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Ultrafahrerin ist guter Dinge

Ihre Rekordjagd führt über 5000 Kilometer

Die Wetzikerin Isabelle Pulver ist im Training kürzlich von einem Auto angefahren worden – dennoch hat sie am Race Across America Grosses vor.

Ein Detail, aber ein durchaus spürbares: Isabelle Pulvers Helm ist leichter geworden.

Foto: Peter Stadler

Ihre Rekordjagd führt über 5000 Kilometer

Die Wetzikerin Isabelle Pulver ist im Training kürzlich von einem Auto angefahren worden – dennoch hat sie am Race Across America Grosses vor.

Ihre Vorbereitung war alles andere als ideal. Auf einer Trainingsfahrt wird Isabelle Pulver von einem Auto angefahren. Die mehrfache Weltmeisterin und Weltrekordhalterin im Ultracycling stürzt, schlägt hart mit dem Kopf auf dem Boden auf und muss mit der Ambulanz ins Spital gebracht werden.

Die berechtigte Frage danach: War es das jetzt mit dem Race Across America (RAAM), dem wohl härtesten Nonstop-Radrennen der Welt?

Mitnichten. Knapp fünf Wochen später sagt die aus Wetzikon stammende Sportlerin: «Mir geht es bestens, und ich habe keine Beschwerden.»

An Auffahrt ist die 54-Jährige nach Kalifornien gereist. Am Dienstag nimmt sie von Oceanside aus die knapp 5000 km lange und mit 52’000 Höhenmeter gespickte Strecke von der West- an die Ostküste der USA in Angriff.

14 Bundesstaaten durchquert Pulver bis zum Ziel in Atlantic City. Drei Wüsten und die Bergketten Sierra Nevada, Rocky Mountains sowie die Appalachen werden sie besonders stark fordern.

Von ihren Ambitionen ist Pulver trotz Schreckmoment mit dem Unfall keineswegs abgerückt. Pulver will das Frauenrennen zum dritten Mal gewinnen.

Damit würde sie in der Siegerinnenliste zur zurückgetretenen Oberländerin Nicole Reist aufrücken.

Pulver sorgt für Aufsehen

Um sich zur Rekordsiegerin zu machen, wären aber noch weitere Erfolge nötig. Seana Hogan gewann das Rennen sechsmal, darunter viermal hintereinander.

Es ist nicht Hogans einzige Bestmarke. Keine fuhr die Jahr für Jahr leicht geänderte Strecke jemals schneller als die als RAAM-Legende geltende US-Amerikanerin 1995. Sie brauchte für die damals 4686 Kilometer, die zudem weniger Höhenmeter aufwiesen, 9 Tage, 4 Stunden und 2 Minuten.

Schlafpausen eingerechnet, war Hogan mit einer Geschwindigkeit von 21,29 km/h unterwegs. Diese Marke will Pulver unterbieten.

Es wäre bei ihrer vierten RAAM-Teilnahme der nächste Beweis ihrer aussergewöhnlichen Qualitäten als Ultrafahrerin. Pulver hat im legendären Rennen durch die USA schon mehrfach für Aufsehen gesorgt. Beim Debüt 2015 gewann sie gleich bei den Solofrauen. 2023 gelang ihr dasselbe erneut.

Mit dem Unterschied, dass Pulver das Kunststück fertigbrachte, bei ihrem Triumph auch alle männlichen Solofahrer hinter sich zu lassen. In der bisher 41-jährigen Geschichte des Ultrarennens schaffte das bisher neben ihr einzig die Kanadierin Leah Goldstein. 9 Tage, 12 Stunden und 16 Minuten benötigte Pulver 2023 für die 4800 Kilometer.

Die singende Fahrerin

Heuer also will Pulver noch schneller sein. Dafür überlässt sie nichts dem Zufall. Die Detailpflege ist in allen Bereichen gross. So tritt die Wetzikerin beispielsweise mit einem leichteren Helm an als beim letzten Mal, in den wiederum eine Sprech- und Musikanlage eingebaut ist.

Die Athletin kann nicht nur Musik hören, wobei sie bisweilen laut mitsingt, sondern auch Telefongespräche führen und Anweisungen des Begleitteams entgegennehmen.

Die Ultacyclerin sitzt derweil nicht immer auf demselben Velo. Sie ist mit drei verschiedenen angereist. Einem Allround-Velo, einem Scheibenrad-Velo für flaches Terrain sowie einem Velo für die Berge.

Warum sie sich das RAAM erneut antut? Pulver ist jemand, der ganz allgemein findet: «Grenzen auszuloten, fasziniert mich.»

An Grenzen wird sie zweifelsohne stossen, auch Rückschläge erleiden. Dass sie mit solchen umgehen kann, hat sie häufig gezeigt. Im Frühjahr 2022 erlitt Pulver eine Hirnblutung – nur sieben Wochen später bestritt sie wieder ein Rennen. Mitte 2023 zog sie sich nach einem Sturz eine schwere Schulterverletzung zu. Erneut kam sie zurück – wie auch nach dem jüngsten Unfall.

Ein wichtiger Punkt aus ihrer Sicht: «Ich profitiere von meiner grossen Disziplin, die ich mir über all die Jahre erarbeitet habe.»

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