Abo

Sport

Hüssenbüel als vorgesehene Heimat

Schon der Vereinsname weckt Erwartungen

Mit dem FC Oberland United dürfte ab der nächsten Saison in Hinwil ein neuer Verein in der 5. Liga antreten. Die Verantwortlichen verfolgen ambitionierte Ziele, doch es bleiben einige Fragen offen.

Der neue FC Oberland United plant ab diesem Sommer auf dem Sportplatz Hüssenbüel aufzulaufen.

Foto: PD

Schon der Vereinsname weckt Erwartungen

Hüssenbüel als vorgesehene Heimat

Mit dem FC Oberland United dürfte ab der nächsten Saison in Hinwil ein neuer Verein in der 5. Liga antreten. Die Verantwortlichen verfolgen ambitionierte Ziele, doch es bleiben einige Fragen offen.

Der Schweizerische Fussballverband (SFV) hat bereits grünes Licht gegeben: Ab der kommenden Saison dürfte mit dem FC Oberland United ein neuer Verein in die Meisterschaft einsteigen. Der Name klingt ambitioniert – und der Zürcher Amateurfussball kennt ähnliche Projekte bereits.

Besonders prominent trat einst der 2010 gegründete FC United Zürich auf. Zur Eröffnungsfeier wurden damals unter anderem alt Stadtpräsident Elmar Ledergerber, Ex-Radprofi Urs Freuler und die in Volketswil lebende frühere Eiskunstlauf-Welt- und Europameisterin Denise Biellmann aufgeboten. Sportlich formulierte der Klub seine Ziele offensiv und peilte den Meistertitel bis 2018 an. Tatsächlich schaffte es United Zürich zwischenzeitlich bis in die drittklassige Promotion League, ehe der sportliche Höhenflug endete.

Ganz so gross inszeniert sich der neue FC Oberland United nicht. Selbstbewusst treten die Verantwortlichen trotzdem auf: Der erste Aufstieg aus der 5. Liga soll möglichst rasch gelingen.

Wer steckt hinter dem Projekt?

Hinter dem FC Oberland United stehen vor allem ehemalige Spieler aus der Region. Präsident des neu gegründeten Vereins ist der in Hinwil wohnhafte Bajram Adrovic, der auch das erste Aktivteam trainieren wird. Der 24-Jährige durchlief einst die Juniorenabteilung des FC Rüti.

Die Idee zu «Oberland United» sei schnell entstanden, erklärt Adrovic. Der Klub solle für Gemeinschaft und einen Neuanfang stehen. «Wir wollten etwas Eigenes aufbauen und hatten keine Lust mehr auf festgefahrene Strukturen und Denkmuster.» Hinwil sei zudem das Drehkreuz des Zürcher Oberlands, sagt er. Angesprochen werden sollen insbesondere junge Spieler aus der Region, die zuletzt die Freude am Fussball verloren hätten.

Für seine Heimspiele will der FC Oberland United künftig den Sportplatz Hüssenbüel nutzen, der seit seiner Neueröffnung im Sommer 2023 zu den modernsten Anlagen der Region zählt. Eine entsprechende Bewilligung der Gemeinde Hinwil liegt vor.

Sportlich verfolgt der künftig in Blau-Weiss antretende Verein ambitionierte Ziele. Der Aufstieg aus der 5. Liga soll möglichst rasch gelingen. Gleichzeitig betont Adrovic aber auch das Verhältnis zum bestehenden Dorfverein: «Wir wollen keine Spieler abwerben.»

Das sagen der FC Hinwil und der Fussballverband

Bereits in rund drei Monaten beginnt die neue Saison. Zwischen den Verantwortlichen des FC Hinwil und des neu gegründeten FC Oberland United hat bislang allerdings noch kein Gespräch stattgefunden.

