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Glattaler Wassersportlerin

Wenn im Kajak die Fetzen fliegen

Die Dübendorferin Antje Rossbach gehört zu den grössten Nachwuchshoffnungen im Kanupolo. Die 18-Jährige spielt bereits auf internationaler Bühne – und verfolgt mit dem U21-Nationalteam ehrgeizige Ziele.

Antje Rossbach aus Dübendorf gilt als ballsichere Spielerin mit Übersicht.

Bild: Peter Hennig

Wenn im Kajak die Fetzen fliegen

Glattaler Wassersportlerin

Die Dübendorferin Antje Rossbach gehört zu den grössten Nachwuchshoffnungen im Kanupolo. Die 18-Jährige spielt bereits auf internationaler Bühne – und verfolgt mit dem U21-Nationalteam ehrgeizige Ziele.

«Das sieht alles so locker aus», sagt ein Passant am Zürcher Schanzengraben und meint damit Antje Rossbach. Von oben betrachtet wirkt das Geschehen im Training beinahe spielerisch: Kajaks kreuzen sich, Bälle fliegen durch die Luft, Paddel schlagen ins Wasser.

Mittendrin hat die 18-Jährige aus Dübendorf das Geschehen im Griff. Rossbach gehört zu den Leistungsträgerinnen von Kanupolo Zürich und der Schweizer U21-Auswahl. Mit dem Frauen-Nationalteam stand sie bereits an einer Weltmeisterschaft in China und einer EM in Frankreich im Einsatz.

Hinter der scheinbaren Leichtigkeit steckt viel Arbeit. Rossbach trainiert regelmässig viermal pro Woche auf dem Wasser, dazu bestreitet sie Athletikeinheiten. Es ist gerade diese Komplexität, die für sie Kanupolo ausmacht. «Athletik, Fitness, Technik, Taktik – alles ist drin», sagt sie. Dazu kommen die immer neuen Spielsituationen. Ausserdem fühlt sie sich als Teamsportlerin im Kanupolo wohl.

Viele Elemente werden vereint

Wie aber erklärt man eine Sportart, die viele noch nie gesehen haben? «Kanupolo ist eine Mischung aus Handball und Eishockey im Wasser. Geworfen, gepasst und auf Tore gezielt wird wie im Handball», sagt Rossbach. Ans Eishockey erinnert derweil die Dynamik und der Körperkontakt. Dazu kommt eine ausgeprägte taktische Komponente.

«Wasserball im Kajak», entgegnet derweil Bene Lagler knapp auf die Frage. Ihr Trainer bei Kanupolo Zürich und im U21-Nationalteam hat selbst jahrelang auf hohem Niveau gespielt und kennt die Sportart weit über die Schweizer Szene hinaus. Während Kanupolo hierzulande eine kleine Sportart bleibt, ist sie etwa in Deutschland deutlich breiter verankert. Dort sind laut Lagler rund 120 Vereine auf fünf Ligen verteilt am Spielbetrieb beteiligt.

Spielfeld: 35 x 23 Meter auf stehendem Gewässer.

Team: 5 Spieler pro Team auf dem Wasser, fliegende Wechsel sind jederzeit möglich.

Besonderheit: Der Torhüter ist «fliegend» – jeweils der Spieler, der dem über dem Wasser hängenden Tor am nächsten ist, verteidigt es und darf den Ball mit dem hochgehaltenen Paddel abwehren. Alle Feldspieler dürfen ebenfalls mit dem Paddel verteidigen. Ein Körperkontakt mit dem Torhüter ist im Angriff jedoch nicht erlaubt – dieser darf weder angefahren noch weggedrängt werden.

Dauer: 2 x 10 Minuten.

Doch unabhängig von der Grösse der Szene gilt: Auf dem Wasser geht es selten ruhig zu. Es ist ein ständiges Gewusel aus schnellen Umschaltmomenten und engen Duellen, in denen auf kleinstem Raum um Positionen gekämpft wird. Spielerinnen drücken sich weg, schirmen ab, bringen Gegnerinnen aus der Balance oder aus der Wurfposition.

Antje Rossbach aus Dübendorf spielt Kanupolo
Ein ständiges Gewusel: Antje Rossbach (am Ball) versucht, den nächsten Angriff einzuleiten.

Rossbach spielt dabei meist in der vordersten Linie. Dort setzt sie im Forechecking früh an und versucht, gegnerische Angriffe zu stören, bevor sie sich richtig entfalten können. Trainer Lagler lobt vor allem ihre Übersicht und ihre Ballsicherheit. «Antje liest das Spiel gut und übernimmt Verantwortung im Team.»

Auch abseits des Wassers fällt sie auf. Rossbach stellt Fragen, will taktisch verstehen, wie das Spiel funktioniert, und spricht Dinge direkt an. Für viele Mitspielerinnen ist sie damit eine zentrale Ansprechperson im Team.

Schon als Kind in einem Seekajak

Bereits als kleines Kind sass Rossbach in den Ferien mit ihren Eltern im Seekajak auf deutschen Gewässern. Später begann sie im LC Dübendorf mit Leichtathletik. Zum Kanupolo kam sie erst Jahre danach – über ein Schnuppertraining. Seit über sieben Jahren sitzt sie nun regelmässig im Boot.

Nach den bisherigen Einsätzen mit dem Nationalteam richtet sich der Blick bereits auf den nächsten Höhepunkt: Im September steht die U21-Weltmeisterschaft in Duisburg an. Dort will sie mit dem Schweizer Team einen Platz unter den besten acht erreichen. Langfristig träumt die Glattalerin von einer EM- oder WM-Medaille. Auch die World Games – dem wichtigsten Anlass für nichtolympische Sportarten – hat sie im Hinterkopf.

Bislang hat sich allerdings noch kein Schweizer Team für diesen Grossanlass qualifiziert. Die nächste Austragung findet im Sommer 2029 in Karlsruhe statt.

Beim Kanupolo Zürich hat sich im Frauenbereich in den vergangenen Jahren einiges getan. Rossbach spricht von einer «Megaentwicklung». Dies unterstreicht Trainer Lagler, der sich über den gewachsenen Kern an Spielerinnen und die Fortschritte im Team freut.

Eng getaktet ist auch Rossbachs Alltag neben dem Sport. Nach der Matura an der Kantonsschule Uster absolviert sie derzeit ein Praktikum im Zürcher Waidspital, anschliessend beginnt sie das Studium der Physiotherapie an der ZHAW. Leistungssport und berufliche Zukunft laufen bei ihr parallel.

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