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Judoclub Uster hat Grosses vor

Eine Arena, wie sie die Schweiz noch nicht kennt

In zwei Jahren soll auf dem Ustermer Buchholz-Areal die Swiss Judo Arena eröffnet werden. Was bedeutet der Bau? Und wie stemmt der Judoclub die Finanzierung?

So soll die Swiss Judo Arena aussehen.

Visualisierung: Nathanael Weiss

Eine Arena, wie sie die Schweiz noch nicht kennt

In zwei Jahren soll auf dem Ustermer Buchholz-Areal die Swiss Judo Arena eröffnet werden. Was bedeutet der Bau? Und wie stemmt der Judoclub die Finanzierung?

Auf dem Ustermer Buchholz-Areal trainiert der erfolgreichste Schwimmklub der Schweiz in einem Hallenbad, das zumindest bei seiner Eröffnung 2016 das grösste der Schweiz war. Mit dem «Griffig» beherbergt das Buchholz auch die grösste Indoor-Kletterhalle der Schweiz. Und im Herbst 2028 soll, wenn alles klappt, auf dem Areal die Swiss Judo Arena eröffnet werden, das grösste Judozentrum des Lands.

Vor rund einem Monat gab der Stadtrat grünes Licht und beschloss unter anderem, dem Judoclub Uster (JCU) das Land im Baurecht zur Verfügung zu stellen. «Die Stadt schenkt uns damit Zukunft», sagt Robert Wakiyama. Für den Präsidenten des Judoclubs war es ein wichtiger Moment. Vor zehn Jahren ging der JCU erstmals auf die Stadt zu mit dem Bedürfnis nach einem grösseren Dojo – und es ist nicht nur Wakiyama, der diese Vision verfolgt, sondern der Kern des Klubs in Form des erweiterten Vorstands.

Nun geht es also an die Realisierung – und gleichzeitig geht der JCU in die Kommunikationsoffensive. «Ein Gewinn für die Sportstadt Uster», das steht über dem Text, den Wakiyama an die Medien verschickt und auf die Klubwebsite gestellt hat. Und in den nächsten Wochen wird er probieren, die Judo-Schweiz mit derselben Begeisterung anzustecken, die in seinen Worten hörbar ist, wenn er über das Projekt spricht.

Die Dimensonen: Fast europaweit einzigartig

Die Zahlen sind imposant. 1100 Quadratmeter permanente Mattenfläche – das sind rund vier Tennisplätze – bietet der Neubau. Auf 400 Quadratmetern Fläche sind Fitness, Kraftraum und Sauna vorgesehen. Für eine Belegung von 1000 Personen wird die Arena zugelassen sein: Was im Buchholz geplant ist, wird nicht nur die grösste Judohalle in der Schweiz sein, sondern auch die zweitgrösste in Europa. Lediglich in Nordfrankreich steht seit einigen Jahren ein noch grösserer Bau.

Der Neubau auf dem Buchholz seinerseits wird doppelt so gross wie die derzeit grösste Judohalle in der Schweiz, die in Yverdon steht und das Nationale Leistungszentrum (NLZ) in der Westschweiz beherbergt.

Uster hingegen hat momentan den Status eines Regionalen Leistungszentrums. Das könnte sich mit der neuen Halle ändern. Der nationale Verband SJV schreibt die Leistungszentren jeweils für zwei Olympia-Zyklen aus. Nach den Spielen in Los Angeles 2028 werden die Karten neu gemischt, und der JCU wird sich selbstredend bewerben.

«Wir wollen uns für die Ausschreibung optimal positionieren», formuliert es Wakiyama. Wobei der SJV nicht aus dem Bewerbungsdossier erstmals etwas über das Projekt erfahren wird. «Der Verband ist involviert, seit die Planung läuft, und er ist sich bewusst, dass da etwas richtig Grosses entsteht», sagt Wakiyama. «Nur weil wir eine Halle bauen, werden wir aber nicht automatisch zum NLZ. Doch das Timing ist eine gute Chance für uns.»

Derzeit steht das NLZ Ostschweiz in Brugg. Seit 2009 hat der Ort, wo auch der Ustermer Weltmeister Nils Stump trainiert, den Status eines Nationalen Leistungszentrums, was damals mit dem Neubau eines Sportzentrums zusammenfiel. Die Mattenfläche in Uster wird dreimal so gross sein wie in Brugg.

Der Nutzen: Das bringt die Arena dem JCU

Ganz abgesehen von der überregionalen Komponente bringt die neue Arena den Ustermern Judokas viel. Der JC Uster gehört zu den grössten und erfolgreichsten Klubs des Lands – aber sichtbar ist der Verein in Uster selber nur bedingt.

