Sie macht den FC Hinwil stolz
Schiedsrichterin an der Frauen-EM
Désirée Grundbacher spielte einst auf höchstem Niveau – und musste sich mit 26 für eine Karriere als Fussballerin oder Schiedsrichterin entscheiden. Nun hat sie an der Heim-EM ihren grossen Auftritt.
Eine Spielerin aus der Region sucht man vergebens im Kader des Schweizer Frauen-Nationalteams. Und doch: Mit Désirée Grundbacher steht eine ehemalige NLA-Fussballerin des FC Schwerzenbach im Zentrum der Heim-Europameisterschaft. In einer allerdings anderen Rolle – als eine von nur zwölf Schiedsrichterinnen. Vor ihr waren bisher mit Nicole Petignat und Esther Staubli nur zwei Schweizerinnen an Endrunden zum Einsatz gekommen.
«Es erfüllt mich mit Stolz und Ehre, dass ich dabei sein kann», sagt Grundbacher im Pre-Camp der Unparteiischen in Nyon. Medienanfragen darf sie seit Bekanntgabe des Aufgebots von Anfang Juni nicht mehr annehmen.
Etwas stolz dürfte man auch beim FC Hinwil sein. Für den Drittliga-Verein ist die 41-Jährige nämlich als Schiedsrichterin gemeldet. Das Aussergewöhnliche daran: Grundbacher lebt zwar längst mit ihrer Familie im Baselbiet. Trotzdem zog sie im letzten September als Schiedsrichterin zurück ins Oberland. Der Transfer kam wegen Differenzen mit dem Nordwestschweizer Verband zustande.
Durch ehemalige Mitspielerin zurück ins Oberland
Wesentlichen Anteil an Grundbachers Klubwechsel hat die Hinwiler Familie Beutler. Den ersten Kontakt zum FCH knüpfte ihre frühere Mitspielerin Barbara Beutler, die seit ihrer Hochzeit Henzi heisst. Sie ist ihr als Gotte ihres älteren Sohns Mael noch immer eng verbunden.
Henzis Vater Hanspeter Beutler ist derweil nicht nur der Schiedsrichter-Verantwortliche beim FCH, sondern ein Mentor der ersten Stunde in Grundbachers Karriere als Schiedsrichterin. Er sagt: «Ihr Talent war sogleich offensichtlich.»
Talent hatte die gebürtige Bernerin auch als Stürmerin. Mit 21 wechselte sie aus ihrer Heimatregion zum damaligen NLA-Verein Schwerzenbach und durchlebte mit ihm in der Folge mehrere Änderungen des Klubnamens und Umstrukturierungen bis hin zu den GC-Frauen. Der neue Verein brauchte eine Schiedsrichterin – und fand sie schliesslich in Grundbacher. «Zu Beginn habe ich mir nicht viel gedacht», sagte sie einst.

Grundbacher ist in beiden Rollen erfolgreich. Sie bestritt 13 Länderspiele und zählte 2008 zu den Torschützinnen beim Cup-Sieg des damaligen FFC United Schwerzenbach. Als Spielerin lag ihr ein unterschriftsreifer Vertrag als Halbprofi vor.
Gleichzeitig bekam sie vom Regionalverband die Chance offeriert, als Schiedsrichterin in die 2. Liga aufzusteigen. Die Bedingung: Sie muss ihre Karriere als Fussballerin beenden.
Nach dem Challenge-League-Debüt geht es schnell
26 Jahre alt war Grundbacher da. «Ich habe lange mit dem Entscheid gehadert, habe oft geweint», erinnerte sie sich später an die Zeit nach ihrem Rücktritt. Zudem: Auch als Schiedsrichterin ging es nicht nur aufwärts. Grundbacher ist zwar bereits seit 2012 Fifa-Schiedsrichterin. Ihre erste Partie auf Stufe Challenge League leitete sie allerdings erst vor drei Jahren. Das hatte auch private Gründe. Grundbacher wurde in der Zwischenzeit zweimal Mutter.
Nach der Geburt des zweiten Kinds ging es aber schnell. Keinen Monat später bestand sie den mit Intervallen und Sprints gespickten Schiedsrichter-Test.

Im Frühling 2024 arbitrierte sie erfolgreich nicht nur erstmals ein Männer-Länderspiel, sondern erlebte auch national auf höchster Stufe ihre Premiere. Der Lohn: Seit Anfang Jahr hat Grundbacher, die 50 Prozent bei einer Krankenkasse arbeitet, offiziell die Qualifikation für die Super League.
Regelmässig an ihrer Seite bei den Spielen sind Susanne Küng und die gebürtige Mönchaltorferin Linda Schmid – so auch an der EM-Endrunde der Frauen.

Dort erstmals im Einsatz steht Grundbacher mit ihren Assistentinnen am Donnerstag beim Gruppenspiel zwischen Belgien und Italien. Die Vorfreude ist gross: «Es ist ein emotionales Highlight. Dass es auch noch im eigenen Land ist, macht es extrem besonders», sagt sie.
Wie oft Grundbacher in den nächsten Wochen insgesamt zum Einsatz kommen wird, ist nicht bekannt. Die Uefa gibt die Schiedsrichter-Teams jeweils erst 48 Stunden vor Anpfiff bekannt.
Kurz vor ihrer EM-Feuertaufe verspürt sie zwar einen gewissen Druck, lässt sich dadurch aber nicht beirren: «Ich denke, das ist bei den Spielerinnen genau gleich. Es geht darum, die bestmögliche Leistung abzurufen.»