Die besten Handballer der Welt spielen – und mittendrin ein Bubiker
Noam Leopold aus Bubikon trat in Köln vor 20’000 Zuschauern mit Nantes am Final 4 der Champions League auf.
Urs Stanger, Köln
Mit 14 Jahren sagte er sich: «Ich will die Champions League gewinnen.» Damals spielte Noam Leopold bei den Junioren von Handball Stäfa. Jetzt, am vergangenen Wochenende, war der Bubiker seinem grossen Ziel nahe, sehr nahe. Bereits viel näher, als er es sich damals vor neun Jahren hätte erträumen dürfen.
Letzten Sommer wechselte der Linksaussen von Pfadi Winterthur, wo er drei Saisons bestritt und zum Schweizer Nationalspieler reifte, zum HBC Nantes. Die Wahl war ein Glücksgriff. Das Spitzenteam aus Frankreich qualifizierte sich dieses Jahr zum dritten Mal nach 2018 und 2021 für das Final-4-Turnier der Champions League.
«Das ist ein Privileg»
Und so schritt Noam Leopold, noch nicht 23-jährig, dieses Wochenende in die Lanxess-Arena in Köln. Mit 20’000 Zuschauenden war sie an beiden Tagen ausverkauft. Nirgendwo sonst ist Handball grösser als in dieser Halle.
«Hätte ich damit gerechnet? Ja! … Ich mache alles dafür. Aber dass ich so etwas schon in meiner ersten Saison erleben kann, ist ein Privileg», meinte Leopold in der Lanxess-Arena. «Ich habe mich riesig auf die Spiele gefreut und versucht, jede Minute auf dem Feld zu geniessen.»
Ein Genuss war der Champions-League-Halbfinal für Nantes gegen die Füchse Berlin, den deutschen Meister, dann allerdings nicht. Es setzte ein 24:34 ab. «Sport tut manchmal weh. Das war ein harter Schlag für die Mannschaft. Wir konnten nicht unser Spiel zeigen, wenn es am wichtigsten gewesen wäre», musste Leopold feststellen.
Tags darauf im Match um Platz 3 gegen den FC Barcelona, den Titelverteidiger und Rekordgewinner der Champions League, «wollten wir eine Reaktion zeigen, wollten wir beweisen, dass wir trotz dieses Halbfinals hierhin gehören. Das ist uns gelungen.»

Nantes tat mehr für den Sieg als Barça und gewann 30:25. Und man mag feststellen, dass es an einem Champions-League-Finalturnier selten eine Mannschaft gab, die sich so sehr über Platz 3 freute wie Nantes.
Grandiose «Fanfare du H»
Die Fans des HBC feierten mit. Ohnehin waren sie die absolute Bereicherung des Turniers, vor allem dank der «Fanfare du H», einer 15-köpfigen Blaskapelle, die so gut wie pausenlos musizierte, wenn Nantes spielte – und am Sonntagmorgen vor dem Kölner Dom ein Platzkonzert abhielt …
Die Stimmung sei in jedem Heimspiel von Nantes so, erklärte Leopold. «Nonstop 60 Minuten lang, egal gegen welchen Gegner. Und immer 6000 Zuschauer. Wir haben die besten Fans in ganz Europa. Wir wollen sie stolz machen und waren ihnen schuldig, gegen Barça ein grosses Spiel zu machen.»
Trotzdem: Eine Niederlage im Halbfinal war nicht das, was man sich in Nantes vom Final 4 erwartet hatte. «Klar wollten wir mehr, wir wollten in den Final, wir wollten gewinnen», meinte Leopold und sprach auch das Wort «Enttäuschung» aus. «Wir werden alles versuchen, um nächstes Jahr wieder hier zu sein. Dann sind wir auch ready für den Halbfinal.»

Noam Leopold, der junge Linksaussen aus Bubikon, stand in beiden Spielen total 40 Minuten im Einsatz. Er löste den grossen Valero Rivera am linken Flügel ab und erzielte aus drei Versuchen drei Tore. Das sind alles sehr schöne Werte für einen Neuling.
Die stattliche Delegation von Pfadi Winterthur, die in der Arena zuschaute, konnte stolz auf den Auftritt des ehemaligen Team- und Liga-Topskorers sein. Er habe mit Goran Cvetkovic und Stevan Kurbalija, seinen Pfadi-Trainern, gesprochen, erzählte Leopold. «Es hat gutgetan, sie wieder einmal zu sehen. Und dass auch ein paar Jungs der Mannschaft da waren, hat Spass gemacht.»
Einer, der noch vor einem Jahr mit Leopold bei Pfadi gespielt hatte, sass hinter dem Radiomikrofon und musste miterleben, wie sich sein Barça nach der Niederlage gegen Nantes gar mit Rang 4 zu begnügen hatte: Viran Morros, spanischer Welt- und Europameister und dreimaliger Champions-League-Sieger.
«Es gibt nichts Grösseres»
Leopolds erste Saison als Auslandprofi ist vorbei. Jetzt stehen Ferien mit Familie und Freundin in El Salvador an. «Etwas abschalten tut gut.»
Und dann geht die Vorbereitung auf die neue Saison los. Noam Leopold ist noch nicht am Ziel. «Es gibt nichts Grösseres als das Final 4 der Champions League. Hier sind die vier besten Mannschaften der Welt, die besten Spieler der Welt, die ganze Handballwelt schaut zu», sagte er in der Lanxess-Arena. «Ich will nochmals hierhin, es war nicht das letzte Mal, dass ich da war. Ich werde alles dafür machen.»