Teich nicht zum Mückenparadies wird. Eins nach dem anderen.

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