Stadtrat Uster wird konkret: Stadtarchiv könnte in Käserei ziehen
Am Montag im Parlament
Es ist ein alter Hut, den sich die Stadt erneut aufsetzt – das Projekt um die Untere Farb. Am Montag wird im Parlament besprochen, wie es mit dem Schutzobjekt und dem Stadtarchiv weitergeht.
Was lange währt, wird endlich gut – so zumindest in der Theorie. Seit Jahren währt die Diskussion um die ehemalige Blaufärberei, die Untere Farb, im Ustermer Stadtpark nun schon. Zuletzt wurde ein Projektierungskredit, der die Kosten für die definitive Ausarbeitung des Projekts decken sollte, vom Volk abgelehnt. Und der Traum, mit dem Schutzobjekt gleich mehrere Anliegen zu lösen, platzte.
Nur einen Tag nach der Abstimmung reichte Gemeinderat Balthasar Thalmann (SP) ein Postulat ein. Darin forderte er, «vor weiteren Entscheidungen die Planung für das Stadtarchiv und die künftige Nutzung der Unteren Farb sorgfältig und ergebnisoffen aufzurollen».
Was bisher geschah
Seit 1987 ist die Untere Farb im Besitz der Stadt, seit 2023 ist das Gebäude ein historisches Schutzobjekt.
Bereits 2017 stimmte das Volk über den Gestaltungsplan ab. Wegen einer gutgeheissenen Beschwerde musste die Abstimmung über die Pläne 2019 wiederholt werden. Beide Male hiess das Volk das Vorhaben um die Untere Farb deutlich gut – zuletzt mit 72 Prozent.
Der dann folgende Projektierungskredit von 1,16 Millionen wurde im Parlament zwar mit 23 zu 7 Stimmen akzeptiert, kam wegen eines Referendums aber vors Volk – und scheiterte mit 53 Prozent.
Nicht von irgendwoher kam die Uneinigkeit zu den Projektdetails der Unteren Farb. Denn anstelle von einem, verfolgte die Stadt mit der ehemaligen Blaufärberei gleich drei Ziele: die unumstritten notwendige Gebäudesanierung, einen neuen Standort für das Stadtarchiv und die Erweiterung des Stadtparks mit einem Gastronomieangebot.
Dass derweilen auch die Ansprüche aller Parteien und der Bevölkerung, die Richtlinien des Gestaltungsplans und die Kostenpolitik berücksichtigt werden müssen, scheint eine Hausnummer zu hoch gewesen sein.
Nachdem das umfassende Projekt rund um die Untere Farb auf Eis gelegt wurde, sucht der Stadtrat nun in seiner Stellungnahme nach passenden Lösungen – für die Untere Farb, aber auch für das Stadtarchiv und die übrigen offenen Fragen, die mit dem Projekt hätten beantwortet werden sollen.
Zur Debatte stehen drei Lösungsansätze: die Reduktion, die Trennung und der Neustart.
Option 1: Die Reduktion
Da das Volk vor der letzten gescheiterten Abstimmung den Gestaltungsplan bereits zweimal deutlich angenommen hatte, vermutet die Stadt den Grund für die Ablehnung vor allem bei den Kosten.
Deshalb beinhaltet der Vorschlag «Reduktion» eine Kosteneinsparung durch den Verzicht auf eine Gastronomie in der Unteren Farb: Uster liegt laut einer Bevölkerungsumfrage 2023 zwar unter dem Benchmark an Angeboten für Restaurants, Bars und Cafés, dennoch ergebe sich daraus kein Handlungsbedarf.
Mit dieser Lösung würde die ehemalige Färberei wie geplant saniert, der Stadtpark erweitert und das Stadtarchiv eingebaut. Durch den Verzicht auf die Gastronomie würde der Ausbau des Untergeschosses sowie der Einbau von Lüftung und Küche wegfallen. Optional wäre ein mobiles Angebot im Sommer, beispielsweise mittels Food-Truck.
Die Vorteile dieser Option sieht die Stadt darin, dass keine Abschreibungen der bisherigen Projektausgaben nötig wären – die Nutzung des aktuellen Wohnteils bliebe jedoch unbestimmt. Auch die definitive Kostenreduktion wegen Wegfall der Gastronomie sei noch nicht klar.
Option 2: Die Trennung
Die Untere Farb muss dringend saniert werden, auch für das Stadtarchiv und die Paul Kläui Bibliothek besteht Handlungsbedarf. Das Archiv ist derzeit nicht nur an mehreren Standorten verteilt, sondern bietet mittelfristig auch zu wenig Platz. Ausserdem entspricht es weder der konservatorischen Mindestanforderung noch dem Arbeitsgesetz.
In der Unteren Farb sah die Stadt – vor allem wegen der Aufwertung der Paul Kläui Bibliothek mit Lesesaal und Arbeitsplätzen für Studierende und Forschende – die optimale Lösung für das zukünftige Stadtarchiv. Das Raumproblem des Archivs liesse sich aber auch an einem anderen Standort lösen.
