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Radquer Hittnau: Von dominanten Siegern und prominenten Startern

Am Sonntag findet das 42. internationale Radquer Hittnau statt. Das Rennen hat viele Geschichten geschrieben. Eine kleine Auswahl.

Der Kampf um die Positionen: Am Hinterrad des Schweizers Dario Lillo «klebte» im Vorjahr der Deutsche Sascha Weber. (Archiv)

Foto: Robert Pfiffner

Radquer Hittnau: Von dominanten Siegern und prominenten Startern

Am Sonntag findet das 42. internationale Radquer Hittnau statt. Das Rennen hat viele Geschichten geschrieben. Eine kleine Auswahl.

Der Rekordsieger: Beat Wabel bleibt wohl uneinholbar

Um seinen Rekord am Radquer Hittnau bibbern muss Seriensieger Beat Wabel nicht. Er dürfte kaum gebrochen werden. Dafür hat der WM-Dritte von 1995 das Rennen schlicht zu häufig gewonnen. Neunmal setzte sich der aus Wetzikon stammende, seit Langem in Hittnau lebende Fahrer durch. Das ist mehr als doppelt so häufig als die Nummer 2 Christian Heule, der fünf Erfolge feierte.

Wabels Dominanz am Schlosshügel lässt sich auch aus einer anderen Zahl herauslesen. Fünf Jahre lang, von 1995 bis 1999, war der heute 58-Jährige in Hittnau von niemandem zu bezwingen. 2001 durfte er sich übrigens gleich doppelt freuen, da der VC Hittnau damals neben dem traditionellen Quer auch die Schweizer Meisterschaften ausrichtete. Im Alter von 38 nahm Wabel 2005 zum letzten Mal am Elite-Rennen vor seiner Haustüre teil. Es ist das letzte Resultat, das von ihm in der Datenbank erscheint. In den vergangenen Jahren half der einstige Spitzenfahrer jeweils beim Streckenbau mit. Heuer fehlt er – Wabel ist am gleichentags stattfindenden Weltcup-Rennen auf Sizilien.

Die besondere Passage: Zwischen den Festbänken hindurch

Hittnau ist bekannt für seine spektakuläre Strecke. Sie gilt als schwer und technisch anspruchsvoll. Der Schlosshügel ist dabei das Herzstück. Nach einer langen Laufpassage folgt die steile und technisch schwierige Abfahrt. Wer an der richtigen Stelle steht, kann rund 90 Prozent der Strecke einsehen. Und somit genau verfolgen, wie sich die Fahrerinnen und Fahrer schlagen.

Bei garstigen Bedingungen werden auch die besten Fahrer am Schlosshügel bisweilen zu Passagieren. (Archiv)

In früheren Jahren konnten sich die Radsportbegeisterten in Hittnau sogar ins Festzelt setzen, ohne den Rennverlauf komplett zu verpassen. Der Clou? Die Strecke führte mitten durchs Zelt, was den «Zürcher Oberländer» im Rennbericht mit der Zunge schnalzen liess. Er schrieb: «Spektakel pur».

Die Hittnauer waren nicht die Einzigen, die eine solche Passage einbauten. 1995 gehörte an der WM in Eschenbach der Streckenteil durchs Festzelt zu den Höhepunkten. Ebenso am Radquer Uster 1996. «Ich finde es grossartig, dass der Parcours durchs Festzelt führt», freute sich der dreifache Weltmeister Mike Kluge.

Radquer Hittnau

Am 42. Radquer Hittnau vom Sonntag sucht man die klangvollen Namen vergebens. Die internationalen Topfahrerinnen und Fahrer sind gleichentags am Weltcup in Italien im Einsatz. Die nationale Spitze ist derweil dünn besetzt. Das Schweizer Aushängeschild, der Laupner Kevin Kuhn, startet weder am Weltcup noch vor seiner Haustüre. «Wir bedauern sehr, dass Kevin nicht fährt», sagt OK-Chef Thomas Frei. Stattdessen schiebt Kuhn einen Trainingsblock ein. Dasselbe macht der Vorjahressieger in Hittnau, der Westschweizer Loris Rouiller.


