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Weit mehr als nur ein Luftschloss

Vom FC Rüti zum nordmazedonischen Profiverein Pelister Bitola. Edis Smajovic hat einen bemerkenswerten Weg hinter sich.

In eine neue Welt eingetaucht: der Rütner Edis Smajovic im Stadion von Pelister Bitola, Fanatisch: Die Pitola-Fans unterstützen die Spieler im Training vor dem Derby gegen Vardar Skopje.

Foto: PD

Weit mehr als nur ein Luftschloss

Mit 21 Profi. Es ist das grosse Ziel von vielen jungen Fussballern – und doch bleibt es in den meisten Fällen ein Luftschloss. Für den Rütner Edis Smajovic ist dieser Kindheitstraum Realität geworden. Anfang Jahr wechselte er zum nordmazedonischen Erstligisten Pelister Bitola. 

Es ist ein ungewöhnlicher Schritt. Nur schon deshalb, weil Smajovic seine gesamte fussballerische Ausbildung beim FC Rüti durchläuft. «Ich wurde oft gefragt: ‹Weshalb versuchst du es nicht in einer U-Mannschaft?› Doch ich hatte gar nie den Traum, Profi zu werden», sagt Smajovic. Der Offensivspieler trifft zwar schon als knapp 17-Jähriger erstmals in der 2. Liga interregional für seinen Stammklub. Mehr als zu einem Abstecher zum grossen Nachbarn Rapperswil-Jona kommt es anschliessend aber nicht.

Schnell zu einer festen Grösse wächst er dafür auf der Schützenwiese heran – bis zu seinem letzten Einsatz im September gegen Bassersdorf. Smajovic steuert zum Abschied zwei Tore beim 5:1-Erfolg bei.

Zur Probe bei Fortuna Köln

Doch während sein FC Rüti kontinuierlich in eine Krise schlittert und schliesslich auch absteigt, zieht es den ausgebildeten ­Detailhandelsfachmann vorerst nach Köln. Ein in der Rheinstadt lebender Onkel schlägt ihm ein Probetraining beim Regionalliga-­Verein Fortuna Köln vor, wo er in der U23 vorspielen darf.

Aus dem erhofften Transfer wird aber doch nichts. Ein Mitgrund ist einmal mehr Corona. Denn die Saison endet für die Fortuna in der Mittelrheinliga mit dem ­Abbruch nach gerade mal vier Partien.

Für Smajovic öffnet sich allerdings eine neue Tür. Durch die Hilfe eines Beraters darf er ­Mitte Januar bei FK Pelister Bitola vorspielen. So ungewöhnlich es für Aussenstehende tönt – für ihn ist die Umgebung aufgrund seiner mazedonischen Wurzeln nicht fremd.

Regelmässig verbringt er seine Ferien in der Umgebung von Skopje. Und dennoch: Die meisten seiner Kollegen sind zunächst skeptisch. «Du überspringst dadurch gleich meh­rere Schritte», muss er sich immer wieder anhören. Und doch will Smajovic die Gelegenheit packen. Nach einem Probetraining bekommt er einen Vertrag bis zum Saisonende und wird dadurch ins kalte Wasser geworfen. «Bitola ist für mich ein Sprungbrett», sagt er.

Erstmals überhaupt in seinem Leben ist er mehrere tausend Kilometer vom Elternhaus entfernt auf sich allein gestellt. Smajovic lebt mit dem Grossteil der Mitspieler in einem Teamhotel. Vom Geld, das er als Fussballer verdient, kann er gut leben. «Ich bin in eine neue Welt getaucht», sagt er.

Rund 100 000 Einwohner zählt Bitola. Ihre stolzen Einwohner bezeichnen sie gerne als heimliche Hauptstadt. Smajovic ist als Erstes die lebhafte Fussgängerzone Shirok Sokak – beidseitig flankiert von zahlreichen Läden, Cafés und Restaurants – aufgefallen. Er vergleicht sie mit der Zürcher Bahnhofstrasse. «Sie ist das Markenzeichen der Stadt.»

Die fanatischen Fans

Eine Umstellung für den Oberländer ist vor allem der deutlich intensivere Trainingsalltag unter professonellen Bedingungen. Und die fanatische Begeisterung der Fans. Zwar fanden auch die Spiele der Prva Liga zuletzt unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Und doch sammelten sich regelmässig nach den Heimspielen mehrere hundert Fans vor dem Stadion und sangen lautstark. 

Pelister Bitola ist ein Klub mit langer Geschichte. Nur wenige Jahre nach seiner Gründung, 1927, wird er erstmals mazedonischer Meister. Weitere fünf Titel folgen bis 1982. Seither qualifizierte man sich zumindest noch einige Male als Pokalsieger für den Europacup. Die letzte Saison beendete Bitola als Aufsteiger gleich auf dem sechsten Rang.

Noch keine Rolle spielte dabei Edis Smajovic. Der Rütner stand zwar einige Male im Aufgebot – zu einem Einsatz reichte es ihm noch nicht. Er nimmt es unaufgeregt. «Ich habe innerhalb eines Jahrs einen Riesenschritt gemacht.» 

Wie es mit ihm nun weitergeht, ist noch ­offen – auch einen Verbleib in ­Bitola schliesst er nicht aus. «Ich mache mir keinen Druck», betont er. Wichtig ist ihm nur, dass er in einem zweiten Schritt auch zum Spielen kommt. Er fühlt sich dazu bereit.

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