Erst sieht der EHCD wie der sichere Verlierer aus – und punktet doch noch
Dübendorf erzwingt gegen Thun nach einem 0:3-Rückstand die Verlängerung, kann aber die erste Saisonniederlage nicht abwenden.
Der eine oder andere Zuschauer hatte sich wohl schon mit der Niederlage abgefunden. 1:3 lag der EHCD im Dübendorfer «Chreis» gegen Thun zurück, als 115 Sekunden vor der Schlusssirene ein Thuner auf die Strafbank musste. Trainer Reto Stirnimann tat das, was ein Trainer in einer solchen Situation eben tut: Er nahm sein Timeout und beliess danach EHCD-Torhüter Joel Messerli auf der Bank. Aus zuvor vier Überzahlsituationen hatte der EHCD in dieser Partie lediglich einen Treffer erzielt – würde er wenigstens seine Statistik noch aufbessern?
Das tat er – und nicht nur das: Captain Dominik Hardmeier schoss den Anschlusstreffer, Dübendorf drückte auf den Ausgleich, die Thuner leisteten sich nochmals eine Strafe – und Fabian Ganz erzwang mit dem 3:3 die Verlängerung. Innert nicht einmal zwei Minuten von der vermeintlich sicheren Niederlage, für die man auch die Ineffizienz im Powerplay als Grund hätte anführen können, zum Punktgewinn also.
Beim einen Punkt blieb es, weil die Thuner in der Overtime eine Dübendorfer Strafe zum Siegtreffer nutzten. Immerhin war es aber wieder einmal ein Punkt für Dübendorf gegen die Berner Oberländer, gegen die der EHCD nun schon seit vier Jahren auf einen Sieg wartet.
Nicht eben der Lieblingsgegner
Die Thuner sind also nicht gerade der Lieblingsgegner des EHCD. Sie waren in der letzten Qualifikation zwar nur einen Rang vor dem EHCD klassiert, hatten aber 16 Punkte mehr geholt und ihrerseits nur fünf Zähler Rückstand auf die Spitze. Und es dürfte gestern den Dübendorfern nicht in die Karten gespielt haben, dass sie im Vergleich zum Startsieg gegen Langenthal am Samstag einige Umstellungen vornehmen mussten. Mit Sebastian Steiner, Jari Allevi, Noa Mazzaro und Mitja Kallen fehlten gleich vier Flügelstürmer. Ihre Plätze nahmen mir Ari Birchler und Nico Brüschweiler zwei Verteidiger ein – und mit Levi Feurer und Lauro Peter zwei U21-Elit-Spieler der Lions.
Die Partie begann zwar nicht mit einem Paukenschlag in Form eines Tores, doch schon in der ersten Minute waren beide Torhüter je einmal im Brennpunkt des Geschehens. Vornehmlich mit Offensivszenen ging es danach weiter – vor allem die Thuner waren augenscheinlich mit offenem Visier unterwegs, um auf die gegen Huttwil kassierte Startniederlage zu reagieren. Sie wirkten in der Startphase präsenter und gefährlicher, und als sie nach knapp sieben Minuten im Powerplay in Führung gegangen waren, gab ihnen das nur noch mehr Auftrieb.
Auch die Dübendorfer erspielten sich Chancen – wie etwa Nico Kammermann, der nach etwas mehr als einer Viertelstunde eine Kombination mit einem Schuss in die Fanghand des Thuner Torhüters abschloss. Doch in der Defensive hatte der EHCD phasenweise Mühe, den Puck zügig aus dem Slot zu bugsieren. Dass das 0:2 90 Sekunden vor der ersten Pause fiel, weil ein Thuner nach einem Abpraller als erster zur Stelle war, passte in dieses Bild.
Die Chancen waren schon früher da
Auch im zweiten Abschnitt hatte das Team von Trainer Reto Stirnimann durchaus seine Chancen; in der 25. Minute kamen beispielsweise kurz hintereinander Lars Spillmann und Captain Dominik Hardmeier in aussichtsreicher Position zum Abschluss. Mit einem Wechselfehler nahm sich der EHCD dieses Momentum aber selber wieder. Die Strafe überstand er diesmal zwar unbeschadet, und doch hiess es nach gut 30 Minuten 0:3. EHCD-Keeper Joel Messerli wurde unglücklich zwischen den Schonern erwischt.
Das erste Dübendorf Powerplay wenig später war dann zwar ansehnlich, doch zu wenig zwingend. Auch die zweite Überzahlsituation zu Beginn des Schlussabschnitts liessen die Dübendorfer ungenutzt. Beim dritten Versuch klappte es dann aber: Lukas Schläppi verkürzte in der 43. Minute auf 1:3 – und die Thuner taten dem EHCD den Gefallen, wenig später gleich nochmals eine Strafe zu fassen.
Hätten die Gastgeber da nachlegen können, wäre die Spannung nicht erst in den Schlussminuten zurückgekehrt. Doch Powerplay-Effizienz schien bis dahin keine Dübendorfer Spezialität zu sein. Thun hatte zu diesem Zeitpunkt eine von zwei Gelegenheiten genutzt, Dübendorf eine von vier. Bis zum Schluss steigerte der EHCD seine Powerplay-Effizienz immerhin noch auf 50 Prozent. Die Thuner aber schlossen (dank dem Siegtreffer in Überzahl) auch in dieser Statistik mit 66 Prozent besser ab.
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