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Wetzikerin am Eidgenössischen Turnfest

Die kreative Vielstarterin

Für Sandy Luginbühl aus Wetzikon wird dieses Eidgenössische Turnfest das strengste. Und wohl auch das emotionalste.

Für jeden Start ein eigenes Outfit: Sandy Luginbühl reist mit einer grossen Garderobe nach Lausanne.

Foto: Christian Merz

Die kreative Vielstarterin

Sandy Luginbühl aus Wetzikon hat sich am Eidgenössischen Turnfest ein strenges Programm aufgehalst. Lausanne ist längst nicht ihr erstes Fest – es dürfte aber eines der emotionalsten werden.

Das Eidgenössische Turnfest (ETF) ist für sie auch ein Stressfest – jedenfalls gleich zu Beginn am Donnerstag. Fünf Einsätze stehen für Sandy Luginbühl am ersten Tag in Lausanne auf dem Programm. «Ich hatte schon gehofft, dass sich das etwas besser über die Tage verteilt. Im ersten Moment habe ich leer geschluckt», sagt sie.

Das Programm hat es effektiv in sich: Um 9 Uhr geht es wettkampfmässig los mit dem Wetziker Gymnastikteam. Um 11 Uhr ist sie als Paar mit ihrem Vater Beat Luginbühl am Start, abends ab 19.20 Uhr dann im Geräteturnen Sie+Er zusammen mit Nick Fischer.

Und als wäre das nicht genug: Am selben Tag steht die Eröffnungszeremonie an, für die die Wetziker Gymnastikgruppe von den Organisatoren ebenfalls angefragt worden ist. «Natürlich wollten wir uns das nicht entgehen lassen», sagt Sandy Luginbühl. Also noch zwei Termine mehr für sie – denn so eine Zeremonie will auch geprobt werden.

Durchgetaktet – das passt zu ihr

Ein gut durchgetakteter Donnerstag also. Doch das passt eigentlich sehr gut zur 30-Jährigen. Denn der Sport ist ihr Lebensinhalt, auch über das Turnen hinaus. Bei einem Kaffee im Restaurant der Sportschule Dürnten, wo sie als Athletiktrainerin und Masseurin arbeitet, zählt Luginbühl auf, was sie alles macht und schon gemacht hat. Die Worte sprudeln dabei nur so aus ihr heraus. Ihre Leidenschaft für den Turnsport ist spürbar. Sie übt ihn nicht nur aus, sie lebt ihn. Kreativ und auf verschiedenste Arten.

Es vergeht kaum ein Tag, an dem sie nicht in einer Turnhalle steht, sei es trainierend oder in leitender Funktion. Und das tut sie alles gleich in zwei Vereinen: im TV Wetzikon, für den sie am zweiten ETF-Wochenende im Vereinswettkampf turnt, und im TV Rüti. Der Erste ist ihr Heimat- und Herzensverein – und der Zweite jener, in dem sie ihre Leidenschaft als Kunstturnerin fand und pflegt.

Turnerin Sandy Luginbühl im Leistungszentrum Rüti
Als Kunstturnerin blieb Sandy Luginbühl die Aufnahme in ein Kader verwehrt – «heute wäre das anders», sagt sie.

Luginbühl war einst eine ambitionierte und durchaus erfolgreiche Kunstturnerin. 2010 holte sie an den Schweizer Meisterschaften Bronze am Sprung – gewonnen hatte damals eine gewisse Ariella Kaeslin. Die Wetzikerin nennt das jetzt noch ihren grössten Erfolg. Obwohl es längst nicht die einzige SM-Medaille für sie blieb; 2023 beispielsweise gewann sie in der Gymnastik sowohl im Einzel als auch im Paar Gold. Bemerkenswert bei der Kunstturnmedaille 2010 ist aber: Luginbühl turnte als Amateurin mit und nicht als Kadermitglied.

Vom Sprung ins nationale Leistungszentrum nach Magglingen träumte sie, aber nur schon die Aufnahme ans regionale Leistungszentrum blieb ihr verwehrt. «Es hiess: ‹Du bist zu gross und hast zu breite Hüften.› Heute wäre das anders, aber damals wollte man einfach die kleinen, feinen Mädchen.» Turnerisch hatte sie an der Aufnahmeprüfung zu den Besseren gehört, umso mehr tat es ihr weh zu hören, dass es wegen des Körpers nicht reicht. «Stolze 1,62 Meter bin ich gross», sagt sie.

