So starten die Oberländer in die Playoffs
Zweitligist Dürnten Vikings nimmt die entscheidende Meisterschaftsphase mit Titelgelüsten in Angriff, Lokalrivale Illnau-Effretikon will die Bilanz aufhübschen.
Dürnten Vikings: Jetzt soll Flugwetter sein
Ihr erstes Ziel können die Dürnten Vikings abhaken. Für die am Dienstag in einer Woche beginnenden Playoff-Viertelfinals hat sich der Oberländer Zweitligist das Heimrecht gesichert. Zum Abschluss der Qualifikation zeigte sich die Mannschaft von Trainer Mischa Rüegg von der 0:9-Kanterniederlage in Ascona erholt und bezwang daheim Bassersdorf 4:3 nach Penaltyschiessen. Die Dürntner können wie erhofft mit einem guten Gefühl in die entscheidende Meisterschaftsphase starten. In der Tabelle hatte der Erfolg keine Auswirkungen mehr. Die Wikinger beenden die Qualifikation auf Rang 4.
«Das passt», sagt Rüegg und ist zufrieden. Und verweist darauf, dass die Gruppe 2 so stark besetzt war wie wohl noch nie. Reine Punktelieferanten gab es keine. Kommt hinzu, dass die Vikings auf diese Saison einige erfahrene Spieler verloren. Das junge Team hatte denn auch «Ups and Downs» zu verzeichnen, wie Rüegg sagt. Ein Beispiel der fehlenden Konstanz für ihn: Mit einem Rumpfteam bezwangen die Dürnten Vikings auswärts den damaligen Leader Dielsdorf-Niederhasli, in Vollbesetzung rasselten sie dafür kurz darauf in Ascona fast in ein «Stängeli». «Dieses Resultat haben wir im Tessin gelassen», sagt Rüegg, der kein grosses Aufheben um die Kanterniederlage macht. Auch weil er findet, solche komplett verpatzten Spiele könne es geben.
Die Zwischenbilanz des Trainers nach der Qualifikation fällt positiv aus. «Das Team hat sehr gut gearbeitet», lobt er. Und blickt zuversichtlich Richtung Playoffs. Schon länger kennen die Dürntner ihren ersten Gegner: Es ist Zug. Die Zentralschweizer sind der Gegenentwurf der jungen Vikings: ein Team voller Routiniers. Zwei Siege sind fürs Weiterkommen nötig, die Best-of-3-Serie bietet keinen Spielraum für Ausrutscher. In diesem Zusammenhang von Druck reden mag Rüegg gleichwohl nicht. Und hofft darauf, dass sein Team befreit aufspielt. Seine Botschaft an die Spieler lautet: «Lasst euch treiben, fangt an zu fliegen.»
Die anvisierte Flughöhe der Vikings ist derweil ambitioniert. Ihr Anspruch ist es, besser als letzte Saison abzuschneiden. Damals stiessen die Oberländer in der Gruppe 1 in die Finalserie vor, die sie gegen Küsnacht 1:3 verloren. Die Küsnachter wiederum holten sich danach im Duell gegen den Sieger der Gruppe 2 den Titel als Regionalmeister Ostschweiz. Sie verzichteten aber auf den Aufstieg in die 1. Liga. Die Dürntner würden diesen Weg nach oben zwar gehen, versichert Rüegg. Der Trainer sagt aber auch, in der Vikings-Garderobe werde nicht über den Aufstieg gesprochen. Im Fokus steht laut Rüegg etwas anderes: «Wir wollen den ‹Chübel›.»
EHC Illnau-Effretikon: «Eine zähe Angelegenheit»
Sechster oder Siebter – schon vor der letzten Runde war für den EHC Illnau-Effretikon klar, dass er die Qualifikation deutlich schlechter abschliesst als in der Vorsaison (3.). Mit dem 7:3-Erfolg gegen den Tabellenletzten Chiasso kletterte die Mannschaft von Christian Anderegg immerhin noch auf Platz 6. Der kleine Schritt nach oben ändert an zwei Tatsachen nichts: Der EIE tritt in den Playoff-Viertelfinals als Underdog gegen Ascona an. Und seine eindrückliche Serie von Top-3-Rangierungen hat ein Ende gefunden. In den letzten zehn Saisons war der EIE ein Spitzenteam, das die Qualifikation stets unter den ersten drei beendete und auf einen möglichst langen Lauf in die Playoffs hoffen durfte. Nun ist der Oberländer Zweitligist in der Hierarchie der stark besetzten Gruppe 2 abgerutscht.
«Es war eine zähe Angelegenheit», sagt Trainer Anderegg über den Meisterschaftsverlauf und findet: «Das hat man auch innerhalb der Mannschaft gespürt.» Hätte der EIE drei Runden vor Schluss das Strichduell gegen Urdorf verloren, wäre gar der Playoff-Einzug in Gefahr gewesen. Er löste jene Aufgabe aber sicher, nur um, vom Druck befreit, dann an der nächsten wegen eines «Larifari-Starts» (Anderegg) wieder zu scheitern. Das passt ins Bild. Nur einmal in dieser Saison gewann der EHC Illnau-Effretikon zwei Spiele hintereinander. Wobei ihm dies auch nur dank einer Wahnsinnswende in Chiasso gelang, als er bis zur 55. Minute 0:3 hinten lag und doch noch siegte. Inkonstanz prägte die Saison, auch innerhalb der Partien. Anderegg sagt, man habe immer wieder Niederlagen kassiert nach guten Leistungen, «weil wir 10 oder 15 schwache Minuten einzogen.»
Die Schwankungen kommen nicht von ungefähr. Die Mannschaft verlor auf diese Saison hin an Substanz. Vor allem aber wurde sie von Verletzungen durchgeschüttelt. «Wir haben das nie gross thematisiert, weil man daran nichts ändern kann», sagt Anderegg dazu. Einen starken Einfluss hatten die vielen Ausfälle gleichwohl. Die Personaldecke war bisweilen dünn. Und dem Team fehlten erfahrene Akteure. Vor Beginn der entscheidenden Meisterschaftsphase ist das Kader weiterhin schmal. Dass die Playoffs erst in einer Woche am 3. Februar beginnen, spielt dem EIE in die Hände. Vielleicht wird bis dahin der eine oder andere angeschlagene Spieler fit.
Die Ausgangslage für die Best-of-3-Serie gegen Ascona, die der EIE auswärts beginnt, ist für Anderegg simpel: «Wir haben nichts zu verlieren und können die Bilanz nur aufbessern.» Er findet, das Format spiele eher dem Herausforderer in die Karten. Gelingt diesem im ersten Spiel die Überraschung, steht der Favorit bereits vor dem Aus – und damit unter hohem Druck. Einen solchen hat der EIE keinen. Dafür noch immer den Glauben, jeden Gegner besiegen zu können.