Bezirk Hinwil

Bezirk Pfäffikon

Bezirk Uster

Tösstal

Themen

Specials

Services

ZO Portale

Abo

Sport

Langjähriger FCW-Torhüter

Mit ihren Matchbesuchen schliesst sich ein Kreis

Patric Fehr stand in unzähligen Spielen für den FC Wald zwischen den Pfosten – auch beim letzten Aufstieg in die 2. Liga vor 26 Jahren.

Der Matchbesuch gehört dazu: Patric Fehr mit Sohn Nelio, der den Fokus ganz auf dem Spiel hat und nicht auf dem Fotografen.

Foto: Robert Pfiffner

Mit ihren Matchbesuchen schliesst sich ein Kreis

Patric Fehr stand in unzähligen Spielen für den FC Wald zwischen den Pfosten – auch beim letzten Aufstieg in die 2. Liga vor 26 Jahren.

Sonntagmorgen, Heimspiel des FC Wald, der seit dieser Saison wieder in der 2. Liga spielt. Am Match zu sein, das ist ein Muss für Patric Fehr. «Wir sind da, wenn immer es geht», sagt er. Und das schon ganz lange. «Wir», das sind er und sein fünfjähriger Sohn Nelio. Und damit schliesst sich ein Kreis, der durchaus zum Symbol für das Erfolgsgeheimnis des FC Wald taugt. Denn Nelio ist ein grosser Fan von Wald-Goalie Nils Weber.

Weber seinerseits beobachtete früher Patric Fehr ganz genau, als dieser Keeper des Walder Fanionteams war. Und für Patric Fehr selber wiederum war es ein Highlight, als er D-Junior war und den damaligen Goalie Daniel Diggelmann einschiessen durfte, weil kein Ersatzgoalie da war. «Es läuft mir jetzt noch kalt den Rücken hinunter, wenn ich das so erzähle», sagt er.

Patric Fehr – der Name dürfte manch einem Regionalfussball-Kenner ein Begriff sein. Lange gabs kein Vorbeikommen an ihm im Walder Tor. Seinen ersten Einsatz im «Eis» hatte er als B-Junior in einem Cup-Spiel am 14. August 1994, da war er noch keine 16 Jahre alt. Seinen letzten im Juni 2023 als 44-Jähriger.

Ist Patric Fehr der Rekordspieler des Walder Fanionteams? «Das kann sein. Ich weiss es aber nicht», sagt Fehr. Er ist sich aber sicher: «Ich bin bei weit über 300 Spielen.» Eine Zeit lang hat er fein säuberlich Buch geführt über jeden Einsatz. Inklusive Zeitungsschnipseln von Matchberichten und Spieltelegrammen – und inklusive Selbstkritik.

Da stehen Dinge wie «zu Beginn sehr gut mitgespielt», «weite Bälle abgelaufen», «zum Schluss noch mitgestürmt», aber auch: «zu viel gerufen, vor allem gegen den schwachen Schiri», «fühlte mich unsicher», «hauptschuldig am ersten Gegentreffer: Ball an Stürmer angeschossen, anschliessend im 16er am Ball vorbeigesegelt».

Einen ganzen Stapel A4-Schulhefte hat Fehr auf diese Weise gefüllt. Wie wichtig ihm die Unterlagen sind, wird klar, als er sie beim Gesprächstermin auspackt und behutsam auf den Tisch legt. Das Prunkstück behandelt er besonders sorgfältig: Ein dickes Fotoalbum der Saison 1998/1999. «Geh bitte sehr vorsichtig damit um», sagt Fehr, als er dem Journalisten das Buch reicht.

Mit den «Azzurri» wollte er es allen zeigen

Die vielen Farbfotos und fein säuberlich von Hand geschriebenen Texte erzählen davon, wie der FC Wald letztmals in die 2. Liga aufstieg. Mit Fehr als Torhüter gelang dieser Coup nicht dem Fanionteam, sondern der zweiten Mannschaft. Respektive der Equipe, die damals unter der Bezeichnung Wald 1b die Drittliga-Meisterschaft bestritt.

Ein Mann trägt ein Torhütertrikot
Patric Fehr im italienischen Goalie-Trikot der Azzurri Wald vor dem entscheidenden Spiel im Frühling 1999.

Das Besondere an diesem Team: Sie nannten sich «Azzurri» und spielten nicht im Walder Grün, sondern in den typischen blauen Dresses der italienischen Nationalmannschaft, der «Squadra Azzurra» eben.

«Das Team bestand vor allem aus Italienern und Kroaten, einem Spanier – und mir als einzigem Schweizer», erinnert sich Fehr. Was die Equipe vor allem auszeichnete: viel Leidenschaft und ein grosser Zusammenhalt. «Viele waren verwandt oder sehr eng befreundet. Und es hatte viele Typen darunter, die nicht verlieren konnten – im positiven Sinn. Sie gaben einfach alles für diese Mannschaft.»

