«Bei einem anderen wäre Feierabend gewesen»
Einen Monat nach seinem heftigen Sturz weiss Töffpilot Randy Krummenacher aus dem Grüt, wie viel Glück er hatte. Aber wann kann er wieder Rennen fahren?
Das Video hat er gesehen, aber nicht gespeichert. Und die Daten hat er unterdessen auch. Randy Krummenacher weiss: Der Sturz, den er vor etwas mehr als einem Monat im Training zum Langstrecken-WM-Rennen im belgischen Spa-Francorchamps erlitten hat, war heftiger als alles andere, was er bisher erlebt hat. Mit 140 Stundenkilometern flog der 35-Jährige aus dem Grüt auf der nassen Strecke ab. Krummenacher wurde in die Luft katapultiert. Er prallte «brutal heftig auf die Mitte des Rückens» und im Verlauf des Sturzes zwei weitere Male ziemlich stark auf. 137 Meter weit flog er. Bis zu 16 g wirkten dabei auf seinen Körper, das 16-Fache seines Körpergewichts also.
«Der Sturz hat alles gesprengt, was ich bisher erlebt habe», sagt Krummenacher nun. Und: «Ich hatte Riesendusel. Bei einem anderen wäre Feierabend gewesen.»
Anfänglich war ihm das gar nicht so bewusst. Auf dem CT-Bild war ein Riss in einem Rückenwirbel zu sehen – ein Bruch also, aber kein schwerwiegender. Krummenacher gab sich zuversichtlich, stellte ein Daumen-hoch-Foto aus dem Spital auf Instagram und schrieb dazu, er habe keine ernsthaften Beschwerden. Und er wolle so schnell wie möglich zurückkehren.
Das dauert nun aber doch etwas länger. Das nächste Rennen der Langstrecken-WM ist in weniger als vier Wochen in Suzuka. Das ist wohl zu früh, auch wenn Krummenacher die Hoffnung noch nicht aufgeben will.
Plötzlich wird ihm schwindlig
Der Grund: Unterdessen sind Beschwerden aufgetreten, die zu Beginn noch nicht da waren. «Es ist alles sehr komisch. Ich habe immer wieder andere Schmerzen, mal kribbelt es an Füssen und Händen, mal habe ich starke Bauchschmerzen. Das grösste Problem ist aber: Manchmal wird es mir von einer Sekunde auf die andere schwindlig.» An Töfffahren ist so also nicht zu denken, geschweige denn im Rennmodus.
Woher diese Beschwerden genau kommen, wusste Krummenacher lange nicht – und das machte ihm mehr Sorgen als die Schmerzen und der Schwindel an sich. Nach einem MRI hat er nun seit wenigen Tagen Klarheit: Der Wirbel ist nicht der Hauptverantwortliche dafür, sondern sein entzündetes und geschwollenes Rückenmark. «Ich bin froh, die Ursache nun zu kennen», sagt Krummenacher. Mit entzündungshemmenden Spritzen will er der Sache Herr werden. Bleibende Schäden sollte er nicht davontragen.
Aber seine Geduld wird weiterhin strapaziert – und wohl auch die Nerven seiner Frau Serena. «Sie muss mich bremsen», sagt Krummenacher lachend.
Die Gespräche sind auf Eis
Doch so locker, wie das klingt, nimmt er die Situation nicht. «Es ist der dümmste Zeitpunkt überhaupt für so etwas», sagt er. Krummenacher steckt in Verhandlungen für die nächste Saison – und steht laut eigener Aussage bei einem Werksteam zuoberst auf der Liste. Ein lange verfolgtes Ziel könnte also Realität werden, das ihm auch finanzielle Sicherheit geben könnte. Aber: «Die Gespräche sind nun unterbrochen. Denn die wollen natürlich einen Randy sehen, der wieder schnell ist.»
Und schnell war er vor seinem Sturz. Schnell, aber nicht kopflos. Völlig verschont blieb auch er in seiner Karriere zwar nicht, doch Stürze waren bei ihm selten. Er geniesst diesbezüglich einen guten und sicheren Ruf. Aber Krummenacher sagt auch: «Je nach Situation habe ich etwas mehr riskiert, um den Unterschied zu machen und mich für ein Werksteam zu empfehlen. Auf vielen Strecken ist das Risiko für mich kalkulierbar. In Spa war das aber nicht der Fall, weil ein Teil der Strecke neu asphaltiert worden war. Im Nachhinein bin ich jetzt schlauer.»
Immerhin: Guter Dinge ist Krummenacher, dass er am 20. September für das 24-Stunden-Rennen Bol d’Or in Frankreich wieder bereit ist. «Das wird mein Rennen», sagt er mit Nachdruck. «Sobald ich grünes Licht habe, werde ich alles daransetzen, perfekt vorbereitet zu sein.»