Mit der Option «Trennung» würde deshalb auf den Einbau des Stadtarchivs verzichtet und ein alternativer Ort gesucht. Da die Stadt aber keine passenden und freien Liegenschaften besitzt, bliebe nur ein Neubau oder die Nutzung einer Fremdliegenschaft zum Kauf oder zur Miete.
Käserei Roth: Das neue Stadtarchiv?
Eine Möglichkeit wäre die Miete der Käserei Roth: Im Vergleich mit einem Neubau würde diese Option finanzielle Vorteile mit sich bringen. Die Räume könnten für 20 Jahre gemietet werden und entsprechen den Bedürfnissen und Sicherheitsaspekten.
In der Option «Trennung» würde die Untere Farb zudem wie geplant saniert und der Stadtpark erweitert. Die Nutzung der Scheune und des Wohnteils blieben aber offen.
Vorteile erkennt der Stadtrat in der schnellen Lösung für das Stadtarchiv mit der Option der Käserei Roth und die schnelle Sanierung des Gebäudes als gebundene Kosten von 5 Millionen Franken.
Option 3: Der Neustart
Der gültige Gestaltungsplan sei eng gefasst und sieht eine öffentliche Nutzung sowie den Einbau des Stadtarchivs in der Scheune vor. Eine Änderung des Gestaltungsplans, der seit April 2020 rechtskräftig ist, könne frühestens fünf Jahre später aufgehoben werden.
Damit würden die Kosten für das Vorprojekt, den Projektwettbewerb, die Ausarbeitung des Gestaltungsplans und der bisherigen Volksabstimmungen abgeschrieben werden.
Dennoch sieht der Stadtrat die Sistierung und Abschreibung des Projekts als Option: Dafür müsste eine neue Nutzung festgelegt und der Gestaltungsplan neu ausgearbeitet werden. Das Stadtarchiv würde an einem neuen Ort realisiert; nach wie vor zur Debatte stünde auch hier die Käserei Roth.
In dieser Lösung sieht der Stadtrat die Möglichkeit, das Projekt komplett neu aufzurollen und zu prüfen. Dem entgegen stehen ein langes Planungsverfahren, die Abschreibung der bisherigen Kosten sowie weitere Investitionen für Sofortmassnahmen des Stadtarchivs und der Gebäudesanierung.
Fazit des Stadtrats
Aus Sicht des Stadtrats, wie dieser schreibt, liegt die Herausforderung bei der Nutzungsfrage: «Alle bisher geprüften Nutzungsoptionen für die Untere Farb sind aus rechtlichen, finanziellen, baulichen oder denkmalpflegerischen Gründen nicht umsetzbar – oder sind politisch nicht mehrheitsfähig.»
Das Projekt sei ausserdem komplex, die verschiedenen Ziele nicht unter einen Hut zu bringen – weshalb die Stadt die Option der Trennung bevorzuge. Die Käserei Roth sei eine gute und umsetzbare Option für das Stadtarchiv, das Vorhaben entlaste die Investitionsrechnung und verursache die geringsten Folgekosten.
Der Stadtrat bittet den Gemeinderat, Stellung zu den Optionen zu beziehen. Bisher hinterliess das Projekt um die Untere Farb geschiedene Geister im Parlament – ob der favorisierte Lösungsansatz der Stadt nun aber auf offene Ohren und einige Stimmen stossen wird, entscheidet sich an der montagabendlichen Parlamentssitzung.
Weitere Traktanden
Des Weiteren wird im Parlament eine Interpellation zur Übersicht der Einhaltung der Budgets von Bauvorhaben und der Übersicht von eingeleiteten und vollständig integrierten Massnahmen zur Einhaltung des Budgets der letzten fünf Jahre besprochen.
Es wird ein Kreditantrag zur frühen Förderung, basierend auf der Evaluation des Pilotprojekts 2021 bis 2024 und der entsprechenden Weiterführung ab 2025, vorgelegt. Die SVP/EDU-Fraktion hat dazu einen Rückweisungsantrag eingereicht.
Es werden neben dem Postulat zur Unteren Farb vier weitere Postulate behandelt: Es wird darüber abgestimmt, ob das Postulat zur Weiterentwicklung der offenen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in Uster sowie zur Überprüfung der Nachhaltigkeitsstrategie am Uster Märt an den Stadtrat überwiesen wird.
Zudem werden das Postulat aus dem linken Lager mit dem Titel «Endlich Lärmschutzmassnahmen umsetzen» sowie zum Ustermer Strassenzustand und deren systematische Erfassung sowie Veröffentlichung final behandelt und erledigt.
Die Sitzung findet am Montag, 21. Oktober, ab 19 Uhr im Gemeinderatssaal im Stadthaus Uster statt. Sie dauert voraussichtlich bis 22 Uhr.