Sein Team hat Zukunft – aber hat er noch einen Platz darin?
Der Laupner Kevin Kuhn verpasste an der Radquer-WM die Top Ten knapp und wurde Elfter. Das passt zu seiner Weltcup-Saison, mit der er nicht ganz zufrieden ist. Wie er seine Resultate wertet – und wie es mit ihm weitergeht.
Dass Kevin Kuhn kein Hauptdarsteller sein würde, war schon im Vorfeld der Radquer-WM im niederländischen Hulst klar. Die grosse Figur war Mathieu van der Poel, der sich mit seinem achten Titelgewinn zum Rekordweltmeister machte. Doch auch für Kuhn endete das Rennen mit einem guten Resultat. Elfter wurde der Laupner, womit er die Top Ten zwar um 9 Sekunden verpasste. Besser war er an einer Elite-WM aber erst einmal, vor vier Jahren als Neunter. «Ich kann mit diesem Resultat ganz zufrieden sein», sagt der Laupner.
Kuhn bewegte sich zu Beginn innerhalb der Top Ten, fiel dann aber nach einem Fehler in der zweiten Runde zurück und verlor den Anschluss etwas. Als es in der Schlussphase des Rennens zu regnen begann, kam ihm das entgegen. «Ich riskierte in den Abfahrten ziemlich viel, aber so konnte ich das Loch wieder zufahren.»
Er würde gerne bleiben
Was hat dieses Resultat für eine Bedeutung im Hinblick auf Kuhns Zukunft? Sein Vertrag beim Team Heizomat-Cube läuft nämlich nach dieser Saison aus. Der 27-Jährige würde gerne bei der deutschen Equipe bleiben, zu der er im letzten Sommer gestossen ist. «Ich bin zufrieden», sagt Kuhn, «es funktioniert sehr gut mit den Teamkollegen, und mit dem Support bin ich auch sehr happy.»
Und die Zukunft des Teams ist auch in trockenen Tüchern. Kürzlich wurde bekannt, dass die beiden Hauptsponsoren ihre Unterstützung für weitere drei Jahre zugesagt haben. «Das Team hat grosse Pläne», sagt Kuhn. Ob er selber aber Bestandteil davon ist, weiss er nicht. «Am Reden sind wir immer. Aber unterschrieben ist nichts», sagt Kuhn.
Selber hätte er gerne möglichst bald Klarheit. Wobei das auch für ganz viele andere Fahrer gilt. Die Situation ist verzwickt. «Es ist schwierig in unserem Sport», sagt Kuhn. «Es gibt zu wenige Teams und zu wenig Geld.»
Ein grosser Name kommt hinzu
Funktioniert ein Projekt so gut wie Heizomat-Cube, dürften potenzielle Neuzugänge Schlange stehen. Und ein Zeichen im Hinblick auf die nächste Saison hat die Equipe schon gesetzt mit der Verpflichtung des Niederländers Joris Nieuwenhuis, der im Weltcup auch schon zuoberst auf dem Podest stand, vor zwei Jahren WM-Silber holte und nun in Hulst WM-Vierter wurde. «Ein grosser Name und ein cooler Typ», findet Kuhn.
Und ein grösseres Kaliber als der Laupner und sein aktueller niederländischer Teamkollege Mees Hendrikx. Mit ihm versteht sich Kuhn gut, und er sieht sich ungefähr auf derselben Stufe. An der WM wurde Hendrikx direkt hinter Kuhn Zwölfter. In der Weltcup-Gesamtwertung war der Niederländer in dieser Saison als Achter aber deutlich weiter vorn klassiert. Kuhn schaffte es nur auf den 17. Rang.
«Es war nicht meine beste Saison», sagt er. Just auf die WM hin gelang ihm das beste Resultat mit einem 7. Rang im belgischen Maasmechelen am Samstag vor einer Woche – es war sein einziger Top-Ten-Rang im Weltcup. In der gut besetzten belgischen Superprestige-Serie hingegen fuhr er mehrfach weit nach vorn. Im Oktober in Ruddervoorde als Vierter etwa, da sprintete er um den Sieg mit. Oder in Heusden-Zolder, wo er lange mit dem späteren Sieger vorneweg fuhr und am Ende Sechster wurde.
«Ich fuhr einige wirklich gute Rennen», sagt Kuhn. «Es ist nur im Weltcup nie so richtig aufgegangen.» Pech hatte er zudem auch – zwei Weltcup-Rennen musste er aufgeben, eines nach einem Sturz, ein zweites krankheitshalber. «Das nervt, die Punkte fehlen mir natürlich», sagt Kuhn.
Die Reiserei als Knackpunkt
Kopfzerbrechen bereitet ihm das aber ebenso wenig wie der 17. Gesamtrang. Dass er das Zeug für mehr hätte, zeigte er schon – vor vier Jahren zum Beispiel mit dem 7. Schlussrang im Gesamtweltcup. «Das war eigentlich eine andere Zeit», sagt Kuhn, «seither ist das Level stark angestiegen. Es drängen viele junge und schnelle Fahrer nach vorne – das Feld ist sehr eng und ausgeglichen.»
Seine Gedanken drehen sich um die Frage, an welchen Stellschrauben er drehen kann, um sich in diesem Umfeld zu behaupten. Der Reisestress und das Energiemanagement spielen dabei eine grosse Rolle. Gerade im Dezember, wenn Hochsaison ist. Sieben Rennen bestritt Kuhn da in 16 Tagen. «Die Reiserei nimmt einem Energie. Ich bin halt schon gerne manchmal noch zu Hause.»
Kuhn glaubt, dass seine zuletzt guten Resultate auch damit zusammenhängen, dass er rund um das Weltcup-Rennen in Benidorm einige ruhigere Tage in Spanien verbrachte. «Es waren schon nicht gerade Ferien, aber ich konnte trotz Training etwas herunterfahren und war danach nicht mehr gestresst. Das war der Unterschied.» Mit seinem Energiemanagement will er sich fortan verstärkt beschäftigen: «Die Organisation der Zeit zwischen den Rennen, das ist ein grosser Punkt», sagt er.