Warum Wetzikon im Kunstturnen seit Jahrzehnten mitmischt
Traditionsanlass im Oberland
Die Kunstturnriege Wetzikon feiert ihr 50-jähriges Bestehen – und organisiert gleichzeitig die Zürcher Kunstturnertage. Ein Blick auf die Anfänge, die grössten Erfolge und die Hoffnungsträger von morgen.
Wie die Kunstturnertage ins Jubiläumsjahr kamen
Die 108. Zürcher Kunstturnertage finden an diesem Wochenende in der Sporthalle Zentrum in Wetzikon statt. Organisiert wird der Anlass vom Turnverein Wetzikon gemeinsam mit dem Zürcher Turnverband. Für die Wetziker Kunstturnriege ist die jüngste Austragung insofern besonders, da sie gleichzeitig ihr 50-jähriges Bestehen feiert.
Dass die Austragung genau ins Jubiläumsjahr fällt, war ursprünglich allerdings gar nicht geplant. Nachdem der Verein 2023 erstmals seit längerer Zeit wieder einen grösseren Kunstturnanlass organisiert hatte, erhielt die Riege viel positives Feedback. Gleichzeitig wurde die Suche nach Organisatoren für kantonale Wettkämpfe zunehmend schwieriger. Deshalb erklärte sich Wetzikon bereit, die Zürcher Kunstturnertage erneut durchzuführen.
Nun treffen sich über 300 Turner in der Sporthalle Zentrum in Wetzikon. Besonders im Fokus steht traditionell der P6-Wettkampf vom Samstagabend mit Athleten aus dem Schweizer U21-Nationalkader.
Bei der letzten Austragung in Wetzikon gewann 2023 Ian Raubal – der Fällander turnte sich später mit EM-Silber am Barren endgültig ins Rampenlicht.

Wie aus 76 «Jugi»-Knaben eine Kunstturnriege wurde
1972 nahmen gleich 76 Wetziker Turner an einem «Jugi»-Wettkampf teil – und weckten damit den Ehrgeiz, besonders talentierte Knaben gezielt im Kunstturnen zu fördern. Zunächst fanden zusätzliche Trainings innerhalb der Jugendriege statt, ehe das Kunstturnen ab 1976 offiziell als eigene Riege geführt wurde. Erster Hauptleiter war Max Heller, der den Posten 1977 übernahm. Schon bald zeigte sich an Wettkämpfen das Potenzial der Wetziker Turner. Einen weiteren Meilenstein setzte Anita Kälin 1991 mit der Gründung der Grundschule: Dort sammeln bis heute bereits Kindergartenkinder erste Erfahrungen am Gerät.
Wie sich das Training
professionalisierte
Trainiert wurde anfangs in der einstigen Einzelturnhalle Egg – dort, wo heute die Dreifachhalle Zentrum steht und nun die Zürcher Kunstturnertage stattfinden. Die Geräte seien schon damals alt gewesen, erinnert man sich in der Riege, «doch man machte das Beste daraus». Mit der Eröffnung der Turnhalle Widum 1985 verbesserten sich die Bedingungen deutlich.
Parallel entwickelte sich auch das Training weiter. Nach mehreren Trainerwechseln übernahm 1995 Gioi Graves die Hauptleitung und professionalisierte die Ausbildung. Heute besteht das Führungsteam aus erfahrenen Leitern und jungem Trainernachwuchs. Denn das Kunstturnen ist technisch immer anspruchsvoller geworden: Schwierige Elemente werden bereits von jungen Turnern erwartet – trotz begrenzten Trainingsmöglichkeiten in einer Schulturnhalle.





Die Turner, die Wetzikon national bekannt machten
Mit Marco Huber stellte die Kunstturnriege Wetzikon 1993 erstmals einen Turner im Nationalkader. Danach folgte eine eigentliche Erfolgsära mit Namen wie Roman und Andreas Schweizer, Felix Walker, Marco Scheidegger, Flavio Fanconi oder Dennis Mannhart.
Besonders die Brüder Roman und Andreas Schweizer prägten den Verein über Jahre. An Weltmeisterschaften vertraten sie mehrfach die Schweiz – 1999 stellten die Wetziker mit Roman und Andreas Schweizer sowie Walker fast die Hälfte des Schweizer Teams an der WM im chinesischen Tianjin. Insgesamt waren Turner aus Wetzikon an sechs Weltmeisterschaften vertreten.
Der grösste Einzelhöhepunkt folgte 2004: Andreas Schweizer nahm an den Olympischen Spielen in Athen teil, qualifizierte sich für den Mehrkampffinal und holte mit Rang 8 an den Ringen ein olympisches Diplom. Auch am prestigeträchtigen Swiss Cup Zürich standen Wetziker Turner mehrfach im Einsatz.
Die Erfolge sorgten weit über das Oberland hinaus für Bekanntheit. Viele blieben dem Verein später als Trainer, Leiter oder Unterstützer verbunden. Heute turnt bereits die nächste Generation der «Turnerfamilie» in Wetzikon. Besonders präsent ist Roman Schweizer als Kunstturnexperte des Schweizer Fernsehens SRF.
Die nächsten Hoffnungsträger stehen bereit
Auch 50 Jahre nach der Gründung setzt die Kunstturnriege Wetzikon konsequent auf den Nachwuchs. Zwar schaffte seit Dennis Mannhart – nach seinem Rücktritt aus dem Nationalkader 2008 – kein Wetziker Turner mehr den Sprung in die Schweizer Nationalmannschaft. Mit Kay Schlatter, der 2019 dem Juniorenkader angehörte, war die Riege diesem Ziel jedoch wieder nahe.
Die nächsten Hoffnungsträger stehen bereits bereit: Livio Rebsamen gehört derzeit dem U15-Nationalkader an, Jayden Abbühl dem U12-Kader. Zudem trainieren sechs weitere junge Wetziker Turner im regionalen Stützpunkt in Rümlang.