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Unerfüllte Erwartungen

Darum hat ihm dieser Winter zugesetzt

Kaum Erfolgserlebnisse, viel Frust: Gion Stalder hat schwierige Monate hinter sich. Der Walder Biathlet hat die Zuversicht dennoch nicht verloren. Und sieht Lösungsansätze.

Für den Walder Gion Stalder war die letzte Biathlon-Saison eine Enttäuschung.

Foto: Swiss-Ski

Darum hat ihm dieser Winter zugesetzt

Unerfüllte Erwartungen

Kaum Erfolgserlebnisse, viel Frust: Gion Stalder hat schwierige Monate hinter sich. Der Walder Biathlet hat die Zuversicht dennoch nicht verloren. Und sieht Lösungsansätze.

Nicht immer sagen Zahlen die ganze Wahrheit. Im Fall von Gion Stalder tun sie es. In der letzten Saison durfte der Walder kein einziges Rennen im Weltcup bestreiten, in dem er schon 2023 debütiert hatte. Stattdessen war er immer im IBU-Cup im Einsatz, wo er im Schnitt auf Rang 45 lief.

Stalders Bestresultat auf zweithöchster Stufe war der 26. Platz, nur ein zweites Mal schaffte er es nochmals in die Top 30. In der Gesamtwertung landete er auf Platz 91.

So richtig ins Fliegen ist der jüngere Bruder von Olympia-Starter Sebastian Stalder trotz einigen Erfolgen in der Vergangenheit und offensichtlich vorhandenem Potenzial nicht gekommen. Welche Bilanz zieht er nach diesem Winter? «Ich finde fast keine positiven Worte dafür», sagt er. Und gibt zu: «Ich bin froh, ist die Saison vorbei.»

Im Sommer wird Stalder 27. Er ist also kein ganz junger Biathlet mehr und hat mittlerweile reichlich internationale Erfahrungen gesammelt. Fast 80 Einzel-Rennen hat er im IBU-Cup absolviert, in dem die Spitze Weltcup-Niveau aufweist, die Startfelder gross sind und bisweilen über 100 Athleten umfassen.

Zweimal stiess Stalder in der zweithöchsten Rennserie in die Top Ten vor. Dazu stand er an acht Einzel-Wettkämpfen im Weltcup am Start. Im März vor einem Jahr bestritt er sein letztes Rennen in der wichtigsten Serie – und wurde in Oslo 90.

Er hätte Bäume ausreissen können

Ein Punkt verstärkt Stalders Enttäuschung über den jüngsten Winter: Einmal mehr deuteten alle Zeichen auf eine gute Saison hin. Der Biathlet machte im vergangenen Sommer Fortschritte und überzeugte danach in den Testrennen sowohl läuferisch als auch im Schiessstand.

«Ich hatte das Gefühl, Bäume ausreissen zu können», sagt er über sein Empfinden im Herbst, das hohe Erwartungen nach sich zog. «Darum bin ich jetzt umso mehr enttäuscht.»

Von den grossen Zielen musste Stalder in der Saison schnell einmal Abstand nehmen. Beispielsweise davon, zusammen mit seinem Bruder an den Winterspielen in Italien starten zu können. Was die schon belastende Situation zusätzlich erschwerte: «Ich bin jemand, der sich selbst viel Druck macht.»

Grundlegende Versäumnisse in der Arbeit sieht der B-Kader-Athlet keine. Er spricht von hohen Trainingsumfängen, die er absolvierte. Gleichzeitig hatte Stalder dennoch das Gefühl, dem Umzug ständig hinterherzurennen. Und vermisste in den Rennen bisweilen die nötige Frische.

Es waren mental schwierige Monate mit nur wenigen Lichtblicken. Stalder sagt darum auch: «Im Frust gibt es den einen oder anderen Moment, an dem man es leid ist, sich aus diesen Situationen zu kämpfen.»

Den Ansatz ändern

Den Bettel hinzuschmeissen, ist für den Oberländer dennoch keine Option. «Ich habe noch immer das Feuer für den Sport. Das ist bei Weitem nicht erloschen», macht er klar. Dabei weiss Stalder noch nicht einmal, ob er weiterhin dem B-Kader von Swiss-Ski angehören wird.

Machte ihn diese jährliche Ungewissheit im Frühling in jungen Jahren zu schaffen, nimmt er sie jetzt gelassen hin. Sie spielt in seinen Überlegungen nicht einmal mehr eine Rolle.

Stalder hat sich längst Gedanken gemacht, wie er auf den enttäuschenden Winter reagieren möchte. In den letzten Jahren fokussierte er darauf, überwiegend an Stärken zu arbeiten. «Nun muss ich vielleicht die Schwächen anpacken.»

Zugleich würde er gerne vom Ansatz der sehr hohen Trainingsumfänge abrücken, dafür die Qualität in den Einheiten erhöhen. Im Schiessen macht er sich derweil keine Sorgen, wieder bessere Werte zu erreichen als zuletzt. «Ich weiss, ich kann schiessen. Aber wenn es im Kopf hapert, ist es schwierig, aus dem Tief zu finden.»

Zwei Wochen macht Stalder jetzt Ferien. In diesen hat er Zeit, den Kopf zu lüften. Danach steht die Schlussphase seiner Ausbildung zum Fachspezialisten Zoll und Grenzsicherheit an. Hat er den Fachausweis dann im Sack, ist der Ausbildungsstress weg. «Dieser kostete sportlich allenfalls etwas», glaubt er.

Stalder packt die nächsten Monate mit Zuversicht an. Es sei an der Zeit, seine Geschichte neu zu schreiben, findet er und lacht, ehe er zum Abschluss sein Skript präsentiert. Gerne würde der Walder einmal auf eine enttäuschende Vorbereitung eine gute Saison folgen zu lassen. Die umgekehrte Reihenfolge kennt er ja.

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