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Querprofi wechselt das Team

Kuhn wagt den Neuanfang – und verlässt die Querhochburg Belgien

Lange war seine sportliche Zukunft offen. Jetzt ist klar, der Laupner Kevin Kuhn orientiert sich nach fünf Jahren bei einem belgischen Team neu.

Kevin Kuhn (hier am Radcross Illnau) weiss nach Monaten der Ungewissheit, wo er seine Karriere fortsetzt. (Archiv)

Foto: Christian Merz

Kuhn wagt den Neuanfang – und verlässt die Querhochburg Belgien

Lange war seine sportliche Zukunft offen. Jetzt ist klar, der Laupner Kevin Kuhn orientiert sich nach fünf Jahren bei einem belgischen Team um.

Im veloverrückten Belgien kennen den besten Schweizer Querfahrer mehr Leute als hierzulande. Fünf Jahre lang stand Kevin Kuhn beim selben belgischen Rennstall unter Vertrag. Schnell einmal verstand er Flämisch. Und verbrachte die Winter mehrheitlich in der Heimat des Radquers. Also da, wo das Herz der Sportart schlägt.

Jetzt aber bricht der Laupner seine Zelte in Belgien ab. Er schlägt sportlich ein neues Kapitel auf. Kuhn wechselt zum deutschen Rennstall Heizomat-Cube, wo er für die nächste Quersaison unterschrieben hat.

Der 27-Jährige wird vom neuen Team als zweite Speerspitze neben dem Holländer Mees Hendrikx bezeichnet. Wobei der Palmarès der zwei Fahrer zeigt: Der Neuzugang ist die Nummer 1.

Die letzte Saison beendete Kuhn im Gesamt-Weltcup auf Rang 12 zwei Plätze vor Hendrikx. Schon 22-mal fuhr er im Weltcup in die Top Ten. 2022 stand der Oberländer in Val di Sole als Dritter auf dem Podest.

Die Ungewissheit ist mühsam

Warum aber verlässt Kuhn seinen vom ehemaligen Querweltmeister Bart Wellens geführten langjährigen Arbeitgeber? Und wieso ploppt die Wechselmeldung erst jetzt, fast ein halbes Jahr nach Ende der Quersaison, auf?

Ersteres ist einfach zu beantworten. «Ich wollte wechseln», sagt Kuhn. Über die Gründe mag er nicht ins Detail gehen. Der U23-Vizeweltmeister von 2020 hält aber fest: «Ein paar Sachen haben diesen Winter nicht mehr funktioniert.»

Dass er weiterziehen würde, war demzufolge bald einmal klar. Allzu viele Optionen boten sich ihm in der überschaubaren Querszene indes nicht. Nur 25 Teams gab es letzte Saison.

Kuhn sagt, die Verhandlungen hätten früh begonnen. «Ich war dennoch lange im Ungewissen.» Der Querprofi gibt zu, dass ihn die offene Zukunft bisweilen beschäftigt hat.

«Zeitweise fand ich es mühsam. Nun konnten wir uns finden», sagt er nach der Vertragsunterschrift beim deutschen Team Heizomat-Cube, das sich selbst auch schon als die grösste Quermannschaft ausserhalb Belgiens bezeichnete.

Wie ist Kuhns Wechsel einzuordnen? Ist es ein sportlicher Rückschritt, nicht mehr für ein belgisches Team zu fahren? Der dreifache Schweizer Meister sieht das dezidiert anders. «Die Organisation ändert sich, das Sportliche aber nicht», hält er dagegen. «Ich fahre dieselben Rennen.» Das heisst, sein Fokus liegt weiterhin auf dem Weltcup. Auch in der belgischen Superprestige-Serie dürfte er erneut antreten.

Es ist auch nicht so, dass Kuhn mit dem Wechsel komplettes Neuland betritt und sich erst zurechtfinden muss. Der Laupner kennt die Verantwortlichen um Stefan Herrmann seit Jahren. Er muss sich nicht einmal beim Material umstellen.

Kuhn fuhr bereits Velos der Marke Cube. Der bayrische Velohersteller ist bei Kuhns neuem Arbeitgeber seit Langem dabei und jetzt zum Co-Sponsor aufgestiegen. Von einer soliden Grundlage spricht Kuhn in diesem Zusammenhang. Und sagt: «Es ist schön, das Material zu kennen. Ich war immer zufrieden damit.»

Derweil hat Heizomat-Cube im Frühjahr verlauten lassen, man wolle sich mit einer breiteren Aufstellung und einem langfristigen Konzept als feste Grösse im Quersport etablieren. Das Team ist rund 30 Fahrminuten von Nürnberg entfernt in Baiersdorf beheimatet. Sportlicher Leiter ist der Niederländer Nico Verhoeven.

Rennfrei glücklich

Die letzten vier Jahre hatte Kuhn im Sommer jeweils Strassenrennen bestritten. Ab 2023 war er bei der Nachwuchsequipe des World-Tour-Rennstalls Intermarché-Wanty unter Vertrag, zu dem auch seine letzte Quer-Equipe gehört. Kuhns einziges Strassenrennen 2025? Die SM Ende Juni. Weitere Strassenrennen kommen kaum mehr hinzu.

Auch der lange offenen sportlichen Zukunft ist der fast rennfreie Sommer geschuldet. Kuhn sieht darin einige Vorteile. Er genoss es, viel Zeit daheim zu verbringen und im Oberland zu trainieren. «Ich konnte endlich wieder einen Superaufbau machen. So kann ich physisch einen Schritt machen.»

Schon in wenigen Wochen beginnt Kuhn mit der konkreten Vorbereitung auf die Quersaison. Er freut sich auf die neue Herausforderung. Und ist sicher: «Das Team passt sehr gut zu mir.»

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