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Daran muss Audi in der Pause arbeiten

Weil zwei Rennen abgesagt worden sind, geht es für das Hinwiler Audi-Team in der Formel 1 erst Anfang Mai weiter. Wir nutzen die Pause zu einer ersten Zwischenbilanz.

Daran muss Audi in der Pause arbeiten

Weil zwei Rennen abgesagt worden sind, geht es für das Hinwiler Audi-Team in der Formel 1 erst Anfang Mai weiter. Eine erste Zwischenbilanz.

Die Resultate: Drei Rennen, zwei Punkte

Der 9. Rang und die zwei WM-Punkte von Gabriel Bortoleto im Auftaktrennen in Melbourne waren das bisherige Highlight für das Hinwiler Audi-Team. Danach lautete das Fazit zweimal: knapp dran, aber nicht drin. Nico Hülkenberg wurde in China sowie zuletzt in Japan Elfter. 8,7 respektive 1,1 Sekunden fehlten dem Deutschen jeweils auf den letzten WM-Punkt. In der Konstrukteure-WM ist Audi damit auf dem 8. Rang im hinteren Mittelfeld anzutreffen. Aussagekraft hat das nach erst drei Rennen natürlich nur bedingt – allerdings ist der Rückstand auf Rang 7 mit 12 Zählern schon relativ gross.

Das Verdikt: Überall gibts Luft nach oben

Ist die Bilanz nach dem Saisonstart nun also gut oder schlecht? Gemessen an der Tatsache, dass sich das Team selber kein Rangziel gesetzt hat, sondern sich zuerst einmal etablieren will, sind die Resultate schon sehr vielversprechend – in allen drei Rennen lagen bisher WM-Punkte im Bereich des Möglichen. Das ist für ein neues Team mit einem neuen Motor ein Erfolg. Beobachter loben vor allem das Chassis, mit dem man offenbar auch intern ganz zufrieden ist. Jedenfalls sagte Ex-Teamchef Jonathan Wheatley vor zwei Wochen, man habe beim Motor noch am meisten Entwicklungspotenzial.

Der Motor, respektive die Technik, ist denn auch der Hauptgrund dafür, dass Audi punktemässig nicht noch besser dasteht. Schliesslich war sowohl in Australien als auch in China jeweils ein Auto wegen technischer Probleme gar nicht erst am Start. Und mit dem Startvorgang selber haben die Hinwiler noch gehörig Mühe. Das hängt auch mit den neuen und komplexer gewordenen Antriebssträngen zusammen, dem Zusammenspiel zwischen Verbrennermotor und Elektroantrieb und dem entsprechend nötigen Energiemanagement. Das Startprozedere hat sich dadurch ebenso verändert – und da hat Audi deutlich Luft nach oben. Bei sämtlichen Starts verloren die Hinwiler Piloten bisher Positionen, in Suzuka am Sonntag waren es bei Gabriel Bortoleto vier und bei Nico Hülkenberg sechs. Da bringen die schönsten Qualifying-Resultate wenig, wenn man bereits vor der ersten Kurve durchgereicht wird.

Und in China kam noch etwas anderes dazu: Ein Problem mit einem Schlagschrauber sorgte dafür, dass Hülkenbergs Boxenstopp 16 Sekunden länger dauerte als üblich. Ohne dieses Missgeschick hätte es ihm wohl mindestens zu Rang 9 gereicht.

Luft nach oben gibt es also überall – doch die Basis scheint ganz ordentlich. Nun muss das Team beweisen, was es sich vorgenommen hat: schnell zu lernen und eine kontinuierliche Entwicklungskurve hinzulegen. Die vier Wochen Pause wegen der abgesagten Rennen in Bahrain und Saudiarabien dürften da gerade recht kommen.

Die Teamchef-Frage: Kommt ein Neuer oder nicht?

Der Abgang von Teamchef Jonathan Wheatley vor zehn Tagen war am GP von Japan eines der Hauptthemen rund um den Hinwiler Rennstall. Und aus den Interviews lässt sich herauslesen: Es muss alles ziemlich schnell gegangen sein. Hülkenberg erfuhr vom Abgang sogar aus den Medien respektive via seine Mutter, die ihm einen Link zu einem Artikel schickte, als er gerade in Hinwil im Simulator sass.

Der Audi-Formel-1-Projektleiter Mattia Binotto ging in Suzuka etwas mehr ins Detail: «Es ging sehr schnell, es war ein plötzlicher Abgang.» Wheatley habe dem Verwaltungsrat mitgeteilt, dass er sich nicht längerfristig binden könne, «aus persönlichen Gründen, die wir nicht beurteilen oder kommentieren können. Wir haben dann entschieden, ihn von seinen Aufgaben zu entbinden.»

Unklar hingegen bleibt, wie die Nachfolge gestaltet wird. «Wenn wir uns seine Stärken und seine Aufgaben anschauen – wir müssen die Lücke füllen», sagte Binotto. Und er stellte klar, dass er die Aufgaben des Teamchefs nicht längerfristig übernehmen wird. «Mein Hauptfokus liegt bei der Basis, wo wir das Team, das Auto und den Motor weiterentwickeln. Ich brauche jemanden, der das Team an Rennwochenenden unterstützt.»

Das suggeriert, dass es keine Doppelspitze mehr gibt und Wheatley nicht eins zu eins ersetzt wird, denn er war nicht Binotto unterstellt, sondern Audi-Chef Gernot Döllner. Binotto jedenfalls stellte in Aussicht, dass «sehr bald» eine Ankündigung erfolgt.

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