Bezirk Hinwil

Bezirk Pfäffikon

Bezirk Uster

Tösstal

Themen

Specials

Services

ZO Portale

Abo

Sport

Zurück in den Punkten

Das steckt hinter dem Sauber-Aufschwung

Das Hinwiler Formel-1-Team ist viel besser unterwegs als in der letzten Saison. Wo liegen die Gründe dafür?

Die Sauber-Piloten – hier Gabriel Bortoleto – lassen ihre Konkurrenten wieder öfter hinter sich.

Foto: Sauber Motorsport

Das steckt hinter dem Sauber-Aufschwung

Das Hinwiler Formel-1-Team ist viel besser unterwegs als in der letzten Saison. Wo liegen die Gründe dafür?

McLaren, Ferrari, Mercedes – und dann schon Sauber. Das sind die besten Teams der letzten drei Formel-1-Rennen in Spanien, Kanada und Österreich. 20 Punkte holte der Hinwiler Rennstall in dieser Zeitspanne. Klar mehr als alle anderen Mittelfeldteams. Sogar einen mehr als Red Bull.

Drei Rennen in Serie, in denen es Punkte gab. Das liegt für andere an der Tagesordnung. Für Sauber war es das erste Mal seit dem Frühling 2022. Damals fuhr Valtteri Bottas fünfmal in Serie in die Top Ten.

Kurz vor Saisonhälfte – der GP von Grossbritannien am Sonntag ist das zwölfte von 24 Rennen – hat sich Sauber im Kampf um die besten Ränge hinter den vier Topteams zu Wort gemeldet. Davon schien das Team noch nach den Vorsaisontests weit entfernt. Die Urteile in der Fachpresse waren teilweise vernichtend, kaum jemand traute dem Team einen solchen Schritt nach vorn zu.

Und jetzt ist Sauber punktemässig dem sechsten WM-Rang näher als dem letzten. Was ist passiert?

Das Barcelona-Update: Fahrbarkeit ist Trumpf

Ein neuer Unterboden und veränderte Seitenkästen. Dieses Update auf den GP von Barcelona hin war der Schlüssel für die Rückkehr in die Punkteränge. Es gibt gleich mehrere Gründe, weshalb das bemerkenswert ist.

Da ist einmal die Tatsache, dass das Update den C45 nicht unbedingt schneller machte, sondern vor allem fahrbarer. Denn ein Auto zu bauen, das im Windkanal unter Laborbedingungen möglichst viel Abtrieb generiert, ist das eine. Eine ganz andere Geschichte ist, wie gut die Fahrer auf der Strecke damit zurechtkommen – etwa wenn sie, in sogenannter «dirty air», dicht hinter einem Konkurrenten fahren. Oder wenn die Bodenfreiheit sich auf unebener Strecke verändert. Der C45 verhielt sich diesbezüglich früh in der Saison sehr zickig, um es plakativ zu formulieren. Das Problem war seit den Vorsaisontests bekannt.

Gelöst wurde es nun offensichtlich mit eben diesem Update, bei dem es nicht um so viel Abtrieb wie möglich, sondern um vorhersehbareren, konstanteren Abtrieb geht. Das gibt den Fahrern mehr Vertrauen, sie können das Auto näher am Limit bewegen – und das wirkt sich auf die Rundenzeiten aus.

Bemerkenswert sind auch die Aussagen rund um dieses Update. Teammanager Inaki Rueda sagte, dass der Herstellungsprozess für neue Teile deutlich beschleunigt worden sei. Und Teamchef Jonathan Wheatley sprach von «Tools, die funktionieren», weil das, was man im Simulator sieht, sich auf der Strecke bestätigt.

Das war nicht immer so – und das sind ermutigende Zeichen. Für den Rest der Saison, aber auch darüber hinaus. Zumal Wheatley betont, dass die Updates für die laufende Saison die Entwicklung des nächstjährigen Autos nicht beeinträchtigen.

Die Boxenstopps: Von Flop zu Top

2,29, 2,30, 2,31 und 2,44 Sekunden. So lang – respektive kurz – dauerten die vier Sauber-Boxenstopps während dem GP von Österreich am letzten Sonntag. Was dabei besonders beeindruckt: Die Boxencrew arbeitet sehr konstant. 15 Hundertstelsekunden liegen zwischen der schnellsten und der langsamsten Abfertigung. Nur ein Wimpernschlag also.

In 9 von 11 Rennen dieser Saison dauerte ein Sauber-Boxenstopp im Schnitt weniger als drei Sekunden. Und zweimal – in Miami (2,24 Sekunden) und Barcelona (2,13) – lieferten die Hinwiler die schnellsten Stopps aller Teams ab.

Es ist noch gar nicht so lange her, da waren die Sauber-Boxenstopps die Lachnummer im Fahrerlager. Anfang 2024 dauerten sie wegen verkantenden Radmuttern manchmal statt der normalen zwei bis drei Sekunden zwischen 28 und 52 Sekunden. Das bekam Sauber nach einigen Rennen in den Griff. Seither zeigt die Leistungskurve nach oben.

Womöglich hat das auch mit der Verpflichtung des ehemaligen Red-Bull-Chefmechanikers Lee Stevenson zu tun. Und nicht zuletzt gilt Teamchef Wheatley als jener Mann, der bei Red Bull die Boxencrew auf Perfektion trimmte. Nun scheint er dasselbe bei Sauber zu tun – ob es wohl nur ein Zufall ist, dass die Stopps bei Red Bull unterdessen im Schnitt wieder länger dauern?

Das Potenzial: Noch nicht ausgeschöpft

Wenn man auf das letzte Rennen in Österreich zurückblickt, muss man sagen: Da wäre auch noch mehr möglich gewesen. Für Gabriel Bortoleto lag Rang 6 in Sichtweite. Achter wurde er, weil er in den letzten Runden trotz deutlich besserer Pace den cleveren Altmeister Fernando Alonso nicht überholen konnte. Und wäre Nico Hülkenberg nach einem Fehler im Qualifying nicht 20. und Letzter geworden, sondern ähnlich weit vorne gestartet wie Bortoleto (Platz 8), hätte es statt sechs vielleicht zwölf oder gar 14 Punkte gegeben.

Luft nach oben ist also vorhanden – bei den Fahrern und auch bei den Strategen an der Boxenmauer. Aber sie alle können nun auf eine ganz andere Basis aufbauen als in den letzten anderthalb Jahren. Da brauchten die Hinwiler chaotische Rennverläufe und Ausfallorgien, um Chancen auf Punkte zu haben. Unterdessen wissen sie: Das können wir aus eigener Kraft. Das gibt Selbstvertrauen. «Man sieht die Energie im Team», sagte Teamchef Jonathan Wheatley letzten Sonntag. Und fragte rhetorisch: «Ist es nicht wunderbar, darüber zu sprechen, dass wir noch besser hätten sein können?»

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.

Kontakt

Inserieren

Abo

Services

Über uns