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Mit Präsenz statt grossen Worten

Der Pfäffiker Granit Lekaj ist beim Challenge-League-Klub Winterthur unbestrittene Stammkraft – und seit dieser Saison sogar Captain.

Wieder einmal in der Region: Der Pfäffiker Profi Granit Lekaj beim Drei-Städte-Turnier des FC Uster., Unzimperlich: Usters Verteidiger Enit Sadiku gegen Arlind Dakaj (Winterthur)., Winterthurs Samuel Ballet sorgt im Ustermer Strafraum für Unruhe.

Foto: Christian Merz

Mit Präsenz statt grossen Worten

Er ist kein lauter Anführer. Viel mehr geht der Pfäffiker Profi Granit Lekaj mit seiner körperlichen Präsenz und Aggressivität auf dem Platz voraus – und in die Zweikämpfe.

Beides ist auch am Mittwochabend beim Drei-Städte-Turnier in Uster spürbar, wo der Innenverteidiger des FC Winterthur im zweiten Spiel gegen die Grasshoppers zum Einsatz kommt. Der Challenge-League-Klub ist bei der 0:2-Niederlage (siehe Box) schnell im Hintertreffen. Lekaj lässt sich dadurch aber nicht aus der Ruhe bringen – und kann sie auch einordnen. «Es geht an einem solchen Turnier darum, dass die Spieler, welche zuletzt wenig Einsatzzeit hatten, zu Minuten kommen», sagt er.

Seit 2018 steht Lekaj beim FCW unter Vertrag. Auf diese Saison hin ist er als neuer Captain in der Hierarchie noch weiter aufgestiegen. Der Oberländer ist mit seinem Auftreten so etwas wie ein Gegenentwurf seines zurückgetretenen Vorgängers Davide Callà, der mit seiner volksnahen, extrovertierten Art auffiel – und als eigentliche Winterthurer Legende bezeichnet werden kann.

Und dennoch: Lekajs Wahl ist keine Überraschung. Über 300 Einsätze bestritt er in der Challenge League – nur vier Schweizer Fussballer liefen bisher öfters in der zweithöchsten Liga auf. Keiner davon spielt mittlerweile mehr auf dieser Stufe. Der in Brüttisellen lebende Lekaj dürfte also noch den einen oder anderen von dieser Liste überholen. Auch deshalb, weil er mit 31 noch nicht ans Aufhören denkt. «Solange ich gesund bleibe, will ich weiter spielen», sagt er.

Der noch unerfüllte Traum

Gebremst auf dem weiteren Weg nach oben dürfte er also in dieser Rangliste nur werden, wenn sein auslaufender Vertrag nicht verlängert würde – oder bei einem möglichen Aufstieg mit Winterthur. Lekaj spricht in diesem Zusammenhang «von einem  Traum» – im Wissen, dass der Sprung in die höchste Liga für ihn wohl nur mit dem FCW möglich ist.

Tatsächlich führt dieser nach neun Runden die Tabelle an. Und dennoch ist es ein Szenario, dass für den Klub noch weit weg ist. Und dies nicht einmal darum, weil das letzte Abenteuer auf höchster Ebene weit zurück liegt (1984/85).

Immer wieder hatten die Winterthurer gerade in den letzten Jahren gute Phasen, in denen sie ihr Potenzial aufblitzen liessen. Dies reichte zuletzt zweimal zu Platz 4 und Rang 2 bis zur Meisterschaftshälfte in der letzten Saison, ehe noch ein Einbruch erfolgte. Oder aber zu Höhepunkten wie den historischen 6:2-Cup-Triumph im Februar beim FC Basel. Lekaj führte die Winterthurer schon damals – in Abwesenheit von Callà – als Captain aufs Feld und sagt: «In meinen Augen sind wir reifer geworden.»

Der auffallendste Jahrgang

Erfahrungswerte hat er genug. Seit seinem Transfer zum FCW vor drei Jahren ist Lekaj nahezu unverzichtbare Stammkraft. Für ihn war es eine Rückkehr, da er auf der Schützenwiese einst gross wurde und zu Juniorenzeiten schöne Erfolge feiern konnte.

So beispielsweise, als er mit der U16 im Cupfinal den FC Zürich besiegte. Vom auffallendsten Junioren-Jahrgang («1990») in der Klubgeschichte ist deshalb die Rede. Einige davon machen später eine respektable Karriere im Profifussball (u.a. Luca Zuffi, Amir Abrashi).

Auch Lekaj erlebte mit 20 die Feuertaufe in der Challenge League und verliess dennoch den Klub nach nur neun Einsätzen im Sommer 2011. Zum bestandenen Verteidiger reifte er später in Wil und Schaffhausen. «Die Wechsel waren für meine Entwicklung wichtig», ist für ihn klar. Gerade nach seinen ersten Jahren in Wil fühlte er sich bereit für eine Zukunft in der Super League. Ein entsprechender Transfer aber klappte nicht.

Jetzt – mit 31 – träumt er aber nicht nur vom späten Sprung ins hellere Scheinwerferlicht der Super League, sondern denkt auch an die Zeit nach dem Fussball.

Seit April belegt er an der Marketing & Business School Zurich einen Lehrgang zum Betriebswirtschafter. Was er genau nach dem Fussball machen will, weiss Lekaj aber noch nicht. «Mit diesem Abschluss sind viele Wege offen», sagt er.

Wenigstens ein Tor für Uster
In beiden Spielen des Drei-Städte-Turniers über jeweils 45 Minuten kommt Gastgeber Uster zu seinen Chancen. Und trotzdem ist das Verdikt am Ende klar. Der Zweitliga-Leader unterliegt Titelverteidiger Winterthur 0:2 und muss sich den Grasshoppers klar geschlagen geben. Immerhin sorgt Dominik Cennerazzo bei der 1:5-Niederlage für ein Erfolgserlebnis. Er ist mittels Penalty für den FCU erfolgreich. Das Tor wird vor allem vom Speaker frenetisch gefeiert. Schnell entschieden ist auch der eigentliche «Final» zwischen den Profiteams. Leonardo Uka (6.) und Shkelqim Demhasaj (18.) bringen GC auf Kurs. Auf diesen Rückstand findet Winterthur keine Antwort. (zo)

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