Vor allem auch, weil sein bisheriges Dojo im Untergeschoss eines Hauses in einem Ustermer Wohnquartier beheimatet ist. Der Umzug aufs Buchholz bringt mehr Sichtbarkeit mit sich. «Da ist so viel los», sagt Wakiyama, «es herrscht ein ansteckender Sportvibe auf dem Areal, und wir freuen uns extrem, Teil davon zu werden.»

Der Neubau löst aber vor allem auch die Platzprobleme. Acht Trainingseinheiten können auf zwei Stockwerke verteilt parallel stattfinden, wobei der Platz natürlich nicht nur dem JCU vorbehalten ist. Der Boxclub Uster und die Kampfkunstschule Chin Woo Uster sind als Mieter für die Trainingsräume bereits bekannt, weitere dürften folgen, auch ausserhalb des Kampfsports. Wegen des Schwingbodens eignen sich die Räumlichkeiten auch für Turn- und Akrobatiksport.

Erleichterung bringt dem JCU vor allem die Tatsache, dass er künftig mehr Trainings zu attraktiven Zeiten durchführen kann. «Alle wollen nach 17 Uhr trainieren, auch Kinder», sagt Wakiyama. Und: «Bezüglich ehrenamtlicher Trainer gibt es ein Potenzial, das wir ausschöpfen können: Gerade junge Leute, die gerne Trainings geben würden, aber noch in der Ausbildung stecken, können erst abends.»

Und es soll nicht nur eine Halle für den Trainingsbetrieb werden: «Im Gegensatz zu vielen Sporthallen ist sie nicht nur funktional ausgerichtet. Die Halle hat Eventpotenzial», sagt Wakiyama. Er denkt neben Judo-Wettkämpfen auch an Tanzveranstaltungen, Theater, Konzerte. Denn die Halle trägt die Arena nicht nur im Namen, sondern ist auch so aufgebaut. «Man kann von vier Seiten auf die Innenfläche schauen, und auf der Empore ist ein Bistro geplant.»

Visualisierung Swiss Judo Arena
Der Innenraum, der nicht nur Trainings und Wettkämpfe, sondern auch Events beheimaten soll.

Das Geld: So stemmt der JCU die Finanzierung

Mit der Informationswelle, die Wakiyama nun ins Rollen bringen will, geht es dem Klub nicht nur um ideellen Zuspruch, sondern auch um die Finanzierung des Projekts. Oder besser gesagt: um den letzten Teil der Finanzierung, die der Klub zum grössten Teil selber aufbringt. Über 9 Millionen Franken kostet die Halle, gut 3 Millionen gilt es innert der nächsten beiden Jahre noch aufzutreiben. Es ist der Schlussspurt. «Wir müssen nicht von 0 auf 3 kommen, sondern von 6 auf 9», formuliert Wakiyama plakativ.

1,9 Millionen kommen von der Stadt Uster; sie kauft die im Erdgeschoss geplanten Garderoben für die Ustermer Fussballklubs im Stockwerkeigentum. 1,5 Millionen steuert der Kanton Zürich in Form von Sportfördergeldern bei. Dazu hat der JCU unter anderem schon Zusagen von zwei grossen Stiftungen, von privaten Geldgebern – und er investiert Eigenkapital. «Wir haben über die letzten 60 Jahre gut gewirtschaftet», sagt Wakiyama. Zudem ist der JCU im bisherigen Dojo nicht nur eingemietet, sondern er besitzt die Räumlichkeiten, die er nun verkaufen kann.

Wakiyama freut sich darüber, dass die Finanzierung jetzt schon breit abgestützt ist. Und er ist überzeugt, dass der Entscheid der Stadt nun eine gewisse Signalwirkung hat für weitere potenzielle Geldgeber. Dabei erhofft er sich nicht nur weiteren Zuspruch aus der Judoszene, wo bereits 15 Vereine aus der ganzen Schweiz ihre Unterstützung zugesichert haben.

Seine Zielgruppen sind beispielsweise auch Stiftungen, die Sport für Menschen mit Beeinträchtigungen unterstützen; schliesslich hat sich der JCU in diesem Bereich einen Namen gemacht, und die neue Halle ist laut Wakiyama auch speziell dafür ausgelegt. Und er erhofft sich nicht zuletzt auch Zuspruch von Privatpersonen aus der Region. Er nennt das Projekt ein «Paradebeispiel für Eigeninitiative» und sagt: «Vielleicht findet es der eine oder andere ja cool, wenn man sein Schicksal selbst in die Hand nimmt und so etwas auf die Beine stellt.»

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