«Wir sind natürlich bereit für einen Austausch und hoffen, dass die Verantwortlichen ein Konzept haben, welches auf die Möglichkeiten auf dem Hüssenbüel abgestimmt ist», sagt FCH-Präsident Thomas Lang. Zur bisherigen Vorgehensweise meint er: «Dialog geht anders.»

Gleichzeitig verweist Lang auf die begrenzten Kapazitäten auf dem Sportplatz Hüssenbüel. Ein regulärer Trainings- und Spielbetrieb unter der Woche sei ab 18 Uhr kaum möglich, da bereits jetzt einzelne Mannschaften für Trainings auf andere Anlagen in der Umgebung ausweichen müssen. Einzig am Sonntag ab 18 Uhr seien Meisterschaftsspiele möglich. Daher sieht Lang zurzeit keine Möglichkeit, wie ein zusätzlicher Verein auf dem Hüssenbüel spielen soll.

Beim Fussballverband der Region Zürich (FVRZ) bestätigt man, dass Oberland United sämtliche Unterlagen fristgerecht und vollständig eingereicht habe. «Wenn alle Bedingungen erfüllt sind, nehmen wir grundsätzlich neue Vereine auf», heisst es auf Anfrage. Der Verband habe den Verantwortlichen allerdings empfohlen, sich mit einer zusätzlichen Mannschaft einem bestehenden Verein anzuschliessen, statt einen neuen Klub zu gründen.

Aufnahme im Verband ist mehr als eine Formalität

Die Aufnahme eines neuen Vereins ist an klare Vorgaben geknüpft. Wer am Meisterschaftsbetrieb teilnehmen will, muss sein Gesuch jeweils bis Ende des Vorjahrs einreichen. Vorausgesetzt werden ein vollständig organisierter Verein mit Statuten, dem Vorstand und einer Mitgliederliste. Erforderlich ist zudem ein Sportplatz-Nachweis.

Nötig ist ausserdem die Anmeldung eines Schiedsrichters für einen Grundkurs. Zudem fallen konkrete Kosten an: ein Kostenvorschuss von 3000 Franken an den FVRZ, dazu kommen weitere Gebühren und eine Kaution von mehreren tausend Franken beim SFV.

Erst wenn alle formellen, sportlichen und finanziellen Kriterien erfüllt sind, entscheidet der Verband über die Aufnahme.

So nachhaltig waren die Neugründungen der letzten Jahre

Immer wieder kam es in den letzten zwei Jahrzehnten zu Neugründungen in der Region – allerdings mit ganz unterschiedlichen Ansätzen und Hintergründen. Während der FC Maur (2003) als klassischer Dorfverein entstand, orientierten sich die in Wetzikon entstandenen FK Crvena Zvezda (2005) und U.S. Virtus Badolato (2012) stark an den Wurzeln ihrer jeweiligen Gemeinschaften. Der FC Rot Weiss Winikon (2011) wiederum ging aus einer Diplomarbeit von Studenten einer Marketingschule hervor. Hinter dem Napoli Club Zurigo Partenopea (2019) standen dagegen Anhänger des italienischen Traditionsvereins Napoli.

Einige dieser Projekte bestehen inzwischen nicht mehr. Aus dem ursprünglich von Spielern mit serbischen Wurzeln getragenen FK Crvena Zvezda entstand 2018 etwa das Ustermer Projekt «Footrebel Soccer», das seither insbesondere auf Nachwuchsarbeit setzt. Napoli Club Zurigo Partenopea tritt seit dieser Saison nicht mehr eigenständig auf und läuft neu als dritte Mannschaft des FC Rüti auf.

Einen Spezialfall bildet der 2007 gegründete FFC United Schwerzenbach. Damals löste sich die Frauenabteilung vom FC Schwerzenbach und machte sich selbständig. Nach einer zwischenzeitlichen Umbenennung in GC/Schwerzenbach folgte zwei Jahre später die vollständige Integration in den Grasshopper Club Zürich.

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.