Wehmut schwingt nun aber keine mehr mit, wenn sie zurückdenkt. Denn: «Eigentlich ist es das Beste, was mir passieren konnte. Denn ich turne immer noch sehr gerne. Und mein Körper erlaubt mir das auch.» Sie weiss von vielen in vergleichbarem Alter, die schon mehrfach verletzt waren oder chronische Probleme haben. «Da kann ich bei mir nur sagen: Holz aalange. Man muss auch ein bisschen Glück damit haben, dass es der eigene Körper mitmacht.»

Vielleicht wurde ihr dieses Glück auch in die Wiege gelegt. Turnen ist bei den Luginbühls Familiensache, Vater und Mutter sind in Wetzikon im Verein, ihr Bruder war das ebenso. «Eigentlich war das MuKi-Turnen mein erster Kontakt zum TV», sagt Sandy Luginbühl. Unterdessen bezeichnet sie den Verein als ihre zweite Familie.

Das strengste und emotionalste Turnfest

Ganz so genau weiss sie übrigens nicht mehr, wann sie erstmals an einem Eidgenössischen mit dabei war. «Ich kann mich erinnern, dass ich 2007 in Frauenfeld war. Ob ich auch schon sechs Jahre vorher dabei war, weiss ich nicht mehr. Wenn, dann nur als Fan von Mami und Papi.»

Mindestens ihr viertes Eidgenössisches Turnfest ist es also nun – und gleichzeitig auch das strengste. «So krass war es noch nie», sagt Luginbühl. Vielleicht aber wird es auch so emotional wie noch nie. Schon am Donnerstag steht für die Wetzikerin ein Höhepunkt an: der Auftritt als Gymnastikduo zusammen mit ihrem Vater.

«Er hatte sich schon länger gewünscht, einmal ein Gymnastikprogramm mit mir zu zweit zu machen. Und ich dachte mir, dass es ein gutes Geburtstagsgeschenk wäre.» Beat Luginbühl wird am Samstag 60 Jahre alt – es wäre fast kitschig, wäre auch der Wettkampf dann angesetzt gewesen. Vielleicht ist es aber auch besser so. Denn Sandy Luginbühl sagt: «Wir sind mega nervös.»

Mit mangelnder Routine kann die Nervosität allerdings nicht zu tun haben. Schon seit über einem Jahr feilen Vater und Tochter Luginbühl nämlich an ihrem Programm, aufgeführt haben sie es schon mehrfach. Die beiden zeichnen quasi sich selber nach. Erst sitzt sie im Kinderwagen, dann wird sie zum rebellischen Teenager – und am Schluss «sind wir eigentlich, wie wir heute sind». Die Lacher werden sie damit auf ihrer Seite haben. «Es hat sich schon herumgesprochen.»

Ein spezieller Auftritt wird es für die beiden also ohnehin sein. Doch nur um das Erlebnis allein geht es nicht. «Wir hoffen schon, dass wir ein bisschen erfolgreich sind», sagt Luginbühl. Ihr Ziel ist es, sich für die Schweizer Meisterschaften zu qualifizieren, die im September stattfinden. Sie glaubt, dass es dort in der Kategorie 35+ weit nach vorne reichen könnte. Am ETF hingegen wird diese Kategorie nicht einzeln geführt. «Wir wollen einfach so gut wie möglich abschneiden», sagt die Wetzikerin.

Ambitionen wird sie auch am Samstag haben – als Kunstturnerin bei den Amateurinnen. Obwohl sie sich da selber als «rächt es alts Guetsli» bezeichnet. Die zweitälteste Starterin wird sie mit ihren 30 Jahren sein – und sie sagt: «Ich habe noch nie ein so schwieriges Programm geturnt wie jetzt.» Einen Diplomrang strebt sie im Mehrkampf an, also einen Platz unter den besten acht.

Es darf auch feuchtfröhlich sein

Zupass kommt ihr da der gedrängte Zeitplan am ersten Wochenende doch noch. Am Freitag hat sie nämlich keinen Einsatz. «Da kann ich ausnüchtern», sagt Luginbühl unverblümt. Dass der Donnerstagabend – nach getaner Turnarbeit quasi – feuchtfröhlich wird, gehört für sie genauso dazu wie die sportlichen Ambitionen, die sie hat. «Manchmal entstehen gewisse Ideen für Turnprogramme auch im Ausgang. Die Inspiration dazu kann auch in Form von Getränken sein», sagt sie lachend.

Und was das strenge Programm anbelangt, weiss sie jetzt schon: «Am zweiten Wochenende werde ich es spüren. Denn ich fühle mich zwar im Kopf noch sehr jung. Aber ich bin gleichzeitig auch eine, die irgendwann doch einfach ihren Schlaf braucht. Und davon wird es wohl nicht sehr viel geben.»

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