Der Re-Start freut nicht alle Teams
Soll im Fussballverband der Region Zürich (FVRZ) die Meisterschaft überhaupt wieder aufgenommen werden? Diese Frage stellte tatsächlich Luciano Varricchio, Präsident des FC Horgen, am Pfingstmontag in einer E-Mail allen Präsidenten des FVRZ.
Es ist ein irritierender Zeitpunkt – unmittelbar vor den angekündigten Lockerungen, wovon auch der Amateurfussball profitiert. Denn ab Montag kann erstmals seit Monaten wieder unter normalen Umständen trainiert werden.
Doch weshalb überhaupt die Saison abbrechen? Da ist zuallererst von der viel zu kurzen Vorbereitungszeit und der dadurch erhöhten Verletzungsgefahr die Rede.
Laut Varricchio sollen sich auf seinen Aufruf innert weniger Stunden rund die Hälfte der angeschriebenen Personen gemeldet haben. Und wiederum über die Hälfte davon habe seine Meinung geteilt.
Zuspruch erhält der Präsident sicher auch aus der Region. Rütis Coach Shaip Krasniqi beispielsweise bekräftigt zwar, sich «mega aufs Spielen zu freuen». Er macht sich aber gleichzeitig Sorgen um die Gesundheit seiner Spieler nach der langen Wettkampfpause.
Erste Spiele am Donnerstag
Tatsächlich sind für Donnerstag einige wenige Nachholpartien in Cup und Meisterschaft angesetzt. Trainieren dürfen die Klubs allerdings bereits seit Anfang März unter bestimmten Restriktionen. Und das Gros der Klubs greift ohnehin erst am zweiten Juni-Wochenende (12./13.) in den Spielbetrieb ein.
«Wer nicht trainiert hat, ist selbst schuld.»
Andreas Häsler, Trainer FC Gossau
Für Gossaus Trainer Andreas Häsler ist die fehlende Fitness sowieso nur eine Ausrede. «Wer nicht trainiert hat, ist selbst schuld. Die Partien werden wohl nicht auf dem selben Niveau geführt. Doch am Ende geht es allen Teams gleich», ist er überzeugt.
Den Befürwortern eines Abbruchs ist vor allem aber die Wertung mit Auf- und Absteigern ein Dorn im Auge. Sie sei sportlich nicht fair, so ist der Tenor.
Diese Meinung teilt auch Wetzikons neuer Coach Roman Marostica. Das Ganze sei nicht durchdacht, findet er. «Der Verband will einfach die Meisterschaft durchboxen», ist er überzeugt. Marostica hätte sich insbesondere beim Terminplan mehr Flexibilität gewünscht. Der Schweizerische Fussballverband (SFV) definierte allerdings den 4. Juli als letztmögliches Datum.
Die Wertung selbst ist überhaupt nur möglich, weil der SFV im August 2020 aufgrund der unsicheren Corona-Situation die Regeln im Wettspielbetrieb auf datierte. In den verschiedenen Meisterschaften können so Auf- und Absteiger bestimmt werden, wenn in der Mehrheit der Ligen aller Kategorien mindestens die Hälfte der regulären Runden vollständig gespielt wurden.
Für mehr als das Beenden der Vorrunde reicht die verbleibende Zeit mittlerweile aber nicht mehr. Um die ganze Saison austragen zu können, hätte der Re-Start bis spätestens Mitte April erfolgen müssen. Und für das zweite mögliche Szenario, nach der Vorrunde die Gruppen in zwei Hälften zu teilen, wäre eine Wiederaufnahme bis Mitte Mai nötig geworden.
Es ist gerade für die im FVRZ-Cup vertretenen Zweitligisten auch so noch ein sportliches Programm. Würde aus dem regionalen Trio Gossau, Uster und Greifensee nämlich beispielsweise eine Mannschaft in den Final vorstossen, hätte es bis Anfang Juli nebst drei Meisterschaftspartien noch fünf Cup-Parten zu bewältigen.
«Natürlich hätten wir uns eine längere Saison gewünscht. Doch wir sind verdient da unten klassiert.»
Flakon Halimi, Trainer FC Effretikon
Für die Zweitligisten Effretikon und Wetzikon ist mit der Fortsetzung aber auch so quasi der Abstieg besiegelt. Zu gross ist der Rückstand, um in drei Partien den verlorenen Boden noch gutmachen zu können.
FCE-Trainer Flakon Halimi will hierbei aber nichts schönreden: «Natürlich hätten wir uns eine längere Saison erhofft. Doch wir sind verdient da unten klassiert», sagt er und lässt auch nicht unerwähnt, dass sein Team schon in der letzten abgebrochenen Saison zur Halbzeit auf einem Relegationsplatz klassiert war.
Sogar noch etwas schlechter ist die Situation für Wetzikon. «Dass wir keine Chance bekommen, um das Ruder noch herumzureissen ist frustrierend», sagt Marostica. Trainerkollege Häsler, der mit Gossau auf Platz 3 der Gruppe 2 steht, versteht die Enttäuschung. «Wäre ich in dieser Lage, hätte ich womöglich auch eine etwas andere Meinung.» Anderseits seien die Spielregeln allerdings auch längst klar gewesen.
Abstiegsgefährdete Klubs hadern
Auffällig ist sowieso, dass gerade die Vertreter der abstiegsgefährdeten Teams mit der Situation offen hadern. In der 2. Liga interregional dürfte sich eigentlich für den FC Rüti bei noch zwei ausstehenden Partien die körperliche Belastung im Rahmen halten. Die Oberländer stehen aber eben als Tabellenelfter der Gruppe 6 ebenso sogleich unter Zugzwang.
Und so wirkt auch der Horgner Präsident Varricchio mit seinem Handeln vor allem wie ein Opportunist. Denn sein Zweitliga-Team befindet sich ebenso in sportlicher Schieflage. «Sollte die Mehrheit der Vereine für einen Abbruch der Meisterschaft sein, werden wir vom Verband entsprechende Schritte fordern», schreibt er abschliessend in seiner Mail.
Nur: Entscheidungsbefugnis hat der FVRZ für einen Abbruch sowieso nicht. Diesen beschliesst der SFV, wobei er die Interessen der übergeordneten Abteilungen Erste Liga und Amateurliga berücksichtigen muss.
