So steht es um den Frauenfussball in der Region
Wie viele Mädchen und Frauen kicken in den Oberländer Klubs? Und wie fällt der Vergleich mit dem Kanton und der ganzen Schweiz aus? Wir haben die Zahlen zusammengetragen.
Es sind noch nicht ganz so viele, wie die Stadt Zürich Einwohner hat. Aber es sind mehr, als in den drei Zürcher Oberländer Bezirken Hinwil, Pfäffikon und Uster zusammengezählt leben: Gut 340’000 Menschen spielen in der Schweiz Fussball und sind über einen Verein im Schweizerischen Fussballverband (SFV) lizenziert. Konkret waren es per Ende Mai 340’363. Gut 41’000 davon sind Frauen – das entspricht einer Quote von 12 Prozent.
Dass diese Quote höher wird, dafür soll nicht zuletzt auch die Europameisterschaft der Frauen in der Schweiz sorgen, die am Mittwoch beginnt. Einen Boom soll das Turnier mit sich bringen respektive auslösen. «Here to stay», so lautet der Leitsatz des SFV, «gekommen, um zu bleiben» also. Ein ganzes Bündel an Massnahmen und Projekten gruppiert der Verband darunter. Und er setzt sich sehr konkrete Ziele. Bis 2027 soll es doppelt so viele Fussball spielende Mädchen und Frauen geben, doppelt so viele Schiedsrichterinnen, doppelt so viele Trainerinnen. Wie ambitioniert das ist, zeigt ein Blick zurück: Von 20’000 bis zu den heutigen gut 40’000 dauerte es rund 15 Jahre.
Doch wie sieht die Entwicklung in der Region aus? Hält sie mit jener auf nationaler Ebene Schritt? Hinkt sie hinterher? Oder ist man im Oberland gar weiter?
Die Grafik zeigt: Das Oberland ist eigentlich eine Vorzeigeregion, was die Frauenquote in den Klubs anbelangt. 15,3 Prozent beträgt sie – das ist genau gleich viel wie im gesamten Gebiet des Fussballverbands der Region Zürich (FVRZ), der neben dem Kanton Zürich auch den Kanton Schaffhausen sowie Teile des Kantons Schwyz umfasst. Höher als im FVRZ ist die Quote in keinem anderen der 13 Regionalverbände.
Am meisten Nachholbedarf hat das Tessin (5,7 Prozent), gefolgt vom Waadtland (9,2 Prozent), vom Kanton Neuenburg (9,3 Prozent) und vom Kanton Genf (10,2 Prozent). Man kann also sagen: Nachholbedarf besteht anderswo mehr – gerade wenn es um das Ziel des SFV geht, die Anzahl Fussball spielender Frauen innert zweier Jahre zu verdoppeln.
Im Oberland hat ein Trend eingesetzt
Doch zurück in die Region. 15,3 Prozent also. Das heisst: Knapp jede siebte von einem Oberländer Klub lizenzierte Person ist eine Frau. Konkret gab es per Ende Mai in der Region 11’068 Lizenzierte. 9372 davon waren männlich, 1696 weiblich. Das sind so viele Frauen wie noch nie. Der Wert stieg in den vergangenen vier Jahren kontinuierlich an, nachdem er sich über zehn Jahre lang zwischen rund 850 und knapp 1000 hin und her bewegt hatte.
Ein Trend hat also bereits eingesetzt. Wird die Europameisterschaft ihn beschleunigen? Dieser Frage werden wir mit einigen Monaten Abstand zum Turnier nachgehen – und dabei die heute vorliegenden Zahlen zum Vergleich herbeiziehen.
Schaut man sich die Verteilung in der Region genauer an, fällt auf: Die Quote ist nicht auf allen Altersstufen gleich hoch. Auf Stufe Aktive und Senioren sind es 9 Prozent. Im Nachwuchs sind es gar 18 Prozent.
Vereinfacht und plakativ gesagt: Nur knapp jeder zehnte lizenzierte erwachsene Mensch ist eine Frau – im Nachwuchs hingegen ist es schon fast jeder fünfte. In konkreten Zahlen: In der Region spielen 261 Frauen Fussball – und 1435 Mädchen.
Und so sieht die Momentaufnahme der Lage in der Region aus:
Studiert man diese Zahlen etwas, fallen verschiedene Dinge auf. Allen voran: Die grössten Klubs sind nicht jene mit dem höchsten Frauenanteil. Im FC Uster und im FC Pfäffikon, die mit knapp über 1000 respektive knapp 900 Lizenzen die beiden grössten Vereine der Region sind, ist der Frauenanteil zwar noch immer deutlich über dem regionalen Schnitt – aber doch noch ein Stück entfernt vom verhältnismässig kleinen FC Schwerzenbach, wo von 157 Lizenzen 74 auf Frauen entfallen – das sind 32 Prozent.
Sowohl beim Anteil auf Stufe Erwachsene (27 Prozent) als auch bei jenem im Nachwuchs (36 Prozent) ist der FCS der Spitzenreiter. Das wird auch historische Gründe haben – schliesslich hat der Frauenfussball im 1974 gegründeten Klub grosse Tradition. Seit Ende der 1980er Jahre spielten die Schwerzenbacher Frauen in der höchsten Liga, wurden 1992 Cup-Siegerinnen und holten 1999 den Meistertitel. 2003 folgte der zweite Cup-Sieg als FC Schwerzenbach, bevor die Frauenabteilung in den FFC United ausgegliedert wurde – und letztlich im Grasshopper Club aufging. Seinen Ruf als Frauenfussball-Hochburg hat der FCS aber offensichtlich noch immer.
Den zweithöchsten Wert weist mit 29 Prozent der ebenfalls recht junge FC Egg auf, dann folgt mit 28 Prozent der FC Effretikon, dessen Frauen-Fanionteam soeben in die 1. Liga aufgestiegen ist, womit die Region auch bei den Frauen wieder auf der überregionalen Stufe vertreten ist.
Ein Dutzend Klubs warten insgesamt mit einem Anteil von 15 Prozent oder mehr auf. Eine Auffälligkeit darunter ist der FC Turbenthal, mit 122 Lizenzen einer der kleinsten Klubs aus der Region, der es aber auf eine Quote von 24 Prozent schafft.
Bei zwei Klubs spielte noch nie eine Frau
Auf der anderen Seite der Skala finden sich drei Klubs, bei denen keine einzige Frau lizenziert ist. Bei zwei davon war das sogar noch nie in der Klubgeschichte der Fall: beim 2019 gegründeten und in Rüti beheimateten Napoli Club Zurigo Partenopea sowie beim 2012 in Wetzikon gegründeten U.S. Virtus Badolato. Wer aber nun denkt, Frauen würden in diesen Klubs absolut keine Rolle spielen, ist auf dem Holzweg: Bei den Rütner Neapolitanern sind zwei von fünf Vorstandsmitgliedern Frauen. Bei den Badolatesi besteht der neunköpfige Vorstand zu einem Drittel aus Frauen. Und die einzige Juniorenequipe des Vereins hat eine Trainerin.
Was ebenfalls auffällt: Mit dem FC Dübendorf, dem FC Greifensee und dem FC Gossau sind drei Klubs, deren Männer-Fanionteams zu den besten der Region gehören, bei den Mädchen und Frauen praktisch inexistent.