Den Satz sagte Randy Krummenacher in einem Interview vor ziemlich genau vier Jahren. Und so simpel er klingt, so treffend beschreibt er sein Wesen, seinen Willen, seinen Fokus: «Ich wusste als Fünfjähriger schon: Ich will Töffrennen fahren und Weltmeister werden».
Der Traum vom WM-Titel ist seit Samstag Wirklichkeit geworden. Gewiss, es ist nicht der Titel in einer prestigeträchtigen GP-Klasse, sondern in der seriennahen Supersport-Kategorie. Das schmälert aber weder den Erfolg, noch seine Tragweite: Krummenacher ist der erste Schweizer Weltmeister seit Tom Lüthis Titelgewinn 2005 in der 125er-GP-Klasse. Er ist erst der vierte Schweizer, der einen WM-Titel in einer Soloklasse gewinnt. Und der erste Schweizer überhaupt, dem dies in einer der Superbike-Klassen gelingt.
Es dauerte lange, bis Krummenacher endlich am Ziel seiner Träume war. 29 Jahre alt musste er werden – und mehr Rückschläge einstecken als Erfolge feiern. Oft schien er in einer Sackgasse, oft gab es einen Neubeginn in einem anderen Team – manchmal passierte das im Jahresrhythmus. In zehn Saisons im GP-Sport glaubte er immer wieder, das richtige Umfeld für den Erfolg gefunden zu haben – um danach immer wieder enttäuscht zu werden.
Vor allem aber kostete die GP-Karriere seine Sponsoren viel Geld – und Krummenacher kam zur Einsicht, dass es noch viel mehr kosten würde, wollte er um Titel kämpfen. Auch deshalb wechselte er vor vier Jahren in die Supersport-WM – und legte damit die Basis für den aktuellen Erfolg.
Der Reifeprozess, an dessen Ende der Weltmeistertitel steht, war lange – und es passt zu Krummenachers Karriere, dass ihm dieser Titel nicht einfach in den Schoss fiel, sondern er bis im letzten Rennen darum kämpfen musste. Behaupten musste er sich gegen seinen Teamkollegen und grössten WM-Rivalen Federico Caricasulo, als dieser auf der Strecke die Ellbogen ausfuhr. Behaupten musste er sich im Team Bardahl Evan Bros, weil er glaubte, dass es lieber Caricasulo als Weltmeister sähe. Es gab Jahre, in denen sich Krummenacher darob verkopft und verkrampft hätte. Nun aber hielt dem Druck stand – weil er sich mit all diesen Dingen befasste statt sie zu ignorieren. Er sprach darüber – und fand seinen eigenen Weg, damit umzugehen.

