Darum ist Dübendorf wieder im Schlamassel
Der FC Dübendorf ist in derselben ungemütlichen Situation wie vor einem Jahr. Das Schlusslicht verliert oft knapp, aber häufig – und es schiesst vor allem fast keine Tore.
«Dübendorf auf dem Gipfel der Harmlosigkeit» – so lautete der Titel genau vor einem Jahr nach der achten Niederlage im zehnten Spiel. Doch der FCD fing sich und erreichte als Elfter letztlich souverän den Ligaerhalt.
Nun droht ein Déjà-vu – mit noch schlechterer Zwischenbilanz. Die Glattaler zieren in der Interregio-Gruppe 3 mit vier Punkten das Ende der Tabelle. Der Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz beträgt bereits sechs Zähler.
Präsident Markus Herzog ist überzeugt von einer erneuten Trendwende. «Wenn wir jedes Mal sang- und klanglos untergehen würden, müsste ich mir Sorgen machen. Doch wir sind nicht weit weg.» Tatsächlich verlor Dübendorf vier der sieben Partien mit nur einem Tor Unterschied. Und genau deshalb stellen sich erneut viele Fragen.
Warum tritt der FCD wieder auf der Stelle?
«Wir haben die Schwachstellen erkannt. Es fehlten zu viele – einige waren auch zu wenig fit», sagte FCD-Präsident Herzog vor dem Start in die Saison. Diesmal soll es nicht an der Fitness liegen. Doch wenn zu viele Schlüsselspieler ausfallen, steht auch die Kaderqualität infrage.
Allen voran fehlt Delil Ferati – die offensive Lebensversicherung des FCD. 19 der 43 Treffer in der Vorsaison gingen auf sein Konto. Seit Anfang September jedoch fällt der Spielmacher mit einem Muskelfaserriss aus. Auch deshalb kam der FCD bisher nur auf acht Treffer – der schwächste Wert der Liga. Immerhin: Ferati arbeitet an seinem Comeback.
Auch defensiv ist eine Lücke aufgerissen: Innenverteidiger Sad Arcadi wird wohl erst im Frühling zurückkehren. Hinzu kommen kurzfristige Absagen und Ferienabwesenheiten mitten in der Saison – etwa von Offensivakteur Cadima Lusiola. Für Herzog ist klar: «Wir können es uns nicht leisten, wenn regelmässig bis zu vier wichtige Stammspieler fehlen.»
Ein weiteres Manko: die späten Gegentore. Allein dadurch setzte es Niederlagen gegen Binningen, Zürich City, Liestal und Red Star ab. Besonders bitter: Gegen Liestal verspielte Dübendorf eine 3:1-Führung und verlor noch 3:4.
Ist das Team Interregio-tauglich?
Die Voraussetzungen wären vorhanden – vor allem offensiv hatte Trainer Shaip Krasniqi nach den Sommertransfers die Qual der Wahl. Doch der Schein trügt. Der aus Brüttisellen zurückgekehrte João Miguel Pereira verabschiedete sich just zum Ende der Transferfrist bereits wieder – und heuerte bei Gruppengegner Zürich City an.
Andere wie Kristijan Klincov oder Dionis Ramaj blieben bislang den Nachweis schuldig, konstant zu treffen. Und auch Severin Burkart – laut Trainer «so quasi auch neu» – fehlt dauerverletzt. Wie schon in seiner ersten Saison.
Ist der Trainer noch der Richtige?
Für Präsident Herzog steht fest: Ein Trainerwechsel ist kein Thema – auch nicht mitten in der jüngsten Negativserie. «Ich sehe, wie Shaip jede Woche für den Verein arbeitet. Das ziehen wir durch», sagt er. Vielmehr nimmt Herzog die Mannschaft in die Pflicht: «Die Spieler müssen Gas geben. Und nicht die Schuld beim Trainer suchen.»
Was braucht es für eine Wende?
Wie im Vorjahr: eine Positivserie. Damals holte der FCD aus fünf Spielen zehn Punkte – und überwinterte sogar über dem Strich.
Auch diesen Herbst ist ein Comeback noch möglich. Nach dem Spiel vom Samstag gegen Bülach folgen allerdings die formstarken Dornach, Allschwil und Lachen/Altendorf – alle in der vorderen Tabellenhälfte platziert. «Jetzt heisst es, den Kopf hochhalten, weiter hart arbeiten», sagte Trainer Krasniqi nach der jüngsten Last-Minute-Niederlage.
Präsident Herzog sah in dieser Partie immerhin «eine deutliche Leistungssteigerung zur Vorwoche», als es beim Saisontiefpunkt in Pratteln eine herbe 1:4-Schlappe absetzte. Er hofft deshalb auf acht oder neun Punkte bis zur Pause – das würde zumindest den Anschluss ans hintere Tabellenmittelfeld sichern.
Zuversicht schöpft Herzog zudem aus der Vergangenheit: «Wir waren in der Rückrunde nach einem guten Trainingslager immer besser.» Und er will personell nochmals nachlegen – mit zwei oder drei Neuverpflichtungen im Winter.
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