Einer seiner Träume ging schon in Erfüllung
Christian Marques verliess als 16-Jähriger das Elternhaus in Dübendorf für eine grosse Karriere im Profifussball – und zog nach England. Seit dieser Saison spielt er nun in Portugal – wo er seine Wurzeln hat.
Einmal im Estádio da Luz auflaufen – für viele bleibt das ein Traum. Christian Marques aus Dübendorf erlebte ihn schon in seinem zweiten Meisterschaftsspiel mit CD Tondela. Über 61'000 Zuschauer, Flutlicht, Benfica Lissabon. Der Lieblingsklub seines Vaters – und längst auch seiner.
Noch vor Kurzem verfolgten die beiden die Spiele des portugiesischen Rekordmeisters gemeinsam vor dem Fernseher, hin und wieder sogar live vor Ort. Nun stand Marques selbst als Innenverteidiger auf dem Rasen. «Das war schon eine sehr schöne Erfahrung, in diesem Stadion aufzulaufen», sagt der 22-Jährige.
Zu holen gab es für Tondela bei der 0:3-Niederlage gegen das grosse Benfica allerdings erwartungsgemäss nichts. Marques’ neuer Klub hat eben erst zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte den Aufstieg in die Primeira Liga geschafft.
In Tondela ist alles etwas kleiner. Die zentralportugiesische Kreisstadt mit rund 26’000 Einwohnern liegt etwa eineinhalb Stunden von Porto entfernt. Bei den Spielen im eigenen Stadion kamen zuletzt im Schnitt 2200 Fans. Platz haben gerade mal 5000 Besucherinnen und Besucher.
Nahe seiner Heimatregion
Für Marques bedeutete der Wechsel zu Tondela aber nicht nur sportlich einen Neuanfang. Mit der Rückkehr in die Region lebt er erstmals seit seiner Kindheit wieder in der Nähe seiner familiären Wurzeln. Seine Eltern stammen aus Castro Daire – nur gut 20 Kilometer südlich von Tondela gelegen.
Sportlich war es für ihn ein harziger Start. Neben jener gegen Benfica gab es bereits drei weitere Niederlagen. Und auch die Freude über den ersten Punktgewinn gegen Estoril hielt sich in Grenzen. Tondela ging in der Nachspielzeit 2:1 in Führung und musste doch nochmals den Ausgleich hinnehmen. «Das war bitter», sagt Marques.
In der Super League etabliert
Ungeachtet der bisherigen Resultate: Für den Glattaler, der in seiner Jugend für Schweizer und portugiesische Nachwuchsauswahlen auflief, hat sich der Transfer bisher ausgezahlt. Marques erkämpfte sich schnell einen Platz in der Startaufstellung – und spielte seither in der Innenverteidigung jeweils durch. Gleichzeitig bekräftigt er: «Ich will bodenständig bleiben und hoffe, dass es so weitergeht.»
Den Weg nach Tondela fand Marques über den Yverdon Sport FC. Zu den Waadtländern war er 2023 nach deren Aufstieg in die Super League gewechselt. Schnell etablierte er sich schon dort als Stammkraft.
Der einzige Makel: Zwar erzielte Marques in seinem 55. und letzten Pflichtspiel für Yverdon sogar sein erstes Tor – der Abstieg konnte aber trotz einem Sieg nicht mehr verhindert werden.
Erste Schritte beim FC Dübendorf
Bevor er sich in Yverdon in der höchsten Schweizer Liga etablierte, hatte Christian Marques bereits einen Weg eingeschlagen, der alles andere als gewöhnlich war.
Aufgewachsen in Dübendorf, begann Marques im Alter von acht Jahren beim FCD mit dem Fussballspielen. Bereits als Jugendlicher verfolgte er einen ungewöhnlichen Weg und verliess mit 16 Jahren die elterliche Wohnung
«Es war für mich die beste Entscheidung, um aus der Komfortzone zu kommen», sagt er. Untergebracht war Marques bis 18 bei einer Gastfamilie, die ihm während seiner Zeit in Wolverhampton ein zweites Zuhause bot. Parallel dazu konnte er auch seine kaufmännische Ausbildung fortsetzen.
Der Wechsel war für ihn gewissermassen auch eine Flucht nach vorne: Bei den Grasshoppers war ihm zuvor der Sprung in die U18 verwehrt geblieben. Möglich wurde das Kapitel bei den Wolverhampton Wanderers – dem späteren Partnerklub von GC – nicht zuletzt durch die Unterstützung einzelner Entscheidungsträger bei den Zürchern.
Der «Blick» sieht ihn schon als Schweizer Star in England
Es war ein Schritt, der sich für Marques weitgehend auszahlte: In der U18 wie auch der U21 trug er sogar die Captain-Binde. Der «Blick» fragte deshalb schon 2020 in einem ersten Porträt über das Talent mit portugiesischen Wurzeln: «Wird er der nächste Schweizer Premier-League-Star?» Nein. Zwar trainierte er tatsächlich manchmal im Team von Nuno Espírito Santo – in einer offiziellen Partie kam er aber nie zum Einsatz.
Dafür wurde er während seiner Zeit in England zweimal jeweils für ein knappes halbes Jahr ausgeliehen – um sich im Erwachsenenfussball zu bewähren. Zuerst zu B Sad nach Portugal, wo er aber nur in der U23 auflaufen durfte. Es war für ihn die schwierigste Zeit als Fussballer. «Ich habe kein Vertrauen gespürt», sagt er.
Feuertaufe in der rauen League One
Später erlebte er dafür seine Feuertaufe in der rauen drittklassigen League One in England, wo er bei Forest Green zu 13 Einsätzen kam, ehe ihn eine Oberschenkelverletzung ausbremste. Marques kehrte nach Wolverhampton zurück – und bestritt nochmals einige Einsätze in der U21.
Es folgte für ihn die Gelegenheit zur Rückkehr in die Schweiz. Yverdons damals neuer Präsident Jeffrey Saunders war ihm bekannt, da dieser auch schon beruflich in Portugal tätig war. Marques packte die Chance und wurde in dieser Zeitspanne auch U21-Nationalspieler Portugals.
An der U21-EM-Endrunde in der Slowakei von diesem Juni war er im Kader, blieb aber ohne einen Einsatz. Doppelbürger Marques unterschrieb schliesslich in seiner Heimat bei CD Tondela einen Vierjahresvertrag. «Ich wollte einen nicht allzu grossen Schritt, um auf Spielminuten zu kommen», begründet er seinen Entscheid.
Den Traum von der Premier League hat der 1,88 Meter grosse Abwehrspieler noch längst nicht abgehakt. Marques weiss: Eben erst haben zwei Fussballer aus einem kleineren Verein der Primeira Liga den Sprung in die beste Liga Englands geschafft. Er sagt: «Ich will einfach gute Leistungen zeigen. Dann werden auch weitere Türen aufgehen.»
Unser neuer Newsletter «Oise Regionalsport»
Abonnieren Sie hier unseren Regionalsport-Newsletter – jeden Montag in Ihrem Postfach.