Das Rennen in Hittnau ist der Final im Swiss Cyclocross Cup. Der Gesamtsieger der fünfteiligen Serie steht mit dem Franzosen Théo Thomas fest. Der 23-Jährige startet gleichwohl in Hittnau, wo er im Vorjahr als Vierter knapp neben das Podest fuhr. Das Eliterennen der Männer ist um 15 Uhr der Abschluss der traditionellen Veranstaltung am Schlosshügel, die aus Wettkämpfen zahlreicher Kategorien besteht. Erwartet werden über 350 Startende.

Die seltene Triplette: Drei Rennen innerhalb weniger Monate

So etwas hat Seltenheitswert. 2021 organisierte der VC Hittnau gleich drei Querrennen innerhalb weniger Monate. Das ist auch für einen umtriebigen Verein viel. Und es dürfte eine Ausnahme bleiben. Die Hittnauer übernahmen damals in der Pandemie zusätzlich zur sowieso in Hittnau geplanten SM kurzfristig den Final der Crosstour. In diesem setzte sich am 2. Januar der Laupner Kevin Kuhn durch. Acht Tage später siegte Kuhn am Schlosshügel auf der nun gefrorenen Strecke an den Schweizer Meisterschaften erneut. Timon Rüegg (2.) und Lars Forster (3.) standen wiederum mit ihm auf dem Podest – einfach in umgekehrter Reihenfolge.

Radquer Hittnau
Die Hittnauer Strecke war Anfang 2021 fest in der Hand von Kevin Kuhn. Er gewann beide Rennen im Januar. (Archiv)

Im November war dann im Vorfeld schon klar, dass der Sieger nicht zum dritten Mal Kuhn heissen würde. Der beste Schweizer Querfahrer bestritt den gleichentags stattfindenden Weltcup in Koksijde (BEL). Mit Loris Rouiller jubelte nicht nur ein neuer Gewinner. Das Rennen gehörte auch bereits zur Saison 2021/2022.

Prominenz am Start: Ein van der Poel und viele Bikerinnen

Am Namen Van der Poel führt im Quer kein Weg vorbei. Unglaubliche siebenmal hintereinander gewann Mathieu van der Poel den WM-Titel. Im goldenen Buch, wie die Hittnauer Siegerliste heisst, findet sich der Name ebenfalls zweimal. Es ist allerdings David van der Poel, der ältere Bruder des niederländischen Radstars, der 2015 und 2018 im Oberland triumphierte. In der jüngeren Geschichte des Rennens finden sich interessante Namen unter den Startenden. Beispielsweise der deutsch-australische Rennfahrer Heinrich Haussler. Er war Etappensieger an der Tour de France, Vuelta und Tour de Suisse sowie Zweiter im Radsport-Monument Mailand–Sanremo. Das Radquer Hittnau 2021 beendete er auf Platz 4.

Radquer Hittnau
Mountainbikerin Jolanda Neff vor ihrem bisher einzigen Auftritt am Radquer Hittnau. (Archiv)

Zahlreiche Schweizer Spitzenmountainbikerinnen starteten ebenfalls schon am Oberländer Traditionsanlass. Etwa Alessandra Keller, die zweifache WM-Medaillengewinnerin von 2025. Oder Sina Frei. Die Olympia-Zweite und WM-Dritte bestritt das Hittnauer Rennen viermal, 2014 gewann sie sogar. Davon war Jolanda Neff bei ihrer einzigen Teilnahme 2016 weit entfernt. Die Olympiasiegerin 2020 verlor auf die damalige Gewinnerin Nicole Koller knapp zweieinhalb Minuten. Koller hat in ihrer Karriere zahlreiche Querrennen bestritten, die Paradedisziplin der Laupnerin ist indes Mountainbike. In der Weltrangliste liegt sie an 6. Stelle.

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