Motorsport

Was Kubicas Rückkehr für Sauber bedeutet

Robert Kubica ist wieder beim Hinwiler Rennstall unter Vertrag. Der Pole soll im neuen Simulator Fortschritte ermöglichen – und bringt einen Sponsor mit, der sich einen Platz im Teamnamen erkauft.

Was Kubicas Rückkehr für Sauber bedeutet

Es ist ein Transfer, der schöne Erinnerungen weckt. Robert Kubica kehrt als Testfahrer zum Hinwiler Team Alfa Romeo zurück. Der Pole war am 8. Juni 2008 der Hauptdarsteller des Höhepunkts in der Teamgeschichte: Sein Sieg in Kanada brannte sich ins Gedächtnis der Sauber-Fans.

Zwar gehörte das Team damals BMW – doch als Kubica vor seinem Teamkollegen Nick Heidfeld über die Ziellinie fuhr, wurden an der Boxenmauer Schweizer Flaggen geschwenkt.

Nun ist Kubica also wieder bei jenem Team unter Vertrag, das von der Sauber Motorsport AG betrieben wird und für das er zwischen 2006 und 2009 fuhr. Viel ist seither passiert. Während Sauber zwischenzeitlich scheinbar hoffnungslos verschuldet war und nur knapp dem Konkurs entging, schien Kubicas Karriere in der Formel 1 ein unschönes Ende zu nehmen.

Nach einem schweren Rallye-Unfall 2011 kämpfe er um sein Leben. Beinahe hätte er dabei seine rechte Hand verloren – die Ärzte retteten sie, sie bleibt aber in der Beweglichkeit eingeschränkt. Dennoch kämpfte sich Kubica, dem einst eine grosse Karriere prognostiziert worden war, in die Formel 1 zurück. In der letzten Saison gab er sein Renncomeback. Im völlig unterlegenen Williams blieb er chancenlos und konnte seinem Teamkollegen George Russell das Wasser nicht reichen.

Nicht mehr nur Alfa Romeo

Dass Kubica nun nach Hinwil zurückkehrt, ist eine schöne Geschichte – und hat einen monetären Hintergrund. Denn Kubica kommt nicht alleine, sondern bringt den polnischen Mineralölkonzern PKN Orlen als Sponsor mit. Dieser sicherte sich als Co-Titelsponsor gleich einen Platz im Teamnamen – was bedeutet, dass eine stattliche Summe Geld fliessen dürfte.

Natürlich gibt es keine offiziellen Zahlen. Bei Williams, wo Orlen nicht im Teamnamen erschien, sollen rund zehn Millionen Euro geflossen sein. Zum Vergleich: Alfa Romeo soll als Sauber-Namenssponsor 2019 laut Schätzungen jährlich etwas über 30 Millionen Euro ans Budget von knapp 140 Millionen Euro beigesteuert haben. Es ist allerdings denkbar, dass der Anteil von Alfa Romeo kleiner wird, wenn die Italiener die Namensrechte nicht mehr exklusiv besitzen.

Polnischer Konzern statt Teampatron im Namen

Und man darf sich in diesem Zusammenhang auch fragen, weshalb im letzten Jahr der Name Sauber aus der offiziellen Bezeichnung des Rennstalls verschwinden musste. Die Umbenennung war eine Marketingmassnahme, um die Marke Alfa Romeo besser zu positionieren. Der Name des Teamgründers Peter Sauber hatte daneben keinen Platz mehr. Jener eines polnischen Konzerns nun aber schon.

Doch letztlich führt der Weg zum Erfolg im Motorsport in erster Linie übers Geld und nicht über Sentimentalitäten. Auch wenn Kubica im Communiqué sagt, das Team habe einen speziellen Platz in seinem Herzen und er freue sich, einige Gesichter aus seinen ersten Jahren in Hinwil wiederzusehen: Attraktiv ist der Deal für die Hinwiler vor allem in finanzieller Hinsicht. Die Rede ist von einem mehrjährigen Vertrag mit dem neuen Sponsor – wie lange er läuft ist genauso wie bei Alfa Romeo nicht bekannt.

Kubica und der hilfreiche Simulator

Inwiefern Kubica selber überhaupt auf der Rennstrecke zum Einsatz kommen wird, bleibt abzuwarten. Fahren wird  er wohl vornehmlich virtuell: Seit diesem Winter steht im Werk in Hinwil ein Simulator. Als eines der letzten Teams verfügen die Schweizer über ein eigenes solches Gerät, das mit Rennsimulationen auf Videospielkonsolen herzlich wenig zu tun hat.

Die Simulatoren sind nicht in erster Linie dafür da, damit die Fahrer trainieren können, sondern für die Entwicklung der Boliden. Sie erleichtern die Rennvorbereitung, indem verschiedene Setups ausprobiert werden können – und helfen bei der Evaluation neuer Teile. Und immer mehr Teams haben an Rennwochenenden ihre Simulatoren in Betrieb, um nicht nur in den Trainings auf der Strecke Daten sammeln zu können.

Was das bringt, zeigt das Beispiel von Antonio Giovinazzi. Bevor der Italiener bei Sauber Stammfahrer wurde, stand er bei Ferrari als Simulatorpilot unter Vertrag. Unter anderem verhalf er so Sebastian Vettel 2018 in Kanada zum Sieg an einem Rennwochenende, an dem der Ferrari des Deutschen in den ersten Trainings noch chancenlos schien.

In Hinwil soll Kubica nun eine ähnliche Rolle einnehmen. Sein Comeback im Schweizer Team wird von schönen Worten von Teamchef Frédéric Vasseur begleitet: «Er ist einer der brillantesten Fahrer seiner Generation. Sein Feedback wird für uns von unschätzbarem Wert sein.»

Nun wird Kubica diesem Lob gerecht werden müssen. In seinem Jahr bei Williams blieb 35-Jährige jedenfalls den Beweis schuldig, trotz Handicap wieder zu seinem alten Speed zurückfinden zu können. Es endete mit Misstönen und einem einzigen WM-Punkt. Den gewann er ausgerechnet in Hockenheim – als Nutzniesser von Strafen gegen beide Alfa-Piloten.

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