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Alessio Miggiano und die schönen Zukunftsfragen

Der Bubiker Speed-Spezialist hat sich in seiner ersten Weltcup-Saison auf Anhieb unter den besten 30 der Welt etabliert. Die guten Resultate haben positive Folgen für ihn.

Alessio Miggiano und die schönen Zukunftsfragen

Der Bubiker Speed-Spezialist hat sich in seiner ersten Weltcup-Saison auf Anhieb unter den besten 30 der Welt etabliert. Die guten Resultate haben positive Folgen für ihn.

Die Weltcup-Saison ging für ihn mit einem Kopfschütteln zu Ende – und doch fällt sein Fazit durchwegs positiv aus. Als Alessio Miggiano am Samstag in Kvitfjell über die Ziellinie fuhr, war er unzufrieden mit seiner Fahrt. 18. wurde er damit in der letzten Weltcup-Abfahrt der Saison und verpasste die Punkteränge knapp, denn am Weltcup-Final gibt es nur bis Platz 15 Zähler.

Doch das ist für den 23-jährigen Bubiker zu verschmerzen. Denn allein schon die Teilnahme am Weltcup-Final, für den sich nur die besten 25 qualifizieren, beweist, dass er sich auf Anhieb unter den weltbesten Abfahrern etabliert hat. In Kvitfjell war er der Jüngste am Start, als 20. der Disziplinenwertung beendet er seine Debüt-Saison im Weltcup, die er dank seiner Europacup-Erfolge im letzten Winter mit einem Fixplatz bestreiten durfte.

Hätte ihm dieses Resultat jemand vor der Saison angeboten, «da hätte ich den Stift schnell hervorgenommen», sagt Miggiano. Und das, obwohl er findet, dass da und dort durchaus mehr dringelegen wäre, dass er manchmal gute Trainingsleistungen im Rennen nicht wieder abrufen konnte. «Doch mir war vor der Saison bewusst, dass es solche Tage geben würde. Die erste Weltcup-Saison ist da, um Fehler zu machen und daraus zu lernen.»

Der Blick zurück mit Stolz

Was er für Lehren aus der Saison zieht, wird er erst in einigen Wochen wissen: «Ich will es zuerst einmal sacken lassen und verarbeiten.» Ganz zu Ende ist die Saison für ihn auch nicht, es stehen noch die Schweizer Meisterschaften in St. Moritz an, gefolgt von einigen Trainingstagen am selben Ort. Da wird es darum gehen, Dinge bezüglich Materialabstimmung auszuprobieren, um bei frühlingshaften Verhältnissen besser zurechtzukommen. «Wenn es schmierig und sulzig wird, habe ich sicher noch am meisten Mühe», sagt Miggiano.

Doch wenn er zurückblickt, nimmt er auch das Wort «stolz» in den Mund. Darüber etwa, dass er auf allen Strecken konkurrenzfähig sein kann. «Ich habe das teils vielleicht nur in Trainings oder in einzelnen Abschnitten gezeigt, aber das stimmt mich zuversichtlich für die kommenden Jahre.» Und stolz ist er darauf, dass er sich selber geblieben ist. «Ich bin mir treu geblieben in der Art, wie ich die Dinge angehe und wie ich wahrgenommen werden will.»

Für mediale Aufmerksamkeit hat er schon früh in der Saison mit dem 5. Rang in Gröden gesorgt – es war jener Moment, in dem er sich selber bewies, dass er mit den Besten der Welt mithalten kann. «Das hat viel Vertrauen gegeben.» Wengen fühlte sich danach wie ein Sprung ins kalte Wasser an – am ersten Heimrennen stand er wegen seines Exploits zusätzlich im Rampenlicht. «Es kamen so viele neue Dinge auf mich zu. Ich war es nicht gewohnt, so viel Aufmerksamkeit zu geniessen, für Fotos zu posieren, mit so vielen Leuten Interaktionen zu haben.»

Das kostete ihn Energie – er sagt aber auch: «Dass ich mich trotzdem aufs Wesentliche konzentrieren konnte, macht mich stolz.» Und dass im Rennen dann nur der 40. Rang herausschaute, hat für ihn damit nichts zu tun, sondern eher mit mangelnder Routine. «Es hilft sicher, wenn man schon ein paarmal durch das Brüggli-S geschossen ist.»

Nun kommen die Anfragen

Angekommen in der Weltelite ist Miggiano. Das zeigt nicht nur das herausgefahrene Preisgeld von etwas über 20’000 Euro («damit habe ich nicht budgetiert»). Er spricht von positiven Resonanzen und sagt: «Es entwickelt sich in die Richtung, dass nicht mehr ich auf Leute und Firmen zugehe, sondern eher umgekehrt.»

Mehrere Anfragen von Sportmanagern, die ihn vertreten möchten, liegen ihm beispielsweise vor. «Da will ich mir nun überlegen: Brauche ich das? Oder möchte ich es weiterhin allein machen?»

Es sind schöne Zukunftsfragen, die sich ihm stellen.

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