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Motorsport

«Wir sparen, wo wir können»

Der Hinwiler Rennstall Alfa Romeo hat Corona gerade so überstanden – und muss nun zum Neustart der Formel 1 in Österreich die logistischen Herausforderung meistern.

In den letzten Jahren stand das Sauber-Team immer wieder vor dem Abgrund. Vor vier Jahren brachten die aktuellen Besitzer finanzielle Sicherheit. Doch nun kam Corona. Wie gross sind die Existenzängste?
Wir wären als Privatteam Sauber jetzt wahrscheinlich am Ende. Ohne einen finanzstarken Eigentümer im Hintergrund wäre das kaum zu überleben gewesen. Glücklicherweise konnten wir den Mitarbeitern früh kommunizieren, dass der Eigentümer zu uns steht und sie keine Angst haben müssen. Und unterdessen wissen wir auch, dass wir niemanden entlassen müssen, sondern in dieser Stärke verbleiben.

Aber um Sparmassnahmen wird man in Hinwil nicht herumkommen.
Natürlich. Wir müssen massive Einbussen in Kauf nehmen – das hängt auch davon ab, wie viele Rennen noch gefahren werden. Wir sparen, wo wir können, und geben nur noch das aus, was wirklich notwendig ist. Auch in meinem Bereich: Früher flogen wir nach Belgien, nun fahren wir dorthin. Und wir probieren, das Frachtvolumen zu reduzieren. Glücklicherweise konnten sich die Teams darauf einigen, dass mit dem 2020er-Auto auch 2021 gefahren und dass es eine Budgetobergrenze von 145 Millionen geben wird. Das ist zwar noch immer weit davon entfernt, was wir sonst ausgeben – aber immerhin.

Wie haben Sie die Zeit im Homeoffice erlebt?
Die ganze Formel 1 stand 63 Tage still – da lief auch bei uns nur sehr wenig. Meine Assistentinnen hatten frei, ich arbeitete manchmal von daheim aus, wenn wieder einmal eine Kalenderänderung kam. Ich machte alles allein – aber es war ja nicht wahnsinnig viel. Weil alles abgesagt wurde, konnte ich nichts anderes tun, als Hotels und Fluggesellschaften zu informieren, dass wir nicht kommen.

Sonst geht es in der Formel 1 Schlag auf Schlag, nun waren Sie zum Nichtstun verdammt.
Es war eine komplett neue Erfahrung – mir fehlte etwas, wie wohl allen. Ich probierte, das Team zu motivieren. Wir machten einen Whatsapp-Chat, in dem wir einander Bilder schickten, wenn wir joggen oder Velofahren gingen. So wollten wir uns pushen, austauschen und motivieren. Das klappte recht gut.

Haben Sie sich neue Hobbys zugelegt?
Ich habe sehr viel gelesen. «Das Foucaultsche Pendel» und «Baudolino» von Umberto Eco, der «Graf von Monte Christo» von Alexandre Dumas, der «Herr der Ringe» – all die dicken Bücher, die ich vor zwanzig Jahren mal gelesen hatte. Früher hatten wir auf den Langstreckenflügen keine Computer dabei – damals las ich sehr viel.

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Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

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