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Der Mann für die wichtigen Szenen

Roberto Alves blickt mit dem FC Winterthur auf eine «komische Saison» zurück. In bleibender Erinnerung bleiben dem Gossauer Profi aber ein Cup-Triumph und die Siege über seinen alten Klub GC.

Beim 2:1 über Stade Lausanne-Ouchy erzielte Roberto Alves eines seiner fünf Saisontore für den FC Winterthur., Roberto und Tiago Alves (rechts) auf dem Gossauer Sportplatz im Riet., Roberto Alves' Bruder Tiago (r.) spielt seit vielen Jahren im Gossauer Zweitliga-Team., 2018 spielte Roberto Alves mit dem FCW im Cup gegen Greifensee (Severin Burkart).

Archivfoto: Robert Pfiffner

Der Mann für die wichtigen Szenen

Es ist schon elf Jahre her, seit Roberto Alves den FC Gossau verlassen hat. Und dennoch: Seinem Klub und seinem Dorf ist er – obwohl längst Profi – eng verbunden geblieben. Als Förderer nennt der 23-Jährige die FCG-Koryphäe Kurt Vogler, vor all seinen späteren Trainern. Und wenn sein älterer Bruder Tiago am Sonntagnachmittag ein Heimspiel mit der ersten Mannschaft bestreitet, ist er wann immer möglich auch an der Seitenlinie.

Bei seinem Besuch auf dem Gossauer Riet präsentiert sich das Wetter unberechenbar. Zuerst Sonnenschein und windig, dann kräftiger Regenschauer. Und diese Wetterkapriolen widerspiegeln auch etwa die Saison von Alves beim FC Winterthur.

Seit rund einem Monat fehlt er dem Challenge-League-Klub wegen einer im Training erlittenen Bänderverletzung im Knie. Doch die 1:2-Niederlage im letzten Spiel vom Donnerstag gegen Schaffhausen änderte sowieso nichts mehr am Gesamtbild. Der FCW ist als Tabellensechster erneut Mittelmass.

«Für mich war die Saison ganz okay», sagt Alves. 10 Skorerpunkte konnte sich der offen­sive Mittelfeldspieler gutschreiben. Den Grossteil davon in der ­ersten Meisterschaftshälfte. Im «Landboten» bekam er bei der Halbzeitbilanz für seine Auftritte die Note 4,5. Er sei der Mann für die wichtigen Szenen, aber auch nicht immer konstant.

Das denkwürdige Cup-Spiel

Der Oberländer mit portugiesischen Wurzeln spricht von einem komischen Jahr. «Es ist gegen uns gelaufen», findet er. Meh­rere Corona-Fälle, ein schlechter Rasen, weshalb der FCW sogar temporär nach Wil für seine Heimspiele ausweichen musste, und viele Verletzte. Alves will die Rückrunde nicht schönreden. «Sie war schlecht.» Und trotzdem gab es auch in diesem Frühling einige denkwürdige Momente.

Allen voran im Februar der denkwürdige 6:2-Triumph im Cup-Achtelfinal beim FC Basel. Die unterklassigen Winterthurer spielen sich phasenweise in einen Rausch und mit ihnen Alves. Die Nummer 10 trifft fulminant aus der Distanz zum 3:0 und bereitet zwei weitere Treffer vor. «Das ist mein Höhepunkt in der Karriere, den ich nie vergessen werde», sagt er. Der einst so grosse FCB wird regelrecht vorgeführt. Alves zieht sogar den Vergleich mit einem Testmatch und zum Tennis. «Nächste Saison spielen wir wohl den dritten Satz», sagt er und lacht. Zur Erinnerung: Noch im letzten Sommer war der Underdog – damals im Cup-Halbfinal – 1:6 im St.-Jakob-Park untergegangen.

Prägend bleiben Alves zudem die beiden erfolgreichen Direktvergleiche von diesem Jahr gegen die Grasshoppers. Wobei Alves beim Spiel im Letzigrund sogar noch kurz vor Schluss den Assist zum Siegtor beisteuert. Er dürfte ihm zumindest ein Stück weit Genugtuung geben.

Ohne Durchbruch bei GC

Bei GC durchläuft der ehemalige Gossau-Junior nämlich ab der U14 die gesamte Nachwuchsabteilung. Nur der grosse Durchbruch bei den Profis bleibt ihm verwehrt. Zweimal wird er zwecks Spielpraxis in die Challenge League ausgeliehen – nach Wil und Winterthur. Der Rekordmeister hat für ihn erst nach dem denkwürdigen Abstieg im Sommer 2019 Verwendung.

Tatsächlich ist Alves nach seiner Rückkehr in den ersten Partien sogar gesetzt. Sein Glück bleibt allerdings nur von kurzer Dauer. Er wird unter dem Brüttiseller Trainer Uli Forte schon bald zum Kurzarbeiter, sodass in ihm der Wunsch wächst, den Klub zu verlassen. Nur nicht mehr auf Leihbasis.

In Winterthur hat man gute Erinnerungen an ihn. Bei seinem ersten Engagement war «der ­feine Linksfuss» («Landbote») sogar zur eigentlichen Entdeckung geworden. Die Belohnung: ein Kontrakt über zweieinhalb Jahre. «Wir waren auch während meiner Zeit bei GC im Kontakt», sagt Alves. Er freut sich über das Vertrauen von Ralf Loose, seinem Coach beim FCW. «Er gibt mir viele Freiheiten.»

Exakt 100 Spiele auf Stufe Challenge League hat er mittlerweile bestritten. Sein Vertrag in Winterthur läuft noch über eine Saison. Und der ehemalige Junio­ren-Nationalspieler weiss, dass er mit bald 24 vor wegweisenden Zeiten steht. Noch mehr Tore sowie Assists und vor allem stabilere Leistungen auf dem Feld sind gefragt für einen möglichen Sprung in die Super League.

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