Wie Audi in Monaco eine grosse Chance wegwarf
Fünfter Nuller in Folge
Ernüchterung pur für den Hinwiler Rennstall im GP von Monaco: Audi fällt zwar auf – aber nicht so, wie man sich das vorgestellt hatte.
Kein anderes Rennen steht so sehr für Glanz und Glamour wie der GP von Monaco. Sehen und gesehen werden heisst es hier. Auffallen um jeden Preis wollte offensichtlich auch das Hinwiler Audi-Team. Der Rennstall präsentierte eine grosse neue Hospitality und zeigte eine Sonderbemalung am Auto mit gelber statt roter Farbe, mit der man Tazio Nuvolari ehrte, der vor dem Zweiten Weltkrieg als einer der besten Fahrer der Welt galt. Und bei der Gelegenheit präsentierte Audi auch gleich einen Supersportwagen.
Der deutsche Hersteller tat also nicht gerade wenig, um aufzufallen – doch sportlich blieb man einmal mehr auf der Strecke. Keine Punkte gab es für Nico Hülkenberg (13.) und Gabriel Bortoleto (11.). Zum fünften Mal in Serie gingen die Hinwiler leer aus und bleiben bei den zwei Punkten, die Bortoleto zum Saisonauftakt in Australien gewonnen hatte.
Nur dann gut, als es nicht zählte
Es ist ein ernüchterndes Resultat. Denn eigentlich wäre dieser GP prädestiniert gewesen für die Hinwiler, um endlich wieder positive sportliche Schlagzeilen zu schreiben. In Monaco ist der Motor weniger wichtig als das Chassis, und man geht bei Audi davon aus, dass man das viertbeste Chassis im Feld gebaut hat. Dass diese Annahme nicht aus der Luft gegriffen ist, zeigte das Team im Fürstentum am Mittelmeer zwar – aber eben nur dann, als es nicht zählte. In sämtlichen freien Trainings klassierten sich beide Autos zwischen den Rängen 7 und 10. Endlich wieder Punkte – wenn nicht jetzt, wann dann?
Doch einmal mehr schafften es die Hinwiler nicht, das unbestrittene Potenzial des Autos auch in Zählbares umzumünzen. Das so wichtige Qualifying – in den engen Strassenschluchten von Monaco ist Überholen schwierig wie nirgendwo sonst – missriet beiden Piloten. Hülkenberg stiess zwar souverän in den zweiten Teil vor, konnte sich aber nicht mehr verbessern und holte nur Startplatz 13 heraus. Das Team sprach danach von einem Schaden am Auto, ging aber nicht ins Detail. Bortoleto touchierte die Leitplanke und fuhr sich die Aufhängung kaputt, auch er stiess zwar in den zweiten Teil vor, konnte aber nicht mehr weiterfahren und ging von Rang 16 ins Rennen.
Und dieses Rennen lief nicht eben für Audi. Bortoleto blieb auf dem Weg in die Startaufstellung stehen mit einem technischen Problem und musste das Rennen aus der Boxengasse in Angriff nehmen. Hülkenberg war zwar erst gut unterwegs, steuerte früher als die Konkurrenz die Box an, fuhr die Lücke zum Feld wieder zu, und es sah zeitweise so aus, als hätte er Chancen auf Rang 8, sobald die Gegner ihre Stopps ebenfalls absolvierten. Doch dann blieb er im Verkehr stecken und wurde Opfer von unsäglichen teamtaktischen Spielchen der Konzkurrenz, namentlich von den beiden Williams-Piloten, die das Feld einbremsten, um sich gegenseitig Boxenstopps ohne Positionsverlust zu ermöglichen.
Hülkenberg zu ungestüm
Und dann, zehn Runden vor Schluss, kam plötzlich doch noch eine grosse Chance: Weil sich in der letzten Kurve Asphaltteile gelöst hatten, wurde das Rennen für über eine halbe Stunde unterbrochen. Beim Neustart griff Hülkenberg auf frischen Reifen an, zwängte sich in der Haarnadelkurve gleich an mehreren Autos vorbei, stiess auf Position 9 vor und fuhr auf diesem Rang auch durchs Ziel. Der Jubel über zwei Punkte währte nur kurz. Hülkenberg kassierte zehn Strafsekunden, weil er bei seinem Manöver den Williams von Carlos Sainz gerammt hatte.
Man kann also nicht sagen, Audi habe einen unauffälligen Auftritt hingelegt in Monaco. Doch die Hinwiler konnten im von Strafen geprägten Chaosrennen nicht einmal davon profitieren, dass nur 15 von 22 Autos ins Ziel kamen. Was für ein Mittelfeldteam dringelegen wäre, zeigten die beiden Racing-Bulls-Piloten Liam Lawson und Arvid Lindblad auf den Rängen 5 und 6. Sogar Fernando Alonso punktete im inferioren Aston Martin als Zehnter.
