«Mission erfüllt» – der FC Russikon beendet seine lange Durststrecke
Nach neun Siegen in Serie am Ziel
Der FC Russikon kehrt nach über zehn Jahren wieder in die 3. Liga zurück. Der Aufstieg gelang auf souveräne Art und Weise – und zeichnete sich seit Längerem ab.
Eine Traumsaison: Die Weste ist noch immer weiss

Der Schlusspfiff gegen Bauma ist für die Russiker gleich auch der Startschuss zur Aufstiegsfeier. 4:1 schlägt der FC Russikon am Sonntag den Tabellenzweiten. Und sichert sich so eine Runde vor Schluss den Aufstieg in die 3. Liga. Schnell trägt jeder Spieler und Betreuer auf der Tüfiwis das Aufsteiger-T-Shirt. «Mission erfüllt» prangt auf der Vorderseite in gelben Grossbuchstaben, während auf der Rückseite steht: «Eis Team, Ei Einheit, Ei Familie.» Was laut Aufstiegstrainer Luca Steiner nicht nur hübsche Worte sind, sondern beim FCR gelebt wird. Er sagt: «Wir sind über Jahre hinweg immer plus/minus dieselben Spieler gewesen. Der Teamzusammenhalt ist gross, davon leben wir.»
Die Russiker haben sich ihre ausgelassene Siegesfeier mit souveränen Leistungen verdient. «Wir waren ready und abgeklärt», freut sich Steiner. Nach 19 Meisterschaftsspielen ist die Weste des FCR weiss. 16 Siege und drei Remis hat die Mannschaft auf dem Konto. Besonders beeindruckend ist die Rückrunde: Neun Siege reihten die Oberländer aneinander, was Trainer Steiner sagen lässt: «Wahnsinn, was die Jungs geleistet haben.» Die Stärken der Russiker? Temporeicher Fussball, konditionell top und ein so breites Kader, dass bei Wechseln kein Qualitätsverlust entstand. Kein Team der Gruppe 9 war defensiv und offensiv besser. Über vier Tore erzielte der FCR durchschnittlich. Oder wie Steiner sagt: «Bei uns gab es immer Spektakel.»
Die Zutaten: Verbundenheit und Leidenschaft

Der sportliche Aufschwung beim FC Russikon wurde 2022 eingeleitet, als Trainer Luca Steiner übernahm. Seit jenem Zeitpunkt prägt derselbe Staff um ihn den FCR. Der 32-Jährige kann dabei auf eine Mannschaft zählen, die nur wenige Wechsel verzeichnete. Sie wurde über die Jahre reifer, die Spieler rückten enger zusammen, das Team ist mittlerweile entsprechend eingespielt. Die Kontinuität im Kader und die Verbundenheit zum Verein zählen zu den Erfolgsbausteinen. Dazu zeichne das Team ein aussergewöhnlicher Willen aus, findet Steiner. So hat er im vereinseigenen Newsletter einmal geschrieben: «Das Team bringt so viel Leidenschaft und Ehrgeiz mit, da kann man sich als Trainer die Finger ablecken.»
Das junge Russiker Team, in dem einige erfahrene Spieler stehen, ist von innen heraus gewachsen. Für die Weiterentwicklung ebenso wichtig war laut Trainer Steiner der eine oder andere externe Zuzug. Beispielsweise jener von Defensivroutinier Chris Kessler, der von Zweitligist Phönix Seen kam. Oder von Dylan Albero vom FC Weisslingen, den Trainer Steiner in Russikon vom Mittelfeldspieler zum Stürmer umfunktionierte. «Er hat ein sehr gutes Spielverständnis, kann Bälle behaupten und verteilen und beidfüssig abschliessen», zählt Steiner Alberos Qualitäten auf. «Ich habe ihm prophezeit, er werde 15 bis 20 Tore erzielen», sagt Steiner und lacht. Schliesslich hat er recht behalten: 20-mal traf Albero und war damit der treffsicherste Spieler der Gruppe 9.
Bisherige Erfolge: Die 2. Liga war ein Ausreisser

Liftmannschaften steigen in unablässiger Folge auf und ab. Der FC Russikon gehört definitiv nicht dazu. Er spielte nach seinem Drittliga-Abstieg 2015 neun Saisons lang eine Stufe tiefer. Nicht mitgezählt sind die zwei abgebrochenen Meisterschaften in der Pandemie. Die Rückkehr in die 3. Liga deutete sich indes seit einigen Jahren an. Zuletzt verpassten die Russiker den Aufstieg zweimal in Folge als Zweitplatzierte nur knapp. In der Saison 2024/2025 verloren sie ein einziges Mal und stellten die beste Defensive. Dennoch setzte sich Mönchaltorf durch. Ein Jahr später tauschen die zwei Teams jetzt die Plätze.
«Endlich», sagt Trainer Luca Steiner zum Aufstieg. «Wir haben hart dafür gearbeitet.» Er blickt schon jetzt dem Beginn der nächsten Saison gespannt entgegen. «Wir sind heiss darauf.» Für den FC Russikon ist die 3. Liga keineswegs Alltag. Der 1969 gegründete Klub brauchte lange, bis er überhaupt erstmals auf dieser Stufe ankam. 1998 war es so weit. Die sportlich beste Phase erlebten die Russiker einige Zeit später. 2007 gelang ihnen mit gleich 15 Punkten Vorsprung souverän die Aufstiegspremiere in die 2. Liga. Zweimal schaffte der FCR daraufhin jeweils knapp den Klassenerhalt, 2010 endete die Zeit in der höchsten regionalen Spielklasse nach drei Saisons wieder. Der ZO/AvU schrieb damals nach der letzten Runde «von der wohl für längere Zeit letzten Zweitliga-Partie» der Russiker – und behielt damit recht.