Das erste Training war in der Woche vor dem ersten Match, und Patric Fehr verschlug es in diese Equipe, weil er aus dem Juniorenalter heraus war, man ihn allerdings nicht als gut genug fürs Fanionteam erachtete. «Man wollte vorne dabei sein und holte einen auswärtigen Torhüter.» Ganz untypisch für den FCW also – und Fehr schrieb in sein Album: «Ich machte es mir zur Aufgabe, allen Kritikern zu zeigen, dass sie bei mir einen Riesenfehler gemacht hatten, und da kamen diese Azzurri, eine grosse schöne Familie, gerade im richtigen Zeitpunkt.»

Geplant war der Aufstieg beileibe nicht – wenn, dann traute man ihn im FCW eher dem Fanionteam Wald 1a zu. Die «Azzurri» wollten einfach den Ligaerhalt schaffen. «Wir peilten 30 Punkte und einen Mittelfeldplatz an.» Doch es gab auch das Bewusstsein: Wenn der Start glückt und sich eine Euphorie entfacht, ist viel möglich. «Genau so kam es dann auch heraus», sagt Fehr.

Schon damals war ein Name prägend

Die «Azzurri» überwinterten als Leader, brachen auch in der Rückrunde nicht ein – und stiegen bereits in der drittletzten Runde auf.

Eine von Hand beschriebene und mit Zeitungsausschnitten versehene Seite aus einem Heft
Das 73. Spiel war wohl eines der prägendsten für Fehr – und er war offensichtlich mit seiner Leistung nicht unzufrieden.

Und schon damals war ein Familienname prägend: Juric. Gabriel Juric (sein Sohn Ivan ist derzeit Sportchef) war der Trainer, auf der Kaderliste standen auch Zdravko (der Vater des aktuellen Wald-Trainers Boris), Petar, Ilija und Zarko Juric.

Was danach passierte, hätte andernorts wohl für Stunk gesorgt. Dass es funktionierte, sagt viel über den FCW aus: Der Klub verzichtete auf auswärtige Verstärkungen, durchmischte aber die beiden Teams. Die Aufstiegsequipe wurde mit jungen Spielern vom eigentlichen Fanionteam angereichert. Im ersten Zweitliga-Jahr lief das Team tatsächlich noch im italienischen Nationaltrikot auf, doch faktisch gab es mit dem Aufstieg die «Azzurri» nicht mehr. Trainer blieb vorerst aber Gabriel Juric – und der eigentliche Fanionteam-Coach Markus Kuster musste sich mit der 2. Mannschaft zufriedengeben.

Drei Saisons hielt sich der FCW in der 2. Liga – dann folgte der Abstieg. Er kam nicht ganz überraschend, und er hatte auch damit zu tun, dass sich Wald eben treu blieb und auf die Rücktritte der älteren Garde nicht mit Aktionismus auf dem Transfermarkt reagierte, sondern Nachwuchsspielern eine Chance gab.

Der lehrreiche Rüti-Exkurs

Nach dem Fall zurück in die 3. Liga wichen die Walder ein wenig von diesem Prinzip ab. Der neue Trainer Marcel Krapf brachte aus Rüti Torhüter Marcel Klarer mit, was unter anderem dazu führte, dass Patric Fehr «seinen» FC Wald verliess. Bezeichnenderweise Richtung Rüti. «Klarer war damals der beste Goalie im Oberland. Und ich fragte mich: Will ich mir den Aufwand antun und dann doch kaum zum Einsatz kommen?»

Bei den soeben in die 2. Liga abgestiegenen Rütnern wurde Fehr sportlich nicht glücklich – die Saison endete mit dem Abstieg in die 3. Liga. «Es war ein lehrreiches Jahr für mich», sagt er. Menschlich habe es gepasst, «ich habe jetzt noch Kollegen aus der damaligen Zeit», doch das Team funktionierte nicht. «Wir hatten zu viele Individualisten.»

Die Rückkehr nach Wald war naheliegend. Und damit auch zum besonderen Geist, der in Wald offensichtlich herrscht. Er ist nicht nur spürbar, wenn man Fehr über die alten Zeiten schwelgen hört, sondern auch, wenn er über das aktuelle Team spricht. «Es ist eine Mannschaft, die über längere Zeit in der 2. Liga sein könnte – mit vielen jungen Spielern, die noch viel Potenzial haben.»

Bedenken hat Fehr keine. Schliesslich hat der FCW schon mehrfach bewiesen, dass es Wichtigeres gibt als die Ligazugehörigkeit. Und wer weiss: Vielleicht trägt dereinst Fehrs Sohn die Geschichte weiter – und erzählt, wie es damals war, als er mit seinem Vater jeweils am Sonntagmorgen an die Laupenstrasse pilgerte, um die Walder spielen zu sehen.


Unser neuer Newsletter «Oise Regionalsport»
Abonnieren Sie hier unseren Regionalsport-Newsletter – jeden Montag in Ihrem Postfach.

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.

Kontakt

Inserieren

Abo

Services

Über uns