Olympia lockt – aber sie steht vor einem Grundsatzentscheid
Sie wägt die Argumente ab
Milena Schnider bestreitet mit der EM in Spanien ihren nächsten Grossanlass. Im Sommer schliesst die Ustermer Badmintonspielerin ihr Studium ab – das eröffnet ihr auch sportlich neue Möglichkeiten.
Die EM in Huelva ist ihr erster Saisonhöhepunkt. Milena Schnider freut sich darauf, auf der europäischen Bühne anzutreten. Sie packt das Turnier in Spanien aber auch mit der Hoffnung an, sich für einen weiteren Grossanlass aufzudrängen – die WM im August.
Eine Runde in Huelva zu gewinnen, wäre dafür gut, findet die Ustermerin, «zwei natürlich besser». Zum dritten Mal in Serie hat sich Schnider für die kontinentalen Meisterschaften qualifiziert. Sie blieb an diesen bisher aber ohne Sieg.
Am Dienstag nimmt sie in der Startrunde gegen die Kroatin Jelena Buchberger den nächsten Anlauf, erstmals ein EM-Spiel zu gewinnen.
Schnider rechnet sich durchaus gute Chancen aus. Beispielsweise darum, weil die 24-Jährige davon überzeugt ist, gegenüber früheren EM-Starts mit mehr Selbstvertrauen anzutreten. Zudem kann sie von ihren Erfahrungen der letzten zwei Jahre profitieren.
Neben den EM-Teilnahmen feierte Schnider 2025 ihre WM-Premiere. Die Spiele an diesen Grossanlässen haben die Nummer 146 der Weltrangliste nicht nur reifen lassen. Sie haben Schnider vor allem motiviert, wie sie sagt: «Immer wenn man gegen jemand substanziell Besseres spielt, eröffnet das einem einen neuen Horizont. Man muss alles überdenken. Denn je länger man dabei ist, umso kleiner sind auch die Fortschritte.»
Pech und schwierige Auslosungen
Im September 2025 war Schnider mit Rang 114 in der Weltrangliste so gut platziert wie noch nie. Danach gings für die Nationalkader-Athletin allerdings wieder abwärts. Auch mit dem Start in dieses Jahr ist sie nicht glücklich. Den Gewinn von SM-Silber von Anfang Februar bezeichnet Schnider etwa als leichte Enttäuschung.
Gold holte sich mit Dounia Pelupessy jene Spielerin, die als einzige Schweizerin in der Weltrangliste ein paar Plätze vor Schnider liegt.
An internationalen Turnieren kämpfte die Ustermerin häufig mit schwierigen Auslosungen, wie sie sagt. Dazu kam Pech. Auf dem Weg an ein Turnier in Estland blieb sie wegen eines Schneesturms stecken, bei einem Anlass in Schweden erlitt sie eine Lebensmittelvergiftung.
Zuletzt sammelte Schnider indes positive Energie – dank guten Leistungen am Polish Open und in der Qualifikation zum World-Tour-Turnier in Basel.
Wie schätzt sie grundsätzlich ihre Fortschritte in den vergangenen zwei Jahren ein? «Man hofft ja immer, schneller vorwärtszukommen», gibt die Schweizer Vizemeisterin zu bedenken, ehe sie sagt: «Aber ich bin mit der Entwicklung zufrieden.»
Im Sommer schliesst sie ihr Maschinentechnik-Studium an der ZHAW in Winterthur mit dem Bachelor ab. Danach steht Schnider vor einer wegweisenden Entscheidung. Vollzieht sie den Berufseinstieg? Oder setzt sie nach der langen Zeit mit der Doppelbelastung erstmals voll auf die Karte Badminton?
Schnider weiss natürlich um die Vorteile, die eine Fokussierung aufs Badminton mit sich bringen würde. Sie könnte etwa viel mehr Zeit in die Regeneration investieren. «Die kam bisher immer zu kurz», ist sie sich bewusst. Schnider würde ebenfalls mehr Turniere bestreiten können – verstärkt ausserhalb von Europa –, was sich positiv aufs Ranking auswirken dürfte.
Als Profi könnte Schnider zudem den Trainingsumfang von aktuell 20 Stunden pro Woche erhöhen. Sechs Badminton-Einheiten absolviert sie, dazu zwei Physis-Trainings. Sie findet: «Für Spitzensport ist das eher am unteren Limit.»
Die Zeit drängt
Profi oder zweigleisiger Weg wie bis anhin – lässt sich bereits eine Tendenz ausmachen, wie sich Schnider entscheidet? Die Nummer 32 der europäischen Bestenliste lacht, ehe sie sagt: «Das kommt auf den Tag drauf an. Manchmal denke ich: Moll, das mache ich. Das nächste Mal bin ich wieder sehr viel vorsichtiger.»
Allzu lange wird sich Schnider mit der Entscheidung nicht mehr Zeit lassen. Das hat auch mit den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles zu tun. Die Qualifikationsphase dafür beginnt zwar erst im nächsten Frühjahr. «Es heisst aber, zwei Jahre vorher sollte man sich positionieren», sagt Schnider. Das wiederum bedeutet konkret: Bis zum Beginn der Qualifikation im Mai des nächsten Jahrs sollte sie in der Weltrangliste möglichst weit oben stehen, um gut dotierte Turniere bestreiten zu können.
«Es motiviert mich seit Jahren, das einmal zu probieren», sagt Schnider über Olympia. Wie realistisch ist aus ihrer Sicht die Teilnahme? «Vom Gefühl her ist sie möglich.»
38 Plätze fürs Olympia-Frauen-Einzel werden in der von Asiaten dominierten Sportart vergeben, wohl nur ein einziger Quotenplatz könnte an eine Schweizerin gehen. Die interne Konkurrenz dafür ist beträchtlich. Vom Alter und Niveau her kommen mit Schnider zusammen vier Athletinnen infrage. Drei davon würden in Los Angeles wie Schnider Neuland betreten. Jenjira Stadelmann feierte derweil ihre Olympia-Premiere bereits an den Sommerspielen 2024 in Paris.